2008.01.31 Neuss : "Klotzen statt Kleckern" auf dem Bundesliga-Basar

Die 18 Bundesligisten haben in der Winterpause noch einmal kräftig ihren Geldkoffer geöffnet. Rund 48 Millionen Euro für 43 Neuzugänge flossen bei den Erstliga-Teams.

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Bayern Münchens Neuzugang Breno

Wie auf dem Basar ging es wieder einmal in der Winterpause bei den Klubs der Bundesliga zu. Bis zum Ende der Wechselperiode am Donnerstag investierten die 18 Erstligisten rund 48 Millionen Euro in 43 Neuzugänge. Damit wurde der bereits im Sommer aufgestellte Transfer-Rekord noch einmal auf über 250 Millionen Euro Ausgaben gesteigert. Kurz vor Toresschluss verpflichtete Werder Bremen für fünf Millionen noch U21-Nationalspieler Mesut Özil von Vizemeister Schalke 04.

Wie die Hanseaten am Donnerstagabend offiziell bekanntgaben, unterzeichnete das 19 Jahre alte Mittelfeldtalent bei Werder einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011. Der U21-Nationalspieler war bei den Königsblauen nach Meinungsverschiedenheiten über einen neuen Kontrakt in Ungnade gefallen. In Bremen könnte der Deutsch-Türke die Rolle übernehmen, die eigentlich Carlos Alberto zugedacht war. Der Brasilianer, der bei Werder nie Fuß fassen konnte, wurde bis zum Saisonende an den FC Sao Paulo ausgeliehen.

Nur ein Neuzugang auch in München

Rekordmeister Bayern München holte wie die Bremer ebenfalls nur einen Neuen. Der Tabellenführer vollzog mit dem zwölf Millionen Euro teuren brasilianischen Abwehr-Jungstar Breno vom FC Sao Paulo den kostspieligsten Wintertransfer und erhöhte somit seine Transferausgaben der laufenden Saison auf etwa 81 Millionen Euro. Bei Schalke, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC Berlin schlug sich das grassierende Wechselfieber dagegen in der Breite nieder.

Die Schalker verpflichteten für insgesamt 6,5 Millionen Euro den Brasilianer Ze Roberto II (Botafogo), den Uruguayer Vicente Sanchez (Deportivo Toluca) und Albert Streit (Eintracht Frankfurt). Besonders der Namensvetter von Bayerns Ze Roberto möchte die Königsblauen in der Bundesliga weiter nach vorne bringen: "Ich bin ein Spieler, der viel mit Dribblings und Passspiel arbeitet, aber auch immer den Mitspieler in Szene setzt."

Neuer Angriff bei der Eintracht

Frankfurt absolvierte dagegen in der Offensive gleich eine Transfer-Rochade. Für die abgewanderten Streit, Naohiro Takahara (Urawa Red Diamonds) und Michael Thurk (FC Augsburg) holten die Hessen für zusammen knapp acht Millionen den Brasilianer Caio (Palmeiras Sao Paulo) sowie die Nationalstürmer Martin Fenin (FK Teplice) und Evangelos Mantzios (ausgeliehen von Panathinaikos Athen).

Ebenfalls in den Angriff investierten Meister VfB Stuttgart mit Sergiu Radu (Leihgabe vom VfL Wolfsburg) und Hertha BSC. Die Berliner holten nach langem Tauziehen mit dem FC Zürich den brasilianischen Wunsch-Stürmer Raffael sowie auf Leihbasis den Bulgaren Waleri Domowtschiski (Lewski Sofia). "Raffael wird mit seinen Qualitäten unser Offensivspiel beleben", sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

Das Mittelfeld der Hauptstädter sollen Allrounder Gojko Kacar (FK Novi Sad) und das US-amerikanische Talent Bryan Arguez (D.C. Washington United) verstärken. Die mit 8,1 Millionen Euro nach den Bayern zweithöchsten Winter-Ausgaben konnte sich die Hertha durch den Abschluss eines 25-Millionen-Deals mit Rechtevermarkter Sportfive leisten. Dagegen konnten die schon sicher geglaubten Einnahmen aus dem Verkauf des brasilianischen Nationalspielers Gilberto nicht verbucht werden. Der Wechsel des Mittelfeldspielers zum englischen Klub Tottenham Hotspur platzte in letzter Minute.

Kellerkinder greifen zu

Fast schon traditionsgemäß nutzten auch die meisten abstiegsgefährdeten Teams die Winterpause zur Kaderauffrischung. Während Pokalsieger 1. FC Nürnberg seine Hoffnungen in den aus Dortmunder Zeiten bekannten 2,02-m-Stürmer Jan Koller (AS Monaco/1, 1 Millionen Euro) legt, setzen die Konkurrenten Energie Cottbus und MSV Duisburg auf eine ganze Reihe von Schnäppchen.

Die Lausitzer holten Ivan Radeljic, Dusan Vasiljevic, Branko Jelic, Michal Papadopulos und Christian Müller. Der MSV sicherte sich Olivier Veigneau, Silvio Schröter, Claudiu Niculescu, Fernando Horacio Avalos sowie Bojan Vrucina. Beide Vereine zahlten jeweils "nur" rund 800.000 Euro.