2008.02.19 Neuss : Köln stoppt Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung

Alle Rettungsversuche sind gescheitert: Der insolvente Basketball-Bundesligist Köln 99ers hat den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt.

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Die Köln 99ers haben den Spielbetrieb eingestellt

Mit sofortiger Wirkung hat der insolvente Basketball-Bundesligist Köln 99ers den Spielbetrieb eingestellt. Darauf einigten sich die Verantwortlichen am Dienstagnachmittag in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter. Damit steht der Pokalsieger als erster Absteiger fest. Alle bislang absolvierten Partien der 99ers werden aus der Wertung genommen. Die für Dienstagabend angesetzte Partie im Uleb-Cup gegen BC Khimki Moskau sagten die Kölner zunächst ab, kündigten dann aber wenige Stunden später doch an, spielen zu wollen.

"Ein sehr trauriger Tag"

"Dies ist bitter und zugleich ein sehr trauriger Tag für den Basketball in Köln - zumal in den vergangenen Wochen nicht nur Management und Mitarbeiter bis an die Grenzen der Belastbarkeit für das Überleben des Vereins gekämpft haben", meinte Sportdirektor Stephan Baeck. Lange hatten sich die Verantwortlichen des dreimaligen Cupsiegers und Meisters von 2006 nach dem überraschenden Ausstieg des Sponsors und langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Zimmer um die Fortsetzung des Spielbetriebs bemüht und der BBL am Montag ein Konzept vorgelegt, um die Saison zumindest zu Ende führen zu können. In der Sommerpause wollte man sich dann um neue Investoren bemühen.

Nach stundenlangen Prüfungen und Gesprächen mussten die Kölner am Dienstag schließlich doch das Handtuch werfen. "Dies war eine der bittersten Entscheidungen, die wir zu fällen hatten - und sie lässt uns beileibe nicht unberührt", sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. Obwohl die Kölner bis zur letzten Sekunde nach tragfähigen Lösungen gesucht hätten, sei es ihnen leider nicht in ausreichendem Maße gelungen, eine wirtschaftliche Perspektive aufzuzeigen.

Angeblich fehlten den 99ers 800.000 Euro, um die Saison beenden zu können. Einen Impuls für die Rettung hatten sich die Kölner, die seit ihrer Rückkehr in die Erstklassigkeit 2001 stets ein Finale in der Bundesliga oder im Pokalwettbewerb erreichten und 2006 die deutsche Meisterschaft feierten, von der Präsentation eines neuen Werbepartners (Taxofit) am vergangenen Samstag erhofft.

In der selbsternannten Sportstadt Köln fanden sich jedoch keine weiteren Sponsoren für die Korbjäger, die in nur kürzester Zeit zu einem der Aushängeschilder der BBL geworden waren. Der 78: 67-Sieg gegen die Giessen 46ers am vergangenen Samstag mit einer nach dem Weggang der Leistungsträger und Top-Verdiener Immanuel McElroy und Aleksandar Nadjfeji (beide Alba Berlin) zwangsläufig stark verjüngten Truppe wird als letzter Auftritt in die Annalen eingehen.

Damit endete auch der zweite Versuch in Köln dauerhaft ein schlagkräftiges Bundesliga-Team zu installieren. Erinnerungen an den glorreichen BSC Saturn Köln werden wach. 1984 reduzierte der damalige Sponsor Fritz Waffenschmidt nach dem Verkauf seines Unternehmens (Saturn) die Finanzspritzen. Es war der Anfang vom Ende. 1988, nach dem Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft kam nach elf Jahren das bittere Aus. Für die 99ers kam es nunmehr schon nach nicht einmal sieben Spielzeiten.