2008.02.14 Neuss : Meeting-Veranstalter boykottieren Chambers

Der ehemalige 100-m-Läufer Dwain Chambers bekommt in der Leichtathletik offenbar keine Chance mehr. Gleich 40 Veranstalter von Sportfesten boykottieren den 29-Jährigen.

dsch1
Seine Doping-Vergangenheit holt ihn ein: Dwain Chambers

Die Doping-Vergangenheit des früheren britischen 100-m-Europarekordlers Dwain Chambers ist den meisten Leichtathletik-Veranstaltern noch in schlimmer Erinnerung. So wurde der 29-Jährige von der Gruppe der Euromeetings zur "Persona non grata" erklärt. 40 Veranstalter mit 51 Top-Sportfesten, darunter allen sechs Golden-League-Meetings, boykottieren den 29-Jährigen. Auch beim ISTAF in Berlin (1. Juni) ist er nicht willkommen: "Wir werden keinen einladen, der uns in eine Dopingdiskussion reinzieht", sagte ISTAF-Chef Gerhard Janetzky dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Nur zwei Tage, nachdem Chambers vom britischen Verband UK Athletics auf Grund seines 60-m-Sieges bei den nationalen Meisterschaften zähneknirschend für die Hallen-WM in Valencia (7. bis 9. März) nominiert worden war, steht er nun vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Zudem droht der finanzielle Ruin. Schon zum Sportfest am Samstag nach Birmingham wurde er nicht mehr eingeladen.

"Man stempelt mich als Aussätzigen ab"

"Man stempelt mich als Aussätzigen ab", klagte Chambers am Mittwoch im britischen Boulevardblatt Sun: "Ein schlimmes Stigma heftet mir an. Dabei bin ich sauber. Ja, ich habe etwas Falsches getan, aber ich habe meine Strafe verbüßt und mich gewandelt." Doch das sehen die Euromeetings offenbar ganz anders. "Diese Leute machen zu viel kaputt. Das kann man ihnen nicht vergeben", erklärte Euromeeting-Chef Rajne Söderberg der BBC.

Chambers, der 2003 im Zusammenhang mit dem Skandal um das US-Labor Balco als Doper mit dem Designer-Steroid THG entlarvt und für zwei Jahre gesperrt worden war, klagt, er müsse derzeit ohne Coach in einem öffentlichen Park trainieren. "Stellen Sie sich mal vor, welche Zeiten ich laufen könnte, wenn ich Trainer und Unterstützung zurückerhielte."

Der Bann durch die Euromeetings reißt wohl auch ein Loch in Chambers Haushaltskasse. Denn er muss weiter Prämiengelder zurückzahlen, die er als Doper unrechtmäßig erhalten hatte. Gefährdet ist ohne Einnahmen auch sein Ansinnen, sich zu Olympia nach Peking zu klagen. Das Britische Olympische Komitee BOA hat eine Klausel, wonach ehemalige Dopingsünder nicht ins Team berufen werden. Und teure Rechtsbeistände kann sich Chambers, der nach seinem Comeback 2006 bereits mit der britischen Staffel 4x100-m-Europameister geworden war, nun wohl nicht leisten.

Football-Karriere verlief im Sand

"Andere Menschen sind wieder frei, wenn sie ihre Strafe verbüßt haben. Warum gilt das nicht für mich?", fragt Chambers, der sich 2007 als Football-Profi versucht hatte. Doch die Karriere in der NFL Europa bei den Hamburg Sea Deavils verlief im Sand.

Seinen Ausflug aufs Football-Feld zog UK Athletics auch heran, um einen Bann aus der Nationalmannschaft zu begründen, da Chambers während dieser Zeit nicht mehr dem Dopingkontrollsystem des Verbandes unterworfen war. Dabei hatte er weiter regelmäßig seine Aufenthaltsorte bekanntgegeben. "Ich habe mich nie selbst aus dem Kontrollsystem abgemeldet."

Am Ende blieb UK Athletics deswegen nichts anderes übrig, als ihn doch für die WM zu nominieren. Es gibt derzeit Überlegungen, das Regelwerk entsprechend zu ändern.