2008.02.05 Neuss : Fehlende Stammkräfte machen Löw sorgen

Das Spiel gegen Österreich ist für Joachim Löw kein echter EM-Härtestest. Wegen vieler Ausfälle muss der Bundestrainer bei der Aufstellung der Nationalmannschaft improvisieren.

usc1
Bundestrainer Joachim Löw ärgert sich über die Personalsituation

Zwar will Joachim Löw am Mittwoch beim Länderspiel gegen Österreich in Wien (20.35 Uhr/live in der ARD) endgültig den Countdown für die EURO 2008 starten, doch ist die Partie für den Bundestrainer eher ein Experiment als ein echter Härtetest. "Wir wollten uns eigentlich für die EM einspielen, haben nun aber andere Voraussetzungen. Damit müssen wir leben", meinte Löw auf der Pressekonferenz recht ernüchtert vor dem Auftakt der deutschen Nationalmannschaft ins EM-Jahr.

Nachdem der deutsche Tross mit der Chartermaschine LH 5010 eine halbe Stunde verspätet sowie äußerst unsanft auf dem Wiener Flughafen gelandet und der Zeitplan bereits mächtig durcheinandergewirbelt war, wies Löw darauf hin, dass in Christoph Metzelder, Torsten Frings, Arne Friedrich, Clemens Fritz und Marcell Jansen nach wie vor viele wichtige Spieler nicht dabei sind. "Das kann man nicht so einfach kompensieren", erklärte der 48-Jährige, der deshalb auch den Wert des vorletzten Test vor der Nominierung des EM-Kaders am 15. oder 16. Mai bewusst herunterspielte.

"Mit diesem Spiel beginnt für uns der EM-Countdown"

"Für mich ist das unter den derzeitigen Bedingungen ein normales Freundschaftsspiel und kein Härtetest. Dennoch wollen wir alles daransetzen zu gewinnen. Denn mit diesem Spiel beginnt für uns der EM-Countdown", sagte der Bundestrainer. Dies betonte auch Michael Ballack, der nach elfmonatiger Pause sein Comeback beim WM-Dritten feiern wird und der als Kapitän seinem Coach gleich zur Seite sprang. "Man kann die Verletzenmisere nicht wegdiskutieren. Der Trainer muss immer wieder improvisieren. Das ist nicht einfach, auch wenn wir es in der EM-Qualifikation sehr gut geschafft haben."

Die Aufstellung bleibt ein Geheimnis

Dem England-Legionär kommt am Mittwoch im Ernst-Happel-Stadion aber auch in den nächsten vier Monaten bis zum EM-Start eine besondere Rolle zu. "Ich glaube, dass er für alle Spieler sehr wichtig ist. Er hat die Ausstrahlung und das Charisma, um der Mannschaft den Halt in der Vorbereitungsphase zu geben", meinte Löw, der vor dem Match gegen den EM-Co-Gastgeber, am 16. Juni Gruppengegner der DFB-Auswahl, an vielen Baustellen wirken musste.

"Zur Aufstellung kann ich noch nichts sagen. Am Montag war kein gezieltes Training möglich, so dass mir nur das Abschlusstraining bleibt. Das ist für einen Trainer nicht wünschenswert", klagte Löw, der in den 90 Minuten am Dienstagabend die nötigen Schlüsse für das Duell gegen den Nachbarn ziehen wollte. "Alles andere muss ich in der Besprechung erledigen", berichtete der 48-Jährige weiter.

Westermann und Jones vor ihrem Debüt

Löw geht davon aus, dass seine Mannschaft stabiler geworden ist und auch aus dem 0:3 zum Abschluss der EM-Qualifikation gegen Tschechien in München gelernt hat: "So ein Einbruch war zu erwarten. Nun müssen wir aber wieder nach vorne schauen, denn wir wollen bei der EM in Höchstform sein."

Wer gegen Österreich auflaufen wird, ließ der Nationalcoach noch offen. Im Sturm dürfte neben dem gesetzten WM-Torschützenkönig Miroslav Klose der Schalker Kevin Kuranyi zum Zug kommen. In der Viererkette wird aller Voraussicht nach Gonzalo Castro auf der rechten Seite die Stelle von Arne Friedrich einnehmen, in der Innenverteidigung Manuel Friedrich Christoph Metzelder ersetzen.

Möglicherweise erhält auch Neuling Heiko Westermann eine Chance von Beginn an. Dies gilt auch für dessen Schalker Klubkollegen Jermaine Jones, der in der Frings-Position sein Länderspieldebüt feiern könnte. "Beide haben gute Chancen zu spielen. Ich habe sie schließlich berufen, weil ich von ihnen überzeugt bin", meinte Löw.