2008.02.20 Neuss : Köln 99ers gerettet - Konkurrenz beschwert sich

Nach der Rettung des Basketball-Bundesligisten Köln 99ers war zunächst die Freude bei den Domstädtern groß, doch die Konkurrenz beschwerte sich umgehend.

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Die Köln 99ers gehen weiter in der Bundesliga auf Körbejagd

Die Köln 99ers sind gerettet und spielen weiter in der Basketball-Bundesliga (BBL). Doch trotz der Rettung kehrt keine Ruhe ein. Bei einigen Bundesligisten stieß die Entscheidung auf Unverständnis. "Der Patient war klinisch tot, ist aber auferstanden. Ich freue mich, ihnen die Rettung der 99ers verkünden zu können", sagte Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL), zwar auf einer Pressekonferenz im Kölner Energy Dome.

Doch so sehr der Liga-Boss auch versicherte, die undurchsichtigen Vorgänge eines hektischen Dienstagabends seien "ohne Trickserei und Hütchenspielerei verlaufen", einige Vereine sahen das offensichtlich anders. "Es hat zahlreiche Beschwerden gegeben, auch von Bundesliga-Vereinen, und ich verstehe den Unmut", sagte Pommer: "Juristisch ist alles unangreifbar und wasserdicht." Man müsse den Klubs das Vorgehen erläutern, eine erste Mitteilung sei "bereits raus".

Schließlich war die Verzichtserklärung des Ex-Meisters am Dienstag bereits bei der BBL eingetroffen, der Uleb-Cup-Gegner Khimki Moskau saß nach dem Aufwärmen wieder im Bus, einige Fans weinten Abschiedstränen. Ein kleines, aber entscheidendes Detail fehlte aber, um den Zwangsabstieg zu besiegeln: Der Widerruf des 99ers-Verzichts, so Pommer, sei bei der BBL "eingegangen, bevor wir den Verzicht anerkannt hatten." Das Spiel wurde ausgetragen, Köln jubelte trotz des 72:91.

So durften sich sämtliche Protagonisten der "Wiedergeburt" (Sportdirektor Stephan Baeck) von rund 50 Fans in der Halle für einen Coup in letzter Sekunde feiern lassen. "Wir sind neugeboren, und wir sind gesund", stellte Baeck leicht übernächtigt, aber mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht fest. Und Pommer bemühte ein Zitat von Mao: "Wo die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten."

Ein Hamburger Privatinvestor und ein Zusammenschluss Kölner Unternehmer mit dem Namen "Freundeskreis der Köln 99ers" haben die Zukunft des insolventen Vereins in letzter Sekunde gesichert. Auf jeden Fall bis zum Ende der Saison, wahrscheinlich darüber hinaus. In einem beispiellosen Wettlauf mit der Zeit haben Anton Bausinger, der eine neue Mehrzweckhalle in Köln bauen will, und Jürgen Wollny, der eigentlich in Hamburg einen neuen Klub gründen wollte, "eine erhebliche Summe" schriftlich garantiert.

Diese liegt laut BBL "deutlich über der benötigten Summe von 750.000 Euro". Nach Prüfung der angegebenen Sicherheiten wurde das Konzept für schlüssig befunden und am Mittwochmorgen angenommen. Am Dienstag noch hatte die BBL die Folgen des Verzichts mitgeteilt und alle 99ers-Ergebnisse annulliert.

Dass das Engagement insbesondere einiger Kölner Unternehmer jedoch erst kam, als die 99ers schon am Boden lagen, wirft auf die selbsternannte Sportstadt Köln einen Schatten. "Wir alle hoffen sehr, dass die Stadt demnächst mehr tut", sagte Insolvenzverwalter Norbert Heimann. Die Chance, eine "Erfolgsgeschichte der 99ers jetzt weiterzuschreiben", wie Baeck es formulierte, ist sicher da. Denn der Patient lebt.