2008.02.20 Neuss : Vogts schmeißt die Brocken hin

Das Kapitel Nigeria ist für Berti Vogts beendet. Der ehemalige deutsche Bundestrainer hat seinen Vertrag mit den "Super Eagles" gekündigt.

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Berti Vogs hat seinen Vertrag gekündigt

Kurz und schmerzlos ist für Berti Vogts das Abenteuer als nigerianischer Nationaltrainer zu Ende gegangen. Am Dienstag zog der 61-Jährige selbst einen Schlussstrich und beendete die noch bis einschließlich der WM 2010 in Südafrika geplante Zusammenarbeit mit dem nigerianischen Verband mit sofortiger Wirkung. Dies bestätigte der langjährige Bundestrainer und Europameister-Coach von 1996 auf sid-Anfrage. Die Basis für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit war offenbar zerstört, die "Ehe" Vogts-Nigeria erwies sich als großes Missverständnis.

"Ihm ist so viel Hass entgegegen geschlagen, das war unglaublich", berichtete sein Assistent Uli Stein am Mittwochabend im DSF: "Man hat das Gefühl, der Verband hat alles versucht, ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen. Man hat das Gefühl, man wollte ihn dazu drängen, dass er diesen Schritt macht."

Moderater klang dies in einer Presseerklärung von Vogts' Rechtsanwalt Stefan v. Moers. "Die Maßnahmen und das Verhalten der Nigerian Football Association während und nach dem Afrika-Cup haben einer weiteren Zusammenarbeit jedes Vertrauen entzogen, eine weitere Zusammenarbeit ist unmöglich", hieß es dort.

Arbeit mit Spielern große Freude bereitet

Gleichzeitig wurde der Weltverband FIFA über die Kündigung des Weltmeisters von 1974 informiert, deshalb werde von der Mitteilung weiterer Einzelheiten abgesehen, hieß es durch den Rechtsbeistand. Vogts legt Wert auf die Feststellung, "dass die Arbeit mit der Mannschaft und den Spielern sehr große Freude gemacht hat und dass er außerordentlich bedauert, dass er diese Zusammenarbeit und den Aufbau einer neuen schlagkräftigen nigerianischen Nationalmannschaft nicht fortführen kann". Als möglicher neuer Nationalcoach der "Super Eagles" wird Stephen Keshi gehandelt. Während des Afrika-Cups wurden auch immer wieder die Namen Sunday Oliseh und Louis van Gaal als mögliche Nachfolger gehandelt.

Vogts, von 1990 bis 1998 Cheftrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), zog damit die Konsequenzen aus dem Abschneiden beim Afrika-Cup in Ghana und den folgenden Auseinandersetzungen. Die nigerianischen "Super Eagles" waren im Viertelfinale gegen die Gastgeber ausgeschieden.

Vogts wurde in den nigerianischen Medien heftigst kritisiert, erhielt allerdings vom Verband auch nicht mehr die nötige Rückendeckung. Die riesige Erwartungshaltung in Nigeria konnte Vogts mit seiner Truppe nicht erfüllen.

Der 96-malige Nationalspieler hatte am 1. März 2007 die Rolle als Nationaltrainer beim Olympiasieger von 1996 übernommen. Im Verlaufe des Afrika-Cups im vergangenen Monat hatte es wiederholt Auseinandersetzungen mit Journalisten aus Nigeria gegeben, die Vogts und seinen Trainerstab mit Steffen Freund und Uli Stein heftig attackiert hatten. Stein hatte zuletzt berichtet, dass die Trainer von nigerianischen Journalisten während des Afrika-Cups sogar bespuckt worden seien.

"Würden weiße Journalisten mit einem schwarzen Trainer so umgehen, dann glaube ich, dass man von Rassismus sprechen würde. Was da ablief, das habe ich nicht nötig", hatte Vogts während der Afrika-Meisterschaft nach dem 2:0 gegen Benin und dem Sprung in die K.o.-Runde bei eurosport.de gesagt. Stein formulierte dies ähnlich. "Ich will nicht von Rassismus sprechen", sagte der frühere National-Torhüter: "Aber wenn wir das mit ausländischen Mitbürgern machen würden, was mit ihm gemacht wurde, würde das unglaubliche Wellen schlagen." Vogts war zwischenzeitlich sogar zu einer offiziellen Pressekonferenzen nicht erschienen.

Stein berichtete am Mittwoch auch davon, dass die Spieler einmal im Hotel während des Afrika-Cups kein Essen bekommen sollten, weil der Verband sich geweigert habe, dies zu bezahlen. Außerdem seien in der Halbzeitpause "acht bis zehn Leute in die Kabine gelaufen, die man nie vorher gesehen hat und die sich in die Aufstellung einmischen wollten. Unvorstellbar."

Trainerstab besetzt mit Ex-Nationalspielern

Vogts hatte vor Jahresfrist mit großem Tatendrang und Enthusiasmus die Aufgabe in Nigeria angetreten. In Stein, Freund sowie zwischenzeitlich auch Thomas Häßler hatte er deutsche Ex-Nationalspieler in seinen Trainerstab berufen.

Dies hatte allerdings zu heftiger Kritik in Nigeria geführt. Außerdem wurden immer wieder Meldungen lanciert, wonach es zu Unstimmigkeiten bezüglich der Bezahlung gekommen sei. Außerdem wurde Vogts vorgeworfen, seinen Hauptwohnsitz nicht nach Nigeria verlegt zu haben. Er operierte weiterhin von seiner Heimat Kleinenbroich in der Nähe von Mönchengladbach aus.