2008.03.27 Neuss : Bahn-Vierer blamiert sich und verpasst Peking

Mit Platz neun bei der WM in Manchester hat der deutsche Bahnrad-Vierer erstmals seit 1952 die Olympia-Qualifikation verpasst. Kleiner Lichtblick war Bronze im Frauen-Teamsprint.

mdo
Blamage für den Bahn-Vierer

Die deutschen Bahnradsportler haben bei den Weltmeisterschaften in Manchester schwarze Tage erwischt, daran änderte auch die Bronzemedaille der deutschen Teamsprinterinnen nichts. Der deutsche Vierer verpasste das Ticket für Olympia in Peking klar und sorgte damit für eine der größten Enttäuschungen in der Verbandsgeschichte. Erstmals seit 1952 wird das jahrzehntelange Aushängeschild nicht bei Sommerspielen starten.

"What a desaster for the Germans", rief der Hallensprecher im Velodrome nach dem K.o. des deutschen Vierers, der beim Fabel-Weltrekord der Briten nur eine Statistenrolle einnahm. Doch damit nicht genug: Auch für die deutschen Sprinter waren die Medaillen-Hoffnungen frühzeitig beendet, keiner der drei Asse schaffte es über das Achtelfinale hinaus.

Zudem verfehlte Verena Joos als Zehnte in der 3000-m-Einerverfolgung ebenfalls die Olympia-Teilnahme. Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass erstmals in der Historie keine deutsche Frau bei den olympischen Bahnwettbewerben an den Start geht. So war der dritte Platz von Miriam Welte (Kaiserslautern) und Dana Glöß (Berlin) im nichtolympischen Teamsprint auch nur ein kleines Trostpflaster.

Bahn-Vierer konnte nicht an frühere Erfolge anknüpfen

Die deutsche Peking-Reisegruppe hatte sich bereits am Nachmittag stark reduziert, als Robert Bartko (Potsdam), der bereits mit Platz 16 in der Einerverfolgung ein Debakel erlebte, Henning Bommel (Berlin), Daniel Becke und Patrick Gretsch (beide Erfurt) über die 4000-m-Distanz in enttäuschenden 4:06,941 Minuten nur auf den neunten Platz fuhren und damit eine Ära zu Ende ging. Deutsche Vierer aus Ost und West hatten fünfmal Gold bei Olympia und 16 WM-Titel eingefahren - nun reicht es nicht einmal zur Teilnahme.

"Wir sind momentan am Tiefpunkt"

"Wir sind momentan am Tiefpunkt", räumte Burckhard Bremer als Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ein. Bartko ergänzte: "Es ist schon bitter, bei Olympia nicht dabei zu sein." BDR-Generalsekretär Martin Wolf sprach von "einer absoluten Enttäuschung". Der Weltmeistertitel hätte die deutsche Mannschaft sicher nach China gebracht, eine vordere Platzierung nur bei gleichzeitigen Patzern der Konkurrenz. Doch sowohl die Russen (4:04,310) als auch die Franzosen (4:04,577) schnitten als Fünfte und Sechste sogar besser ab.

Anschauungs-Unterricht erhielten die Deutschen vom britischen Vierer, der einen Weltrekord aufstellte und auf beeindruckende Weise den WM-Titel holte. Edward Clancy, Geraint Thomas, Paul Manning und Bradley Wiggins wurden im Finallauf in 3:56,322 Minuten gestoppt und verbesserte damit die alte Bestmarke von Australien um gut drei Zehntelsekunden. Dänemark (3:59,381) musste sich unter dem früheren DDR-Erfolgscoach Heiko Salzwedel mit Platz zwei begnügen. "Wir müssen uns alle Gedanken machen. Vom Sportdirektor über den Trainer bis zu den Athleten sollte man sich nun zusammensetzen und die Probleme ansprechen", forderte Bartko nach der Schmach. Die Analyse hätte eigentlich schon im Vorjahr nach dem enttäuschenden fünften Rang auf Mallorca stattfinden sollen: "Das ist uns damals leider nicht ganz gelungen."

Damit kann Bartko, 2000 in Sydney noch Doppel-Olympiasieger, auch seine Peking-Pläne ad acta legen. Einen Rücktritt schloss der 32-Jährige dennoch aus: "Es muss sofort einen Neuanfang geben. Wenn meine Meinung gefragt ist, stehe ich bereit." Becke dagegen wollte sich nicht festlegen: "Ich muss mich erst sortieren, ehe ich weiß, wie es bei mir weitergeht."

Sprinter chancenlos

Die schlechten Nachrichten rissen auch im Sprint nicht ab. Maximilian Levy (Cottbus) schied im Achtelfinale aus, Carsten Bergemann (Chemnitz) scheiterte in der ersten Runde und der frühere 1000-m-Weltmeister Stefan Nimke (Schwerin) kam nicht über die Qualifikation hinaus. "Das Ergebnis geht überhaupt nicht. Wir brauchen mehr Entschlossenheit. Die Sportler müssen sich besser mobilisieren können", meinte Bundestrainer Detlef Uibel.

Frauen nicht zufrieden

Tieftraurig war Joos nach der verpassten Olympia-Teilnahme in der Einerverfolgung. "Ich steigere meine persönliche Bestzeit um 1, 8 Sekunden und werde trotzdem nur Zehnte. Ich habe das Gefühl, wir machen Schritte und die anderen Sprünge", haderte die Friesenheimerin mit Blick auf die Britin Rebecca Romero, die in 3: 30,501 Minuten den Titel gewann. Den dritten Titel der Gastgeber am Donnerstag gewannen Victoria Pendleton und Shanaze Reade im Teamsprint.