2008.02.26 Neuss : Saftig nicht mehr Sportdirektor in Bielefeld

Präsidium und Aufsichtsrat von Arminia Bielefeld haben die Entlassung von Reinhard Saftig beschlossen. Der Sportdirektor wird für die sportliche Krise verantwortlich gemacht.

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Reinhard Saftig wurde in Bielefeld entlassen

Die Bielefelder Chaostage mit heftigen Fan-Protesten und dem Absturz in den Tabellenkeller der Bundesliga haben mit der Entlassung von Sportdirektor Reinhard Saftig ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der ebenfalls umstrittene Coach Michael Frontzeck erhielt unterdessen zumindest bis zum Auswärtsspiel bei Hansa Rostock am Samstag eine Galgenfrist.

"Wir sind mit der sportlichen Situation nicht zufrieden. Wir haben uns dazu entschieden, die nächste Saison mit einer neuen sportlichen Leitung anzugehen. Da wir uns in der Planungsphase befinden, haben wir jetzt gehandelt", begründete Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick die Entscheidung. Ein Nachfolger wurde noch nicht präsentiert.

"Weihnachtsgeschenk" kam bei den Fans nicht gut an

Saftig, der seit Juni 2005 für die Arminia arbeitete, wurde offenbar die erst im Dezember getätigte Verpflichtung Frontzecks zum Verhängnis. "Als kleines Weihnachtsgeschenk" wollte Saftig damals den Fans den früheren deutschen Nationalspieler schmackhaft machen, die Realität sieht unterdessen anders aus.

Unter dem Nachfolger von "Jahrhunderttrainer" Ernst Middendorp schieden die Ostwestfalen im DFB-Pokal beim Zweitligisten Carl Zeiss Jena aus und verloren alle vier Bundesliga-Rückrundenspiele. Mit nur 18 Punkten ist das Polster zu den Abstiegsrängen nahezu aufgebraucht.

Frontzeck darf vorerst bleiben

So waren die Bielefelder Fans nach der 0:2-Niederlage gegen Aufsteiger MSV Duisburg auf die Barrikaden gegangen und hatten den Rauswurf von Saftig und Frontzeck lautstark gefordert. Dem Wunsch der Fans wurde im Fall Saftig sogleich entsprochen, das Bekenntnis zu Frontzeck fällt ebenfalls sehr verhalten aus. "In Rostock wird Frontzeck auf der Bank sitzen", sagte Schwick, zu weitergehenden Treueschwüren ließ sich der Arminen-Boss nicht hinreißen.

Bielefelds Mannschaftskapitän Mathias Hain nahm unterdessen Saftig und Frontzeck in Schutz. "Es sind nicht die beiden, die auf dem Platz stehen, das sind wir Spieler, die da die Verantwortung tragen. Es ist in dem Geschäft leider so, dass es immer einfacher ist, einzelne Personen auszutauschen, als in der Mannschaft etwas zu machen, wenn es denn nötig wäre. Es ist ein Problem der Spieler und eigentlich nicht des Trainers oder des Sportdirektors", sagte der Schlussmann im Interview mit Eurosport.

Saftig verließ unterdessen am Dienstag kommentarlos das Trainingsgelände und war zu keiner Stellungnahme bereit. Eine glückliche Figur hatte der 56-Jährige in seiner 32-monatigen Amtszeit ohnehin nicht abgegeben. So hatte sich Saftig schon mit den vorherigen Trainern Thomas von Heesen und Middendorp überworfen. Das Fass zum Überlaufen hat nach Informationen der Bild-Zeitung das Fehlen Saftigs bei einer Krisensitzung nach dem Duisburg-Spiel gebracht.

Saftig wird hohe Abfindung kassieren

Mit dem Krisenmanagement tat sich Saftig sichtlich schwer. Nach der letzten Pleite räumte er ein, "keine Argumente mehr zu haben". Am Stuhl des Trainers, den er im Alleingang verpflichtet hatte, wollte Saftig nicht rütteln, stattdessen kündigte er Konsequenzen für die Mannschaft an.

Das Bielefelder Präsidium, das die Entscheidung in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat fällte, beantwortete die Schuldfrage indes ein wenig anders. Dabei dürfte der Abschied des langjährigen Bundesligatrainers die Arminen teuer zu stehen kommen. Erst im November vergangenen Jahres wurde der Kontrakt mit dem Geschäftsführer Sport bis 2010 verlängert. Auch der Vertrag von Middendorp wies - den Klassenerhalt vorausgesetzt - eine Laufzeit bis 2010 auf.