2008.04.01 Neuss : Heidfelds Ziel: "Alle hinter mir zu halten"

Nach dem guten Start in die Formel-1-Saison steht BMW-Fahrer Nick Heidfeld im Rampenlicht. Der deutsche Star der "Königsklasse" gibt sich im Interview aber gewohnt bescheiden.

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Nick Heidfeld ist erfolgreich

Er ist WM-Dritter mit drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Lewis Hamilton, wird zum neuen deutschen Formel-1-Superstar ausgerufen und tritt dennoch auf dem Bremse - Nick Heidfeld will erst im kommenden Jahr nach dem Titel greifen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) stand "Quick Nick" Rede und Antwort.

sid: "Es gab zwei zweite Plätze für BMW in den ersten beiden Rennen. Sind BMW und Nick Heidfeld reif für den ersten Sieg in der Formel 1?"

Nick Heidfeld: "Unsere Zielsetzung für die Saison ist es, den Abstand auf die Spitze zu reduzieren und unseren ersten Sieg einzufahren. Diesem Anspruch sind wir bei den Rennen in Australien und Malaysia näher gekommen. Man sieht, dass wir eine gute Basis besitzen. Es gab aber in beiden Rennen jeweils noch ein Team beziehungsweise ein Auto, das schneller war. Dementsprechend müssen wir uns noch weiter steigern, um die Lücke zu schließen."

sid: "Es wird schon von einem Dreikampf um die WM gesprochen. Wie groß sind die Chancen, schon in diesem Jahr den Titel einzufahren?"

Heidfeld: "Wir haben bisher immer einen Schritt nach dem anderen gemacht, und das hat sich bewährt. Unser Ziel für die laufende Saison bleibt unverändert. Um die Weltmeisterschaft wollen wir dann ab 2009 mitkämpfen. Wenn wir das erreichen können, sind wir sicher zufrieden. Wer um die WM kämpfen will, muss in der Lage sein, regelmäßig Rennen zu gewinnen. Da sind wir noch nicht angekommen."

sid: "Wie groß ist das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial, das noch im Auto vorhanden ist?"

Heidfeld: "Es ist natürlich unheimlich schwierig, das zu beurteilen, weil das immer nur ein Schätzen sein kann. Wir hatten bei den ersten Testfahrten recht große Probleme, haben aber dann im Laufe der Wintertests riesige Fortschritte gemacht. Von den neuen Teilen, die wir ans Auto brachten, haben die meisten funktioniert und es uns ermöglicht, die Performance des Autos signifikant zu steigern. Dementsprechend optimistisch bin ich, dass wir da noch längst nicht am Limit sind, weil die Sprünge bis zuletzt sehr groß waren. Es ist also ganz bestimmt noch mehr Potenzial vorhanden, aber wie viel, das weiß ich nicht."

sid: "Wie schätzen Sie das aktuelle Kräfteverhältnis im Kampf der großen Drei mit Blick auf Bahrain ein? Wie wichtig ist es, im deutschen Duell vor Markenrivale Mercedes zu liegen?"

Heidfeld: "Für mich ist es völlig unerheblich, vor wem ich bin. Ich werde da eigentlich nie nach einer Marke gefragt, sondern meist nur nach Fahrern, aber die Antwort ist immer die Gleiche: Mein Ziel ist es, alle hinter mir zu halten - welche Fahrer oder Marken, ist mir egal. Die Frage nach der Stärke ist auch nach zwei Rennen immer noch schwierig zu beantworten, aber ich schätze, dass Ferrari in Bahrain einen Vorteil haben wird, weil die da im Winter ausgiebig getestet haben. Zudem waren sie beim letzen Rennen in Sepang sehr stark, und die Strecke ist zumindest in Teilen vergleichbar."

sid: "Ändert sich der Mensch Nick Heidfeld, nachdem er von bestimmten Medien zum neuen Superstar ausgerufen wird?"

Heidfeld: "Nein, aber das geht ja jetzt auch nicht von Null auf Hundert, denn in der Formel 1 steht man ja immer in einem gewissen Maße im Mittelpunkt. Und ehrlich gesagt habe ich jetzt, wie auch in den vergangenen Jahren, nicht so viel mitbekommen, was da in den einschlägigen Medien berichtet wird. Das interessiert mich nicht sonderlich. Deshalb denke ich auch, dass ich mich nicht verändert habe."

sid: "Wie entwickelt sich mit Blick auf die Sieg- und Titelchancen das Verhältnis zu ihrem Teamkollegen Robert Kubica?"

Heidfeld: "Das wird die Saison zeigen, aber ich denke nicht, dass sich da irgendwas ändert. Wir haben das gleiche Auto zur Verfügung und probieren natürlich, einander zu schlagen. Aber ich glaube, dass wir das zwar mit einer gesunden Portion Aggressivität machen, aber gleichzeitig auch, um das Team nach vorne zu bringen. Ich sehe eigentlich nicht, warum das anders laufen sollte als bisher."