2008.02.11 Neuss : Bierhoff unterstreicht Appell an Nationalspieler

Im Vorfeld der EM kann sich kein Nationalspieler zurücklehnen. In einem Interview hat Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff seinen Appell an die DFB-Kicker unterstrichen.

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Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff

Gut vier Monate vor dem Start der EM 2008 in Österreich und der Schweiz hat Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff eine deutliche Warnung an die Stars der deutschen Nationalmannschaft gerichtet. Auch vor überraschenden und möglicherweise "unpopulären Maßnahmen bei der Nominierung des EM-Aufgebots" werde Bundestrainer Joachim Löw nicht zurückschrecken, "wenn diese für den Erfolg wichtig sind".

Es gebe keinen Zweifel, "alle seine Maßnahmen und Entscheidungen werden einzig und allein darauf abzielen, die Leistung der Mannschaft zu optimieren. Was Jogi Löw sich vornimmt und was er verlangt von den Spielern, dass setzt er auch durch", sagte der ehemalige DFB-Kapitän im Interview auf dfb.de. Die Nichtberücksichtigung des Schalkers Kevin Kuranyi durch den damaligen Chefcoach Jürgen Klinsmann für die WM 2006 habe Löw damals "voll mitgetragen".

Bierhoff erläuterte in dem Gespräch, weshalb er im Vorfeld des Österreich-Länderspiels (3:0) in Wien Alarm geschlagen und einen deutlichen Appell an die EM-Kandidaten, das Umfeld und die Klubs ("Es plätschert im Moment alles ein bisschen dahin") gerichtet hatte.

Überdurchschnittliches Engagement ist gefordert

"Meine in den Medien als Weckruf dargestellten Aussagen im Hinblick auf die EM im Juni 2008 in Österreich und der Schweiz sollten der Mannschaft und dem Umfeld signalisieren, dass man jeden Tag versuchen muss, sich weiterhin zu verbessern, und dass mit überdurchschnittlichem Engagement die EM-Vorbereitung in den nächsten Wochen vorangetrieben werden muss", äußerte Bierhoff.

Er glaube, dass die Mannschaft gesehen habe, "dass die EM und dabei auch das EM-Spiel gegen Österreich kein Spaziergang werden. Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass wir Schwierigkeiten bekommen, wenn wir nicht vom Anpfiff an hochkonzentriert zur Sache gehen".

Von Differenzen mit Löw könne indes keine Rede sein. "Die Trainer und ich sind einer Meinung", so Bierhoff, "Joachim Löw und ich gehen einen gemeinsamen Weg. Mit meinem Appell wollte und will ich einzig und allein die schwierige Arbeit des Trainerstabs unterstützen, die teils durch verletzte Spieler, teils durch Sponsoren- und Medientermine sehr eingeschränkt und belastet ist."

Lob für Bundestrainer Joachim Löw

Der Teammanager lobte zudem ausdrücklich den Führungsstil des Coaches. "Joachim Löw ist seit Beginn seiner Tätigkeit als Co-Trainer und als Bundestrainer seiner Linie treu geblieben. Das hat ihn stark gemacht und glaubwürdig gegenüber der Mannschaft", analysierte Bierhoff, "wer glaubt, dass Jogi bestimmte Dinge vor der Mannschaft und in Einzelgesprächen nicht mit dem nötigen Nachdruck ansprechen kann, der irrt sich gewaltig. Mit seinem Führungsstil hat er die Mannschaft nach der WM weiter auf ein neues höheres Niveau gebracht."

Der ehemalige Italien-"Legionär" stärkte zudem Nationaltorwart Jens Lehmann (FC Arsenal), dem in Wien etliche Fehler unterlaufen waren, ausdrücklich den Rücken. Bierhoff: "Ich glaube, er hat nicht so schlecht gespielt, wie es teilweise dargestellt wird. Jens hat zwei, drei unsichere Szenen gehabt. Doch er hatte auch ein paar gute Aktionen und hat meines Erachtens Sicherheit ausgestrahlt. Die Diskussion über ihn wird extern geführt. Intern stehen wir weiter zu Jens."