2008.03.26 Neuss : Bartko enttäuscht bei Bahnrad-WM

Robert Bartko ist bei der Bahnrad-WM in Manchester in der 4000m-Einerverfolgung auf dem 16. Platz gelandet und muss seine Olympia-Hoffungen mit hoher Wahrscheinlichkeit begraben.

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Robert Bartko wird wohl nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen

Der dreimalige Verfolgungs-Weltmeister Robert Bartko hat bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften in Manchester ein Debakel erlebt und wird mit hoher Sicherheit nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen. Auch die deutschen Teamsprinter fuhren auch an der erhofften Medaille vorbei - dafür sprang WM-Neuling Roger Kluge in die Bresche. Der 22-jährige Cottbuser holte sich bei den Weltmeisterschaften in Manchester im Scratch die Bronzemedaille und bewahrte die deutschen Bahnrad-Asse damit vor einem totalen Fehlstart.

Denn insbesondere Bartko hatte zuvor im Velodrome ein böses Erwachen erlebt. Der Potsdamer Erfolgsgarant stürzte in der 4000-m-Einerverfolgung auf den 16. Platz ab, verpasste damit klar den Final-Einzug und auch das direkte Ticket für Peking. "Das ist für mich der absolute Tiefpunkt. Ich habe mein Ziel, eine Medaille zu holen, nicht erreicht. Die Weltspitze ist innerhalb eines Jahres davongezogen", sagte Bartko, nachdem er über die 4000-m-Distanz in 4:25,142 Minuten meilenweit seinen alten Glanzzeiten hinterhergefahren ist.

Knapper ging es da schon bei den Teamsprintern zu. Im kleinen Finale zogen Rene Enders (Erfurt), Stefan Nimke (Schwerin) und Maximilian Levy (Cottbus) in 44,275 Sekunden gegen die Niederländer (43,718) den Kürzeren. WM-Gold ging an Titelverteidiger Frankreich (43,271), der Großbritannien (43,777) bezwang.

Kluge landet im Scratch auf dem Podest

Dafür schaffte aber Kluge im Scratch den Sprung auf das Podest. Der WM-Neuling fuhr hinter dem Weißrussen Aleksander Lisuski und dem Niederländer Wim Stroetinga auf Platz drei. Kluge hatte jüngst schon mit dem Weltcup-Gesamtsieg im Scratch aufhorchen lassen. Allerdings gehört der Scratch-Wettbewerb nicht zum olympischen Programm.

Die Einerverfolgung schon, und dort könnte sich Bartko nur noch durch die Hintertür über den Bahn-Vierer für Olympia qualifizieren. Allerdings sind auch dort die Chancen auf die erfolgreiche Qualifikation für China sehr gering. "In Peking nicht dabei zu sein, wäre bitter", sagte Bartko, schloss einen Rücktritt aber aus: "Ich werde auf jeden Fall weitermachen. Als Sportler muss man auch mit Niederlagen umgehen. Nach Tiefen kommen auch wieder Höhen."

Bartko hätte schon seinen vierten Weltmeistertitel nach 1999, 2005 und 2006 erringen müssen, um sich das Olympia-Ticket zusichern. Die WM-Krone setzte sich unterdessen wie im Vorjahr High-Road-Profi Bradley Wiggins auf. Der Brite besiegte bei den Titelkämpfen in Manchester im Finale in 4:18,519 Minuten den Niederländer Jenning Huizenga (4:23,474). Rang drei ging an den Russen Alexej Markow (4:21,097), der dem Neuseeländer Hayden Roulston (4:23,663) keine Chance ließ.

Quittung für Bartkos Weltcup-Abstinenz

Damit erhielt Bartko auch die Quittung für sein Fehlen bei den Weltcups in Sydney und Los Angeles, wo er wichtige Punkte für die Olympia-Teilnahme hätte holen können. Der frühere Telekom-Profi hatte stattdessen die lukrativen Sechstagerennen bevorzugt und konnte dies auch bei seinen durchwachsenen Weltcup-Auftritten in Peking und Kopenhagen nicht mehr kompensieren. "Ich muss mich natürlich auch selbstkritisch hinterfragen", räumte Bartko ein, und BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer forderte: "Nach der WM müssen wir eine Analyse machen."

Die Analyse von Miriam Welte fiel indes durchweg positiv aus, nachdem sie im 500-m-Zeitfahren einen deutschen Rekord aufgestellt hatte. "Ich bin auf einem guten Weg. Der Abstand zur Weltspitze ist deutlich kleiner geworden", sagte die 21-Jährige aus Kaiserslautern. Zuvor war Welte in 34,666 Sekunden auf einen beachtlichen sechsten Platz gefahren. Den Titel holte sich die Kubanerin Lisandra Guerra Rodriguez (34,021) vor Simona Krupeckaite (Litauen/34,066) und Sandie Clair (Frankreich/34,253).

Zwei Fahrer mit zu hohen Blutwerten

Bei den Gastgebern war die Welt nach dem WM-Titel von Wiggins wieder in Ordnung, zuvor hatten die Titelkämpfe noch mit einem bitteren Beigeschmack begonnen. Beim früheren Mannschaftsverfolgungs-Weltmeister Robert Hayles war genauso wie beim Niederländer Pim Ligthart bei einem Bluttest ein überhöhter Hämatokritwert festgestellt worden. Beide Fahrer wurden daraufhin mit einer zweiwöchigen Schutzsperre belegt. Ein erhöhter Hämatokritwert kann, muss aber kein Hinweis auf Blutdoping sein.