2008.03.12 Neuss : Bayer zieht trotz Niederlage ins Viertelfinale ein

Bayer Leverkusen hat sich trotz einer 2:3-Niederlage im Rückspiel beim Hamburger SV für das Viertelfinale des UEFA-Cups qualifiziert. Die Werkself hatte das Hinspiel 1:0 gewonnen.

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Sergej Barbarez erzielte die Leverkusener Führung

Bayer Leverkusen hat das deutsche Duell gegen den Hamburger SV gewonnen und darf 20 Jahre nach dem Gewinn des UEFA-Pokals wieder von einem großen Coup auf internationaler Bühne träumen. Die Westdeutschen kassierten zwar eine 2:3 (1:0)-Niederlage, zogen aber dank des 1:0-Erfolges aus dem Hinspiel wie im Vorjahr ins UEFA-Cup-Viertelfinale ein. Der HSV, der zu Jahresbeginn noch in drei Wettbewerben aussichtsreich vertreten war, hat nun keine Titelchancen mehr und muss sich in der Bundesliga auf das Erreichen eines Champions-League-Platzes konzentrieren, bei dem ebenfalls Leverkusen ein Stolperstein werden könnte.

Ausgerechnet der "Wahl-Hamburger" Sergej Barbarez bescherte Bayer vor 38.083 Zuschauern schon frühzeitig das so wichtige Auswärtstor. In einer insgesamt abwechslungsreichen und im zweiten Durchgang teilweise dramatischen Partie war außerdem Theofanis Gekas (55.) für die Gäste erfolgreich. Der HSV, der nie aufsteckte und mehrere klare Torgelegenheiten nicht nutzen konnte, durfte nach Treffern von Piotr Trochowski (53.), Paolo Guerrero (64.) und Rafael van der Vaart (80.) zwischenzeitlich noch von einem Wunder träumen.

Schon in der ersten Viertelstunde gab es mehr Torchancen als im gesamten Hinspiel. Leverkusen attackierte wie angekündigt die Gastgeber früh und machte die Räume eng, der HSV versuchte deshalb mit weiten Bällen das Mittelfeld zu überbrücken. So hatte Gekas schon in der siebten Minute die Möglichkeit, Bayer in Führung zu bringen, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Torwart Frank Rost.

Im Gegenzug mussten die Hamburger eigentlich in Führung gehen. Zunächst scheiterte Guerrero am glänzend reagierenden Rene Adler. Den Nachschuss schob Ivica Olic vollkommen unbedrängt am leeren Leverkusener Tor vorbei.

In der elften Minute war es dann Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart, der eine weitere glasklare Torgelegenheit ausließ. Nach einem Einwurf kam der Niederländer aus elf Metern frei zum Schuss, verzog das Leder jedoch um Zentimeter. Die Hamburger zeigten in dieser Anfangsviertelstunde erneut ihre Abschlussschwäche, unter der sie bereits die gesamte Saison leiden.

Besser machten es die Leverkusener. Barbarez, der sechs Jahre lang beim HSV gespielt hat und nach seiner Karriere in die Hansestadt zurückkehren will, reagierte bei einem flach hereingegebenen Freistoß von Tranquillo Barnetta schneller als die HSV-Verteidiger und netzte aus kurzer Distanz zum wichtigen Auswärtstor für die Westdeutschen ein. Der 36-Jährige verzichtete danach aus Respekt vor seinen alten Fans auf besonders ausgelassenen Jubel und machte sogar eine entschuldigende Geste Richtung HSV-Anhänger.

In der Folge zeigten sich die Hanseaten bei strömendem Regen geschockt und brachten zunächst Leverkusen nicht mehr in Gefahr. Der HSV hatte sogar Glück, als der insgesamt schwache Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco eine Tätlichkeit von Guerrero gegen Arturo Vidal übersah. Der Peruaner hätte nach seinem Ellenbogenscheck in der 32. Minute die Rote Karte sehen müssen. Kurz vor dem Seitenwechsel verhinderte Adler mit einem erstklassigen Reflex gegen van der Vaart den schon zu diesem Zeitpunkt möglichen Ausgleich.

Im zweiten Durchgang brachte HSV-Coach Stevens endlich Nationalspieler Piotr Trochowski, der trotz der Hamburger Personalnot zunächst auf der Bank geblieben war. Trochowski bedankte sich mit dem 1:1. Anschließend entwickelte sich eine vollkommen offene Partie, in der die Hamburger ihre gewohnte defensive Ordnung aufgaben, um doch noch das Unmöglich scheinende möglich zu machen. Die weiteren Treffer von Gekas und Guerrero waren die Folge.

Nach dem Ausgleich warfen die Hamburger alles nach vorne und hatten durch Guerrero (68.) mit einem Fallrückzieher sowie van der Vaart (72.) weitere erstklassige Torgelegenheiten. Der Niederländer war es auch schließlich, der mit dem 3:2 die Hamburger Schlussoffensive einleitete.