2008.03.13 Neuss : Geschäftsführer Niessen verlässt NADA

Nach nur einem Jahr als Geschäftsführer kehrt Christoph Niessen der Nationalen Anti-Doping-Agentur den Rücken. Der 39-Jährige wechselt zum Landessportbund NRW.

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Fünf Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Peking sucht Deutschland einen neuen Chef-Dopingjäger. Der zum 1. Juli 2007 angetretene NADA-Geschäftsführer Christoph Niessen verlässt die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) völlig überraschend zum 30. Juni 2008 wieder und wechselt nach nur einem Jahr auf die Position des Geschäftsführers des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen.

Doch anders als in der großen NADA-Krise vor gut einem Jahr mit zahlreichen Pannen bei Dopingkontrollen und mangelhafter Informationspolitik unter Niessens Vorgänger Roland Augustin ist der Anti-Doping-Kampf dieses Mal nicht in seinen Grundfesten erschüttert. Schon in den nächsten Wochen soll ein Nachfolger präsentiert werden.

"Ein Niveau erreicht, das wir halten können

"Wir haben auch dank der hervorragenden Arbeit von Christoph Niessen ein Niveau erreicht, das wir halten können", sagte der NADA-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert am Donnerstag: "Dieses Mal steht uns das Wasser nicht bis zum Hals. Die NADA hat im Jahr 2007 mehrere Meilensteine gesetzt."

So erhöhte sich der NADA-Etat für 2008 auf rund 5,8 Millionen Euro (2007: 3,4 Millionen.). Verlorengegangenes Vertrauen bei Politik und Sport wurde zurückgewonnen. Erfolgreich war auch die Reform des Dopingkontrollsystems. Nun gibt es einen nationalen Testpool mit rund 2000 Spitzenathleten auf die sich die Dopingfahnder konzentrieren, ohne dabei aber Sportler aus B- und C-Kadern aus den Augen zu lassen.

Statt 4500 Zufalls-Trainingskontrollen bei 9000 Kaderathleten gibt es nun intelligente Tests vor allem bei den Sportler aus dem nationalen Testpool. Zudem wurde das weltweite Meldesystem Adams Mitte 2007 eingeführt, wodurch eine hohe Kontroll-Erfolgsquote erreicht wird. Darüber hinaus wird verstärkt Wert auf Präventionsprojekte gelegt. Seit Herbst 2007 tourt die NADA durch die Eliteschulen des Sports.

"Ich gehe davon aus, dass wir in Kürze den Nachfolger von Herrn Niessen präsentieren können, um den erfolgreichen Weg der vergangenen Monate nahtlos fortzusetzen", erklärte der NADA-Kuratoriums-Vorsitzende Hanns Michael Hölz.

Zurück zu den Wurzeln

Niessens überraschender Abschied gleicht einem Aufbruch zu seinen Wurzeln. Der 39-Jährige hatte einst seine berufliche Karriere beim LSB NRW gestartet, ehe er neun Jahre lang die Geschäfte des Landessportbundes Rheinland führte. Von dieser Position wechselte der Sportwissenschaftler im vergangenen Jahr an die Spitze der NADA. In der neuen Aufgabe in NRW sehe er die Chance, seine beruflichen Wunschvorstellungen zu verwirklichen, hieß es in einer NADA-Pressemitteilung am Donnerstag.

Kritiker warfen Niessen manchmal vor, eine zu große Nähe zum Sport gehabt zu haben. Dem hielt er in einem Interview mal entgegen: "Warum soll es für mich eine Abhängigkeit geben, nur weil ich für einen Landessportbund gearbeitet habe? Meine Adressaten und Partner in dieser Zeit waren Vereine, Vereine und nochmals Vereine. " Zu diesen zieht es ihn zurück.