2008.03.28 Neuss : Handballerinnen wollen über Leipzig zu Olympia

Die deutschen Handballerinnen wollen beim heute beginnenden Qualifikations-Turnier in Leipzig das Ticket für die Olympischen Spiele lösen. Erster Gegner ist Schweden (19.30 Uhr).

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Die deutschen Handballerinnen um Trainer Armin Emrich wollen nach Peking

Die deutschen Handballerinnen gehen in Leipzig als klarer Favorit in das heute beginnende Qualifikations-Turnier für die Olympischen Sommerspiele. Das Ticket für Peking dürfte daher reine Formsache sein, doch eine große sportliche Pleite, die bereits sieben Jahre zurückliegt, soll als Warnung vor Überheblichkeit dienen. Der gastgebende WM-Dritte kämpft mit Kroatien, Schweden und Kuba um die zwei zu vergebenen Olympia-Tickets und gilt dabei als klarer Favorit.

"Es wäre verheerend zu glauben, dass das hier zum Selbstläufer wird. Wenn wir das nicht erkennen, geht es ins Auge", sagt Armin Emrich. Der Bundestrainer verlangt vollste Konzentration: "Der Fokus ist auf die drei Spiele gerichtet, es geht um die Qualifikation - alle anderen Diskussionen sind zum jetzigen Zeitpunkt deplatziert."

Siege gegen Polen sind "Schnee von gestern"

Emrich sieht bei allen vier Teams große Qualitäten, die zwei klaren Siege seiner Mannschaft in der Vorbereitung gegen Polen seien deshalb Schnee von gestern. "Wir wollen unsere Leistungen nicht unter den Scheffel stellen, aber die Tagesform wird entscheiden", meint der 56-Jährige.

Der Fachleiter Sport vom Oberschulamt in Freiburg erinnert seine Mannschaft an die WM-Qualifikation im Mai 2001 in Zwickau, als gegen Schweden nach einem vermeintlich beruhigenden Auswärtserfolg mit fünf Toren noch das Aus kam. Damals unterlief Grit Jurack wenige Sekunden vor dem Abpfiff der entscheidende Fehler, der zur Sechs-Tore-Niederlage führte.

"Wenn es knapp wird, dann soll mich der Trainer bitte rausnehmen", sagt die 30 Jahre alte Spielführerin, die bereits bei der bis dato letzten deutschen Olympia-Teilnahme 1996 in Atlanta dabei war. Emrich glaubt allerdings nicht, dass seine wurfgewaltige Rückraumspielerin das Nervenflattern kriegen könnte: "Sie ist jetzt in einer ganz anderen Phase, eine gereifte Spielerpersönlichkeit."

Jurack hofft auf die Unterstützung des Publikums

Dänemark-Legionärin Jurack ist wie gefordert hochkonzentriert, will auch noch keinen Gedanken an eine mögliche Olympia-Medaille als Krönung ihrer Karriere verschwenden. "Wir machen jetzt die drei Spiele, dann schauen wir, was China macht - und dann werden wir weitersehen", sagt Jurack und freut sich auf das Turnier in ihrer Heimatstadt: "Leipzig ist handballverrückt, das Publikum wird uns sicher nach vorne peitschen." Lediglich die am Knie verletzte Nora Reiche fehlt.

Für die Partien gegen Schweden am Freitag, gegen Kroatien am Samstag und gegen Kuba am Sonntag sind insgesamt bereits 11.000 der rund 19.000 Tickets verkauft. Der WM-Neunte Kroatien wurde erst vergangene Woche anstelle des WM-Zehnten Spanien in die deutsche Gruppe gesetzt. "Das ist uns gleichgültig, beide Teams verkörpern etwa gleiches Niveau", so Jurack.

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hatte die Wiederholung der asiatischen Qualifikation für ungültig erklärt, daraus ergaben sich verschiedene Änderungen der Ansetzungen.