2008.03.05 Neuss : DFL wirbt für Abschaffung der 50+1-Regel

In einer ersten Informationsveranstaltung hat die DFL am Mittwoch bei den 36 Profiklubs für die Abschaffung der 50+1-Regel geworben. Eine Entscheidung in der Frage steht noch aus.

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Christian Seifert

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) nimmt das Thema 50+1-Regel in Angriff und hat in der Diskussion über die Möglichkeit des Einstiegs finanzstarker Investoren bei den Profiklubs informiert. Ein konkretes Ergebnis konnte die DFL allerdings am Mittwoch noch nicht präsentieren. Es war eine erste Informationsveranstaltung der DFL für die 36 Bundes- und Zweitbundesligisten, in der für die Abschafftung der 50+1-Regel geworben wurde. Unter anderem fordert Präsident Martin Kind von Hannover 96 vehement die Abschaffung der Regel.

"Bauch in den Hintergrund, Kopf in den Vordergrund"

"Wir wollten bei so einer strategisch wichtigen Entscheidung zunächst zu einer Meinungsbildung in der Bundesliga beitragen. Es ist ein Thema, das zur Chefsache gemacht werden muss und nicht im Alltagsgeschäft verschwinden darf. Eine mögliche Abschaffung der 50+1-Regel würde das Bild der Bundesliga nachhaltig und unumkehrbar verändern. Unser Ziel war es, den Bauch in den Hintergrund und den Kopf, die rationalen Aspekte, in den Vordergrund zu drängen", sagte Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf einer Pressekonferenz nach der Informationsveranstaltung in Frankfurt/Main. Eine Abstimmung wurde absichtlich noch nicht durchgeführt: "Es geht erst mal um eine Versachlichung der Diskussion. Das Ergebnis ist weiter offen", so Seifert.

Den Vertretern der 36 Profiklubs wurden vom Ligavorstand unter Präsident Reinhard Rauball in der Frankfurter DFL-Zentrale vier Stunden durch vier verschiedene Referenten die Vor- und Nachteile einer möglichen Öffnung für Investoren dargestellt.

Kind denkt an Klage

Interessant sei dabei laut Liga-Boss Rauball vor allem der Vortrag des Rechtsanwalts Andres Schollmeier gewesen. Der Anwalt erklärte, dass eine Beibehaltung der 50+1-Regel vor europäischen Gerichten voraussichtlich keinen Bestand habe. Zuletzt hatte Hannovers Präsident Kind erklärt, er wolle klagen, falls sich die Liga nicht zu einer Öffnung für Investoren durchringen könne.

Neben Kind, der sich durch den Einstieg regionaler Investoren eine Kapitalerhöhung bei Hannover 96 von derzeit 45 auf 70 Millionen Euro verspricht, hatte sich zuletzt auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser vehement für eine Abschaffung der 50+1-Regel ausgesprochen, um ausländischen Investoren den Einstieg in die Bundesliga schmackhaft zu machen. In der englischen Premier League übernahmen in den vergangenen zwei Jahren acht neue Mehrheitseigner einen Verein.

Die derzeit bestehende Regelung besagt, dass der Verein in einer Aktien- oder Kapitalgesellschaft immer 50 Prozent plus eine Stimme halten muss, um Herr im eigenen Hause zu bleiben. Für eine Satzungsänderung bedarf es jeweils einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Derzeit spricht allerdings einiges dagegen, dass 25 der 36 Profiklubs für eine Abschaffung der 50+1-Regel stimmen würden.

Bruchhagen, Rummenigge und Mayer-Vorfelder gegen "Oligarchentum"

Denn nicht nur Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen oder Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatten sich zuletzt gegen ein "Oligarchentum" in der Bundesliga ausgesprochen. Auch Gerhard Mayer-Vorfelder sprach sich zuletzt als Vize-Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gegen den Einstieg von ausländischen Investoren in der Bundesliga aus. "In Deutschland darf kein Geldgeber die Mehrheit eines Klubs übernehmen. Das verhindert, dass Einzelpersonen den Fußball wie ein Spielzeug behandeln und wegwerfen, wenn sie ihren Spaß verloren haben. Ich möchte mal sehen, was mit Chelsea passiert, wenn Abramowitsch den Hahn zudreht", sagte der ehemalige DFB-Präsident.