2008.03.29 Neuss : Abraham will heute seinen WM-Titel verteidigen

Arthur Abraham wird heute Abend zur Titelverteidigung seines WM-Gürtels gegen Elvin Ayala (USA) in Kiel in den Ring steigen. Die Vorbereitungen waren nicht ganz optimal.

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Der amtierende Weltmeister im Mittelgewicht - Arthur Abraham

Leckeres Essen, wie beispielsweise Bratkartoffeln, davor macht auch ein amtierender Boxchampion wie Arthur Abraham nicht halt. Doch für den IBF-Weltmeister im Mittelgewicht folgte die Strafe auf dem Fuß. Die Waage war gnadenlos und deshalb standen in der Vorbereitung auf die freiwillige Titelverteidigung heute (22.10 Uhr/live in der ARD) gegen den US-Amerikaner Elvin Ayala Saunabesuche an, sowie Salat und Kräutertee auf dem Speiseplan. Grund war das Limit von 72,574 Kilo für einen Mittelgewichtler. Diese Umstände lassen Trainer Ulli Wegner nicht ganz glücklich über den Zustand seines erfolgreichen Schützlings sein, denn eine solche Vorbereitung ist der Form nicht förderlich, "abkochen" schwächt.

Doch den Coach stören auch noch andere Dinge: zahlreiche PR-Termine, Talkrunden und Fotoshootings seit Jahresbeginn "müssen sein", erklärt Wegner, "das Training darf aber nicht darunter leiden."

Der Fight in Kiel soll ja nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Amerika sein, dem gelobten Land des Profiboxens. Am 7. Juni möchte sich der gebürtige Armenier im Madison Square Garden von New York dem amerikanischen Publikum vorstellen und für einen lukrativen Vertrag mit dem Pay-TV-Sender HBO interessant machen. "USA ist morgen, heute Kiel", sagt Wegner, "wenn wir hier verlieren, brauchen wir erst gar nicht in die USA zu reisen."

Kampf nur Zwischenstation

Wie ernst es der 65-Jährige mit seinen Warnungen meint, ist allerdings nicht ganz klar. Die andauernden kleinen und großen Konflikte zwischen Abraham und Wegner sind sogar Thema eines 90-minütigen Dokumentarfilms, der am 15. Mai in deutschen Kinos Premiere hat. "Es geht um alles", heißt das Werk, in dem Abraham unter anderem erklärt: "Mit 40 will ich 40 Millionen auf dem Konto haben."

Heute ist Abraham 28, und wenn er nicht den Lotto-Jackpot knackt, muss er tatsächlich den Sprung in die USA schaffen, um sein Ziel zu erreichen. Mit 20 K.o.-Siegen hat er das Zeug zum spektakulären Fanliebling und ist ein würdiger Herausforderer von WBC- und WBO-Champion Kelly Pavlik (USA), der 29 von 33 Kämpfen vorzeitig gewonnen hat. "Ende des Jahres oder im Januar könnten beide einen Vereinigungskampf gegeneinander machen", erklärt Promoter Wilfried Sauerland die mit HBO besprochene Strategie.

Herausforderer zuversichtlich

Vorher aber wartet Ayala, der seinen Job im Vorfeld mit großen Sprüchen gut macht: "Ich bin nicht zum Sightseeing nach Kiel gekommen." Damit geht es ihm zwar wie praktisch jedem Besucher der eher wenig attraktiven Hafenstadt, aber das kann der 27-Jährige Amerikaner, der 18 von 21 Kämpfen gewonnen hat, nicht wissen.

Dafür gibt es vor dem Kampf live die No Angels zu sehen, die bei Abrahams Einmarsch singen. Und nach dem Kampf warten auf den Champ sicher die heißgeliebten Bratkartoffeln.