2008.02.27 Neuss : Ribery rettet Bayerns Halbfinal-Einzug

Mit einem in der 120. Minute verwandelten Foulelfmeter bescherte Franck Ribery dem FC Bayern München einen 1:0-Sieg im Derby des DFB-Pokal-Viertelfinals gegen den TSV 1860 München.

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Franck Ribery (l.) verwandelt den entscheidenden Elfmeter

Bayern München hat dank eines Elfmeter-Tores von Franck Ribery in letzter Sekunde die größtmögliche Blamage abgewendet und das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Der deutsche Rekordmeister besiegte trotz einer über weite Strecken sehr schwachen Vorstellung den Zweitligisten TSV 1860 München im 204. Stadt-Derby mit 1:0 (0:0) nach Verlängerung. Durch den ersten Erfolg in der heimischen Arena gegen die "Löwen" darf der 13-malige Pokalsieger weiterhin auf das Titel-Triple hoffen.

Der Strafstoß war allerdings unberechtigt. Das Foul von Chunly Pagenburg an Miroslav Klose lag außerhalb des Strafraums.

Toni fehlt im Halbfinale

Das Halbfinale findet am 18./19. März statt. Dort wird der italienische Weltmeister Luca Toni aber fehlen, nachdem er in der 84. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah. Bayern-Manager Uli Hoeneß echauffierte sich daraufhin über Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) und bewertete dessen Entscheidungen als "lächerlich".

Doch nicht nur die Bayern beendeten das Spiel in Unterzahl. Auf Seiten der "Löwen" sahen Benjamin Schwarz wegen eines Schubsers gegen Ribery (110.) und Markus Thorandt nach einem Foul gegen den Franzosen (120.) ebenfalls die Ampelkarte.

Vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena versuchte 1860 von Beginn an mitzuspielen. Gegen die fahrlässig auftretenden Bayern hatte der Tabellensiebte der 2. Liga zunächst sogar die größeren Spielanteile, ohne jedoch ernsthaft für Gefahr vor dem Tor von Kapitän Oliver Kahn sorgen zu können.

Kroos für Ribery in der Startelf

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hatte wie schon gegen den Hamburger SV Superstar Franck Ribery zunächst auf der Bank gelassen. Für den Franzosen, der nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel noch nicht voll belastet werden soll, stand Talent Toni Kroos in der Anfangsformation. Zudem stürmte anstelle von Miroslav Klose dessen Nationalelfkollege Lukas Podolski von Beginn an neben Luca Toni.

Die Bayern kamen an ihrem 108. Geburtstag nur schleppend in die Partie und gewannen nur zögerlich die Oberhand, leisteten sich im Spielaufbau aber viele Nachlässigkeiten. Durch die einfallslosen Offensivbemühungen hing vor allem das Sturmduo Toni und Podolski völlig in der Luft.

Die Sechziger präsentierten sich als aggressiver und gedankenschneller und gerieten durch den harmlosen Rekordmeister nicht in Gefahr. Ein Kopfball von Kroos (27.) wurde zur leichten Beute für "Löwen"-Keeper Michael Hofmann, der allerdings nach einem Zusammenprall mit Toni wegen einer Oberschenkelprellung in der 35. Minute durch Philipp Tschauner ersetzt werden musste.

Hitzfeld nahm das schwache Auftreten seines Starensembles verärgert zur Kenntnis und versuchte vom Spielfeldrand korrigierend einzugreifen. Immerhin kamen die Bayern noch zu ihrer größten Chance im ersten Durchgang, als Markus Thorandt den Ball vor dem eigenen Strafraum vertändelte, Kroos aber freistehend über das Tor schoss (36.).

Doppelchance durch van Bommel

In der zweiten Halbzeit brachte Hitzfeld dann Ribery, um für mehr kreative Impulse in der blassen Offensive zu sorgen. Der Mittelfeldspieler brachte tatsächlich den erhofften Schwung, 1860 sah sich zunehmend in die Defensive gedrängt. Insgesamt traten die Bayern nun wesentlich engagierter auf und kamen in der 57. Minute durch van Bommel zu einer Doppelchance.

Danach fingen sich die "Löwen" und kamen wieder selbst zu Offensivaktionen. Lars Bender scheiterte vier Minuten später mit einem Rechtsschuss am blendend reagierenden Kahn. In der 72. Minute verpasste Mustafa Kucokovic unbedrängt eine Flanke von Jose Holebas und damit auch die mögliche Führung des Außenseiters gegen die immer fahriger agierenden Bayern.

"Sechziger haben uns das Leben schwer gemacht"

In der Verlängerung hatten die Bayern die größeren Spielanteile, auch wenn klare Aktionen kaum zustande kamen. "Die Sechziger haben sich sehr gut verkauft und uns das Leben schwer gemacht. Sie haben die Räume eng gemacht und waren sehr gut organisiert. Ich bin sehr glücklich, dass wir es am Ende doch noch geschafft haben. Wir hatten zu viel Wert auf die Defensive gelegt", sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

"Ich glaube, wir haben uns heute viel Respekt erarbeitet. Es ist ganz bitter, wenn man in letzter Minute durch so eine Entscheidung verliert. Von den Chancen her waren die Bayern natürlich klar vorne. Wir müssen lernen, effizienter zu spielen", bilanzierte "Löwen"-Trainer Marco Kurz.