2008.02.27 Neuss : Kaul: "Sind es gewohnt, der Buhmann zu sein"

Silke Kaul, Sprecherin des Bundeskartellamtes, bezieht im Interview Stellung zu den Durchsuchungen am Dienstag beim DFB und der DFL.

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Silke Kaul, Sprecherin des Bundeskartellamtes, im Interview

Die Durchsuchungen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben am Dienstag hohe Wellen geschlagen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) bezieht Silke Kaul, Sprecherin des Bundeskartellamtes, Stellung zu den Ereignissen.

sid: "Frau Kaul, DFB und DFL haben nach der Durchsuchung durch Ihre Behörde juristische Konsequenzen angedroht. Belastet Sie das?"

Silke Kaul: "Es scheint ja so zu sein, als sei dort ein kartellrechtliches Verständnis nicht vorhanden. Im Falle von Dienstaufsichtsbeschwerden müssen sich DFB und DFL mit dem Amtsgericht Bonn auseinandersetzen. Dort hat man entschieden, dass unsere Informationen für einen Durchsuchungsbeschluss ausreichen."

sid: "DFB und die DFL sowie die Vereine gehören zu einem Haus an. Da müssten Absprachen doch gestattet sein?"

Kaul: "Nein, eben nicht. Das sind juristisch gesehen verschiedene Unternehmen. Und die Unternehmen müssen auf dem Markt für Sponsoren miteinander konkurrieren. Darüber wachen wir."

sid: "Kann ein einziger Zeitungsbericht für eine solche öffentlichkeitswirksame Aktion ausreichen. Haben Sie die Zitate überprüft?"

Kaul: "Natürlich wurde die Durchsuchung nicht allein wegen des Zeitungsberichts anberaumt. Seien Sie sicher, dass wir darüber hinaus gründlich recherchiert haben."

sid: "Vor der WM 2006 hat die Stiftung Warentest die Sicherheitsstandards in deutschen Stadien kritisiert und musste sich anschließend des Verdachts populistischer Äußerungen erwehren. Könnte nun ein ähnlicher Fall entstehen?"

Kaul: "Anders als die Stiftung Warentest sind wir eine rechtsanwendende Behörde. Wir müssen solchen Hinweisen nachgehen. Wir müssen den Wettbewerb schützen. Wir sind es gewohnt, der Buhmann zu sein. Wir verlieren auch mal Fälle vor Gericht. Sollten wir uns getäuscht haben, dann werden wir uns in aller Öffentlichkeit hinstellen und uns entschuldigen. Wir sehen das sportlich."