2008.02.21 Neuss : EM-Gastgeber setzen auf deutsche Unterstützung

Der Warnschuss von Michel Platini kam zur rechten Zeit: Sowohl Polen als auch die Ukraine gehen die Stadionfrage zur EM 2012 mit neuem Elan an. Auch deutsche Firmen sind gefragt.

usc1
Das Olympiastadion in Kiew

Die deutlichen Worte von UEFA-Präsident Michel Platini sind bei den Gastgebern der EM 2012 nicht ohne Folgen geblieben. Sowohl Polen als auch die Ukraine wollen nach den Umbildungen ihrer Regierungen im vergangenen Jahr mit neuen Komitees dem Schlendrian ein Ende bereiten und hoffen auch auf mehr Engagement deutscher Baufirmen, die bereits an Großprojekten beteiligt sind.

"Ich hoffe, dass der Appell von Michel Platini in der Ukraine ankam. Die EM ist ein enormer Wirtschaftsfaktor, der das Land völlig verändern wird", sagte Karin Rau auf der Messe bautec in Berlin. Die Delegierte der Deutschen Wirtschaft mit Sitz in Kiew appellierte an deutsche Unternehmen: "Gehen Sie in die Ukraine. Es gibt dort einen enormen Bedarf an Investitionen."

Politiker-Profilierung soll ein Ende haben

Auch ihr polnischer Kollege Lars Bosse, Hauptgeschäftsführer der deutsch-polnischen Handelskammer, hofft auf bessere Zeiten: "Die verantwortlichen Politiker der früheren Regierung haben das Thema zu stark zur eigenen Profilierung genutzt. Wir hoffen, dass diese Phase überstanden ist."

In Polen belaufen sich die Gesamtkosten für die EM auf rund 27 Milliarden Euro. Der Investitionsbedarf für das Transportwesen liegt bei elf Milliarden Euro. 930 Kilometer Straße sollen gebaut werden, die Staatsbahn benötigt dringend neue Schienen. Flughäfen werden neu bzw. ausgebaut. Für Hotels wurden fünf Milliarden Euro veranschlagt. Allein für Warschau sind 10.000 neue Betten vorgesehen.

Neues Nationalstadion in Zentrum von Warschau

Den Stadionbau lässt man sich im östlichen Nachbarland 720 Millionen Euro kosten. Herzstück wird das neue Nationalstadion in zentraler Lage von Warschau, für das die Ausschreibungen laufen. Der zuständige Architekt Zbigniew Pszczulny weist die Kritik von außen zurück und sieht sein Land sogar im Soll: "Wenn man unsere Lage mit der von Deutschland vier Jahre vor der WM vergleicht, stehen wir besser da."

Anders als Polen gehört die Ukraine nicht zur EU und ist deshalb im größeren Maße auf private Investoren angewiesen. Der Investitionsbedarf zur Anpassung der Infrastruktur an den UEFA-Standard wird auf 17 Milliarden Euro (25 Milliarden US-Dollar) geschätzt. Zum Vergleich: In Portugal lag dieser Wert vor der EM 2004 bei fünf Milliarden Euro.

Im Land des WM-Viertelfinalisten Ukraine ist die Frage der Finanzierung oft unklar. Durch ständige Änderungen in Bau- und Bauplanungsrecht kommt es zu hohen bürokratischen Hürden. "Vor uns liegt eine unendliche Aufgabe, aber wenn wir diese meistern, wird die Ukraine nach der EM ein modernes Land sein", sagte Rau, die auf den großen Investitionsstau in der Infrastruktur verwies.

Hilfe von ganz oben

Mehr Unterstützung gibt es mittlerweile aus politischen Kreisen. Präsident Viktor Juschtschenko gehört dem Koordinierungsrat der EM an und hat neue Komitees ins Leben gerufen. Premierministerin Julija Timotschenko zählt zum Organisationskomitee. Mit Stolz verweist man auf Kooperationen mit ausländischen Investoren. So wird zurzeit das Stadion in Dnjepropetrowsk von deutschen Firmen erbaut.

UEFA-Boss Platini hatte Ende Januar einen verbalen Warnschuss Richtung Polen und Ukraine abgegeben. Er sei davon überzeugt, sagte der ehemalige Profi, dass die nächsten vier bis sechs Monate schwierig würden, falls in den Gastgeber-Ländern eine Verzögerung im Aufbau der sportlichen und öffentlichen Infrastruktur verhindert werde.