2008.02.05 Neuss : Rekord-Olympionikin Fischer beendet Karriere

Birgit Fischer hat den Traum von einer neunten Goldmedaille bei Olympia zu den Akten gelegt. "Mein Entschluss, Peking nicht anzusteuern, ist endgültig", sagte die 45-Jährige.

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Birgit Fischer sagt Tschüss

Olympiasieg Nummer neun wird für Birgit Fischer definitiv nur ein Traum bleiben. Die erfolgreichste deutsche Athletin der Olympia-Geschichte schloss ein Comeback bei den am 8. August beginnenden Olympischen Spielen in Peking aus und beendete ihre spektakuläre Karriere.

Die Ausnahme-Kanutin, die zwischen 1980 und 2004 bei sechs Olympia-Teilnahmen acht Goldmedaillen gewann, erklärte am Dienstag im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Mein Entschluss, Peking nicht anzusteuern, ist endgültig. Es wird auch kein Comeback in den nächsten Jahren geben. Ich hatte lange genug Zeit, mir das reiflich zu überlegen."

Abschied nach "wunderschöner Sportzeit"

Der endgültige Rücktritt der am 25. Februar 46 Jahre alt werdenden Brandenburgerin erfolgt "nach dieser wunderschönen Sportzeit" nicht ohne Wehmut. Auch nicht ganz ohne Groll: "Im Deutschen Kanu-Verband hat man mich zu früh abgehakt. Das war keine Liebesbeziehung. Ich hätte den Herrn gern noch mal was gezeigt", sagt Birgit Fischer, die zuletzt nur noch Kontakt zu Bundestrainer Reiner Kießler hielt und nun sagt: "Ich werde dem Verband in den nächsten Tagen brieflich meine endgültige Entscheidung mitteilen."

Die 27-malige Weltmeisterin ist international die einzige Athletin, die bei sechs Olympiateilnahmen in Folge (dazwischen DDR-Startverzicht 1984 in Los Angeles) stets mindestens eine Goldmedaille gewann. Als einziger Mann schaffte dies Säbelfechter Aladar Gerevich, der von 1932-1960 sechsmal in Folge mit der ungarischen Mannschaft dominierte.

Nur Latynina, Nurmi, Spitz und Lewis holten häufiger Gold

Birgit Fischer, die 1988 in Seoul und 2000 in Sydney jeweils das Double im Zweier und Vierer schaffte, 1980 und 1992 im Einer siegte und 1996 und 2004 im Vierer, wird in der Anzahl der Siege nur von vier Athleten übertroffen. Je neunmal triumphierten Turnerin Larissa Latynina (9-5-4) aus der ehemaligen UdSSR (1956-64), die finnische Lauflegende Paavo Nurmi (9-3-0) zwischen 1920 und 1928, US-Schwimmer Mark Spitz (9-1-1) 1968 und 1972 (siebenmal Gold in München) sowie von 1984-96 US-Leichtathlet Carl Lewis (9-1-0).

Die deutsche Olympia-Queen könnte als einzige mit einer zweistelligen Zahl an Goldmedaillen in den Annalen stehen, wenn die DDR 1984 in Los Angeles nicht auf den Start verzichtet hätte: "Jammerschade, dass ich damals nicht paddeln konnte. Denn ich war in Hochform, hätte eine Chance auf Siege im Einer, Zweier und Vierer gehabt."

Die Entscheidung über ein mögliches Comeback hatte Birgit Fischer ursprünglich für Ende August 2007 angekündigt, diese aber mehrfach verschoben. In der Zwischenzeit trainierte sie zwar, doch ihre neuen Aktivitäten als Unternehmerin im Bereich Kanu/Mental- und Personaltraining ließen ihr oft zu wenig Zeit. "Ich hatte zwar Sponsoren, die mich ausreichend unterstützt hätten", sagte sie: "Doch ich wollte nicht ihr Geld nehmen ohne die Sicherheit zu fühlen, wieder erfolgreich sein zu können. Ich bin ein Mensch, der auch gut sein will, wenn er antritt."

Sichere Qualifikation für Peking "fast unmöglich"

Gegen ein Comeback entschied sich Birgit Fischer letztlich auch deswegen: "Vor Athen 2004 war die deutsche Konkurrenz deutlich schwächer. Diesmal sitzen aufgrund ihrer guten Resultate 2007 sechs Frauen für Peking schon ziemlich fest im Boot. Der Verband wollte durch mich keinen Stress. Um in Peking sicher dabei sein zu können, hätte ich zwei oder drei der vier Qualifikationen inklusive EM-Titel gewinnen müssen - fast unmöglich", sagt die Vorzeige-Kanutin, räumt zugleich aber ein: "Auch ohne mich sind für den DKV bei Olympia ähnlich wie 2004 vier Goldmedaillen drin."

Mit einem Comeback kollidiert wären die neuen Geschäftszweige der freien Unternehmerin Birgit Fischer. Sie hat mit ihrer Firma "KanuFisch" schon Aufträge für den Olympia-Sommer. Als Unternehmerin bietet sie Mentaltraining für Führungskräfte an, Personaltraining für Wettkampfsportler, hält Vorträge, veranstaltet Kurse, Events und Wanderungen mit dem Kanu - und hat am Beetzsee unweit der Stadt Brandenburg noch ihren Bootsverleih.

Nach der Karriere folgt für Birgit Fischer nun "ein neues Leben". Sohn Ole (21) und Tochter Ulla (18) haben in Brandenburg eine Wohnung bezogen, auch ihre Mutter hat sich räumlich verändert: "Ich kann mich jetzt auf 300 Quadratmetern ausbreiten, mich meinen Geschäften, dem Training mit Schülern, der Fotoausstellung und dem Hobby Malerei widmen. Aber auch die Paddel lege ich nicht endgültig aus der Hand."