2008.03.25 Neuss : Haug: "BMW ist ein ernst zu nehmender Rivale"

Für Mercedes-Sportchef Norbert Haug ist das Formel-1-Titelrennen 2008 zu einem Dreikampf geworden. Neben Ferrari räumt er im Gespräch mit dem sid auch BMW Chancen ein.

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Norbert Haug

Mercedes-Sportchef Norbert Haug glaubt an einen Dreikampf im Formel-1-Titelrennen 2008. "Für mich ist BMW ein ernst zu nehmender Rivale. Die sind dabei, die sind fünf Punkte hinter uns nach zwei Rennen. Das ist gar nichts", erklärte Haug im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Er traue BMW durchaus den ersten Sieg zu, so Haug: "Den Speed dazu haben sie. Vielleicht ist BMW schon beim nächsten Mal ganz vorne."

Die Silberpfeile führen die Konstrukteurs-WM, von der sie noch vor wenigen Monaten wegen der Spionage-Affäre ausgeschlossen waren, mit 24 Punkten vor BMW (19) an. Erst deutlich hinter den deutschen Kraftprotzen folgt das Weltmeister-Team Ferrari (11). Die "Roten" dürfe man aber nicht abschreiben, warnt Haug, denn der Sieg von Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) in Kuala Lumpur sei sehr überlegen gewesen.

Auch beim nächsten Rennen am 6. April in Bahrain sei laut Haug Ferrari Favorit. "Die haben dort getestet, das sollte daher erstmal ein Vorteil sein", meint der Mercedes-Sportchef. Vielleicht können die deutschen Autobauer den roten Rivalen aber auch mit vereinten Kräften in die Wüste schicken. Haug jedenfalls hat Spaß beim Blick auf die WM-Tabelle: "Dass Mercedes und BMW in der Formel 1 vorne sind, ist für Deutschland sehr, sehr gut."

Haug hat auch registriert, dass im deutschen Duell spätestens seit Malaysia mit härteren Bandagen gekämpft wird. BMW-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) hatte sich nach dem Qualifying bei den FIA-Sportkommissaren über die Silberpfeile beschwert, was zur Folge hatte, dass WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (Großbritannien) und Teamkollege Heikki Kovalainen (Finnland) in Kuala Lumpur in der Startaufstellung um jeweils fünf Plätze zurückversetzt wurden.

Die Wut und Enttäuschung über diese Entscheidung, durch die sein Team vorentscheidend ausgebremst wurde, ließ sich Haug aber nicht anmerken. Ganz im Gegenteil. Er habe BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und seinem Team vor dem Start in Malaysia sogar alles Gute gewünscht, sagt der Schwabe: "Ich sehe das sportlich, und so soll es auch bleiben."

Es sei für das Image der Autofahrer-Nation Deutschland eine tolle Sache, wenn Mercedes und BMW in der Formel 1 eine Hauptrolle spielen. Es wäre schön, meint Haug, wenn das noch möglichst lange so bleiben würde: "Daran werden wir auf jeden Fall arbeiten."

Viel Lob für BMW

Dass BMW bereits nach nur zwei Rennen so stark sei, habe ihn nicht überrascht. Haug: "Ich habe damit gerechnet, denn ich schätze die Gegner immer hoch ein. BMW ist schon lange dabei, hat viel Erfahrung, eine klare Richtung und gute Fahrer."

Der Antwort auf die Frage, ob er künftig mehr nach Maranello oder eher nach München schiele, weicht der Mercedes-Sportchef aus. Zu stark will er den deutschen Rivalen nun auch nicht reden. "Ich schaue überall hin, nach allen Gegnern, nach allen, die mitfahren", sagt Haug. Man habe es in Malaysia wieder gesehen: "Da ist eine ganze Reihe von Autos, die einem das Leben schwer machen. Selbst wenn man schneller ist, heißt das noch lange nicht, dass man vorbeikommt."

Malaysia habe gezeigt, dass das Feld dichter zusammengerückt ist. Das sei für den Sport sicher gut. Und wer kann den großen Drei in absehbarer Zeit gefährlich werden? Haug: "Ich würde Renault und Alonso nie unterschätzen. Und wenn Ross Brawn mit Honda vorankommt, müssen wir auch die im Auge behalten."

Das Ferrari-Comeback in Malaysia habe ihn in keinster Weise überrascht, sagt Haug: "Die waren bei den Wintertests immer sehr gut unterwegs und haben das in Melbourne halt nicht so hinbekommen. Ich habe immer davor gewarnt, dass es ein Fehler ist, Ferrari nach nur einem Rennen abzuschreiben."

Der entscheidende Unterschied zwischen Ferrari und Mercedes ist laut Haug, dass sein Team mit beiden Autos die optimale Ausbeute von vier Zielankünften hatte, während der Gegner drei Ausfälle beklagen musste. "Zuverlässigkeit und Teamgeist müssen stimmen, schnell sein allein reicht nicht mehr", meint der Mercedes-Sportchef.