2008.02.23 Neuss : Nachzügler für Hallen-WM in Valencia gesucht

Für die Leichtathletik-WM in Valencia (7. bis 9. März) sind noch Startplätze zu vergeben. Nur 23 Athleten haben die Norm vor der heute beginnenden Hallen-DM in Berlin gemeistert.

pst1
Garant für Höhenflüge: Tim Lobinger

Selten war die Chance für Nachzügler größer: Nur 23 Athleten haben vor der heute startenden Hallen-DM in Berlin/Sindelfingen bereits die Norm für die am 7. März startende WM in Valencia erfüllt. Zudem ist es fraglich, ob alle Qualifizierten auch mit nach Valencia fahren, denn das große Ziel dieser Saison heißt Olympia (8. bis 24. August).

Ein Teil macht nach Sindelfingen Schluss, um sich direkt in die Olympiavorbereitung zu stürzen. Rund ein Dutzend Asse wie die Hürden-EM-Zweite Kirsten Bolm (Mannheim) oder Kugel-Europameister Ralf Bartels (Neubrandenburg) hatten sogar ganz auf eine Hallensaison verzichtet. Zudem fehlen unterm Dach die starken deutschen Werfer, dafür glänzten in diesem Winter vor allem die Springer mit Höhenflügen.

"Wer die Halle auslässt, verschnauft nicht etwa, sondern nimmt sich Zeit für die Basisarbeit oder das Auskurieren von Verletzungen", sagt Cheftrainer Jürgen Mallow, der für Valencia mit einem 20-köpfigen Team rechnet: "Wir haben immer gesagt, dass die Sommerspiele in Peking zählen. Ob wir in Valencia drei Medaillen oder keine holen, ist unerheblich."

Lobinger und Friedrich mit Hoffnungen auf Edelmetall

Trotzdem kristallisierten sich zwei Kandidaten für Edelmetall heraus, der deutsche Stab-Rekordler Tim Lobinger und die neue Hochsprung-Hoffnung Ariane Friedrich. Die Frankfurterin steht nach ihren beiden 2,00-m-Sprüngen als Weltranglisten-Dritte auch in Sindelfingen im Mittelpunkt. "Die Kombination aus gestärktem Selbstbewusstsein, starker Persönlichkeit und besserem Training führt bei ihr zu den guten Höhen", lobt Mallow.

Der Neu-Münchner Lobinger, Hallen-Weltmeister von 2003, überzeugte bislang mit vier Siegen bei sieben Starts und Platz sechs in der Weltrangliste (5,80). Doch weder er noch der mit vier Siegen bei sieben Starts ebenfalls konstant starke Studenten-Weltmeister Alexander Straub (Filstal/5,75) dürfen sich mit Blick auf Valenica sicher fühlen, denn ein weiteres Trio mit Norm sitzt ihnen im Nacken. "Ich erwarte eine ganz enge Kiste", meint Lobinger.

Der WM-Dritte Danny Ecker (Leverkusen/5,70), der Hallen-WM-Vierte Fabian Schulze (Kornwestheim/5,76) sowie der WM-Fünfte Björn Otto (Dormagen/5,70) könnten Lobinger und Straub noch aus dem Valencia-Team verdrängen.

Spannung bei Stabhochsprung-Frauen

Insgesamt geht es im Glaspalast an den beiden Tagen um 29 Titel, wobei die größte Spannung in der Luft liegt. Denn auch bei den Stabhochsprung-Frauen kämpft ein Quartett bestehend aus Silke Spiegelburg (Leverkusen), Carolin Hingst (Mainz), Julia Hütter (Bruchköbel) und Lisa Ryshich (Ludwigshafen) um das WM-Ticket.

An die Stätte seines ersten deutschen Rekords kehrt der ehemalige 200-m-Hallen-Europameister Tobias Unger (Kornwestheim) zurück. Vor drei Jahren lief er hier 20,56 Sekunden. 2008 strebt Unger wie damals nach Gold-Doppel über die Hallenrunde und die 60m. Der 28-Jährige gehört zu denen, die einen WM-Start vom Auftritt in Sindelfingen abhängig machen. Läuft er die 60 unter 6,60, will er mit.

Eine Rückkehr zum Erfolg strebt Sydney-Olympiasieger Nils Schumann (Erfurt) an, der seit 2000 keinen DM-Titel mehr gewann und in Sindelfingen von U20-Europameister Robin Schembera (Leverkusen) herausgefordert wird.

Um das siebte 3000-m-Gold in Folge läuft 10. 000-m-Europameister Jan Fitschen (Wattenscheid): "Ich will natürlich den Sieg, aber mein erstes Ziel ist eine Medaille."