2008.03.26 Neuss : Stürmer-Trio sorgt für klaren DFB-Sieg in Basel

Die deutsche Nationalelf hat auf dem Weg zur EM ein Ausrufezeichen gesetzt. Bei Gastgeber Schweiz schossen Mario Gomez (2), Miroslav Klose und Lukas Podolski ein 4:0 (1:0) heraus.

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Der zweifache Torschütze Mario Gomez (l) im Zweikamf mit Philippe Senderos

Die deutsche Nationalmannschaft ist bei ihrer Jubiläumsgala ihrer Rolle als Mitfavorit bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz gerecht geworden. 74 Tage vor ihrem ersten Gruppenspiel in Klagenfurt gegen Polen gelang dem Team von Bundestrainer Joachim Löw ein souveräner 4:0 (1: 0)-Erfolg gegen EM-Co-Gastgeber Schweiz, der letztmals vor 52 Jahren ein Länderspiel gegen Deutschland gewonnen hatte.

Die Stürmer Miroslav Klose (23.), Mario Gomez (61./67.) und Lukas Podolski (89.) erzielten im 50. Vergleich mit den Eidgenossen und 800. Länderspiel einer DFB-Auswahl insgesamt die Treffer für die Gäste, die sich gegenüber dem 3:0 Anfang Februar in Österreich deutlich verbessert präsentierten.

Löw: "Bin zufrieden"

"Ich bin größtenteils zufrieden. Wir waren von Beginn an sehr konzentriert und gut organisiert", bilanzierte Löw: "Insgesamt haben wir intensiver und aggressiver gespielt als gegen Österreich." Doppeltorschütze Gomez freute sich über einen "gelungenen Abend". "Die letzten Spiele waren nicht berauschend, heute hatten wir den unbedingten Willen, die Zweikämpfe zu gewinnen, und sind viel marschiert", meinte der Stuttgarter weiter: "Dafür sind wir belohnt worden." Auch Philipp Lahm zeigte sich zufrieden mit der Mannschaftsleistung: "Die Laufbereitschaft war da. Jeder war immer anspielbereit und hat für den anderen gekämpft. Wir können uns zur EM noch steigern, dann wird man eine noch bessere Mannschaft sehen."

Die Schweizer waren mit dem Ergebis verständlicherweise wenig zufrieden. "Wir sind natürlich alle niedergeschlagen. Da gibt es nichts schönzureden. Wir haben amateurhaft gespielt und bei dem Sieg der Deutschen kräftig mitgeholfen. Mit individuellen Fehlern haben wir uns heute selbst wahnsinnig unter Druck gesetzt. Deutschland hat eine physisch ganz starke Mannschaft", resümierte Trainer Köbi Kuhn. Sein Spieler Tranquillo Barnetta sah jedoch auch positive Ansätze und blickt optimistisch Richtung EM: "Das Resultat war ein bisschen zu deutlich, das hatten wir nicht verdient. Bis zum 0:2 haben wir ein ordentliches Spiel gemacht, wir hatten auch unsere Möglichkeiten. Wir werden jetzt nicht aufgeben und uns bei der EURO ganz anders präsentieren."

Vor 38.500 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park waren die Gäste von Beginn an das dominierende Team und zwangen die Schweizer in die Defensive. Bereits in den ersten zehn Minuten vergaben Klose, Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack gute Gelegenheiten für den dreimaligen Europameister, der bedeutend konzentrierter und entschlossener als bei seinem leblosen Auftritt in Wien agierte.

"Revanche" nach rund 100 Jahren

Fast genau 100 Jahre nach der Länderspielpremiere einer DFB-Auswahl, die am 5. April 1908 ebenfalls in Basel mit einem 5:3 für die Schweiz geendet hatte, ließ die deutsche Mannschaft im Härtetest gegen die Hausherren nur wenig Gelegenheiten zu.

Lediglich in der 30. Minute hatten die Deutschen Glück, als der für Dortmund spielende Schweizer Kapitän Alexander Frei aus kurzer Distanz mit einem Kopfball in die Arme von Torwart Jens Lehmann die mögliche Führung vergab. Der deutsche Schlussmann, der nach mehreren Patzern in Österreich und auch wegen seiner Reservistenrolle beim FC Arsenal nicht unumstritten ist, blieb auch in der Folgezeit fehlerlos und strahlte im Gegensatz zu Wien die von Bundestrainer Joachim Löw geforderte Ruhe aus. Dies galt insgesamt für die deutsche Abwehr, in der der Schalker Heiko Westermann in ungewohnter Rolle als Innenverteidiger nach anfänglichen Schwierigkeiten eine gute Partie ablieferte.

Löw, der am 16. Mai auf der Zugspitze seinen 23-köpfigen EM-Kader benennen wird und sich vom letzten Test vor der Nominierung noch wichtige Aufschlüsse versprochen hatte, verordnete dem derzeit formschwachen Leverkusener Bernd Schneider überraschend eine Denkpause. Für ihn kam Clemens Fritz im rechten Mittelfeld zum Einsatz, wobei sich der Bremer nicht nachdrücklich für einen Stammplatz empfehlen konnte. Insgesamt konnte Löw bei seinem 20. Einsatz als Bundestrainer allerdings mit der Leistung seiner Mannschaft hochzufrieden sein, vor allem weil seine Stürmer zur rechten Zeit am rechten Fleck waren.

Klose, der in den ersten 20 Minuten so gut wie gar nicht zu sehen war, bewies in der 23. Minute seine Torjägerqualitäten, als er nach Vorarbeit von Gomez seinen 38. Treffer im 74. Länderspiel erzielte und damit in der ewigen DFB-Torjägerliste am heutigen Teammanager Oliver Bierhoff vorbeizog. Klose belegt nun alleine den siebten Platz. Gomez, dem in der ersten Stunde relativ wenig gelungen war und der in der 53. Minute eine Riesenmöglichkeit ausgelassen hatte, bewies anschließend doch noch seine Torjägerqualitäten. Zunächst gelang dem Stuttgarter in der 61. Minute nach klugem Zuspiel von Fritz das 2:0, ehe er sechs Minuten später mit seinem sechsten Treffer im neunten Länderspiel die Begegnung vorzeitig entschied.