2008.03.24 Neuss : Marika Kilius feiert 65. Geburtstag

Die ehemalige Weltklasse Paarläuferin Marika Kilius feiert ihren 65. Geburtstag. Die Frankfurterin gewann vor 45 Jahren ihren ersten Weltmeistertitel mit Hans-Jürgen Bäumler.

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Die ehemalige Paarlauf-Weltmeisterin wird 65

Die frühere Paarlauf-Weltmeisterin wird heute 65 Jahre alt. Die weibliche Hälfte des einstigen deutschen Traumpaares hat sich mittlerweile zwar längst von den eisigen Flächen entfernt, jedoch ist sie beim Ball des Sports in ihrer Heimatstadt und bei der Ehrung der Sportler des Jahres in Baden-Baden bis heute Stammgast geblieben. Doch wenn die Tochter eines Friseurs mit ihrem damaligen Eispartner Hans-Jürgen Bäumler ein Bad in der Menge nimmt, ist die Begeisterung zahlreicher Fans und Autogrammsammler immer noch ungebrochen, auch fast vier Jahrzehnte nach ihren größten sportlichen Erfolgen.

"Wir sind halt ein Stück Nostalgie für die Leute und wir wären dumm, wenn wir die Erinnerung der Menschen an uns selbst zerstören würden", erklärt die nach wie vor mädchenhaft schlanke Kilius, die als Immobilienmaklerin zu einem kleinen Vermögen gekommen ist. Eine Zeitlang promotete die mittlerweile dem Buddhismus zuneigende Großmutter zweier Enkelkinder auch alkoholfreien Sekt, ganz die kühle Geschäftsfrau.

Selbst ein eher nüchterner Typ, setzte sie auf dem Eis an der Seite ihres Partners die Emotionen einer ganzen Nation frei. Fast wichtiger als die beiden WM-Titel 1963 und 1964 und die olympischen Silbermedaillen 1960 und 1964 war für die Wirtschaftswunder-Nation die Frage nach dem privaten Verhältnis der beiden Athleten. Kilius rückblickend: "Wir haben uns eher als Geschwister gesehen."

Die eisige Beziehung ging 1964 vom sportlichen in den künstlerischen Bereich über. Kilius/Bäumler liefen bei Eisrevuen, drehten zumeist läppische Filmchen ("Die große Kür") und trällerten deutsche Schlager ("Wenn die Cowboys träumen"). Bis 1982 ging das so, dann der endgültige Abschied von der Eisshow. "Wir wollten uns nicht der Lächerlichkeit preisgeben", erinnert sie sich an die letzten Auftritte.

Doch die Erinnerungen an lange TV-Abende vor dem schwarz-weiß flimmernden Fernsehgerät sind nicht verblasst. Heutzutage unvorstellbare 21 Millionen Deutsche verfolgten im heimischen Wohnzimmer den letzten offizielen Wettkampf von Kilius/Bäumler, der 1964 in der Dortmunder Westfalenhalle mit dem zweiten und letzten WM-Titel und einem Triumph über die ewigen russischen Rivalen Ludmilla Belussowa und Oleg Protopopow endete.

Und immerhin 2000 Menschen füllten das "Polarion" von Bad Liebenzell vor neun Jahren, als die Kufensenioren ein allerletztes Mal gerade einmal zwei Runden auf dem Eisoval drehten und lächelnd für die Fotografen posierten. Selbst die vor elf Jahren ebenfalls zu Weltmeisterehren gelangten Chemnitzer Mandy Wötzel und Ingo Steuer haben eine derartige Popularität nie erreichen können.