2008.04.01 Neuss : Deutsche Ringer erwischen guten EM-Start

Nach dem ersten EM-Tag im finnischen Tampere haben die deutschen Ringer einen dritten und einen fünften Platz zu Buche stehen. Trotzdem fühlen sich die Deutschen verschaukelt.

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Die deutschen Ringer fühlen sich benachteiligt

Den Verantwortlichen des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) schmeckte der erste EM-Wettkampftag im finnischen Tampere überhaupt nicht. Obwohl David Bichinaschwili (VfK Schifferstadt 07/84kg) mit dem Gewinn der Bronzemedaille und der stark auftrumpfende Tim Schleicher (SV Johannis Nürnberg/55kg) als Fünfter für einen sehr guten Auftakt aus deutscher Sicht sorgten, fühlten sich die DRB-Bosse verschaukelt.

Schuld an der Aufregung war die Verwarnung durch den Schweizer Mattenleiter Viktor Meier für Schleicher im Halbfinale gegen den Weißrussen Riswan Gadschijew. Die Sanktion kostete dem deutschen Meister die Finalteilnahme und dem DRB den Startplatz bei den Olympischen Spielen im August in Peking.

"Die Entscheidung war eine Unverschämtheit"

"Die Entscheidung war eine Unverschämtheit, die uns den Platz für Peking gekostet hat", schimpfte DRB-Präsident Manfred Werner. Auch Bundestrainer Jörg Helmdach war ganz schlecht auf den Mattenleiter zu sprechen: "Ich bin sauer. Warum muss der eine Verwarnung gegen Tim fordern? Das war doch überhaupt nicht nötig. Tim stand kurz vor dem Finaleinzug, was die Olympia-Qualifikation bedeutet hätte."

Zwar hätte sich Schleicher auch durch den dritten Platz die Chance auf einen Ausscheidungskampf um die Olympia-Teilnahme wahren können, doch im "kleinen Finale" unterlag der 19-Jährige dem Türken Sezar Akgul. Das Olympia-Ticket geht in jeder der 18 olympischen Gewichtsklassen nur an den bestplatzierten Ringer aus dem Land, das sich bei der WM 2007 noch keinen Startplatz sichern konnte.

Noch besser als Schleicher präsentierte sich Bichinaschwili. Der viermalige deutsche Meister, der sein Olympia-Ticket bereits bei der WM lösen konnte, unterlag zwar zum Auftakt gegen den georgischen Ex-Weltmeister Rewas Mindoraschwili, dennoch erreichte der 33-Jährige über die Hoffnungsrunde den Kampf um Platz drei, wo er sich gegen Sergej Kolesnikow (Israel) durchsetzte. "Ich freue mich für ihn, da er seit Jahren einer Medaille hinterher läuft", sagte Helmdach.

Im Gegensatz zu Schleicher und Bichinaschwili musste der 20 Jahre alte Felix Menzel (Luckenwalder SC/66kg) seiner mangelnden Erfahrung Tribut zollen. Der zweimalige deutsche Meister schied bei seinem ersten Auftritt auf der internationalen Bühne gleich in der ersten Runde aus.

Die EM, bei der sich Dschamal Otarsultanow (Russland/55kg), Sahin Ramazan (Türkei/66 kg), Georgi Ketojew (Russland/84 kg) und David Modsmanaschwili (Georgien/120kg) die ersten Titel holten, wird am Mittwoch mit den ausstehenden Freistil-Wettkämpfen fortgesetzt. Dabei ruhen die Hoffnungen des DRB auf Samet Dülger (KSK Neuss/60kg), Andrej Schiika (KSV Köllerbach/74kg) und Stefan Kehrer (KSV Ketsch/96kg).