2008.04.04 Neuss : Hockey-Herren spielen um das Peking-Ticket

In der Nacht auf Samstag wird es für die deutschen Hockey-Herren Ernst. Das Olympia-Qualifikationsturnier in Tokio startet und nur der Sieger wird ein Ticket für Peking bekommen.

mdo
Die deutschen Hockey-Herren wollen nach Peking

Im japanischen Kakamigahara wird es am Samstag für die deutschen Hockey-Herren Ernst. Um 5.00 Uhr MESZ beginnt das Olympia-Qualifikationsturnier für die Fahrkarte nach Peking. Das erste Spiel gegen Italien ist eine der wichtigsten Aufgaben seit Jahren, denn nur der Sieger bekommt das Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Peking. Ein Platz ist für das zwölf Mannschaften umfassende Feld in Peking noch zu vergeben - das verspricht Hochspannung. Die Deutschen sind als Weltranglisten-Erster klarer Favorit in der Auseinandersetzung mit Japan (11.), Malaysia (14.), Polen (21. ), der Schweiz (33.) und Italien (37.).

Das Problem ist vor allem der Modus, der nach einer Vorrunde mit Spielen Jeder gegen Jeden am Sonntag (13. April/7 Uhr MESZ) noch ein Finale der beiden bestplatzierten Mannschaften um die Olympiafahrkarte vorsieht. "Der Modus ist fragwürdig, alles, was man sich erarbeitet, kann so in einem unglücklich laufenden Spiel wieder umgeworfen werden", sagt Weise.

Diese Erfahrungen hat seine Mannschaft schließlich bereits bei der Europameisterschaft in Manchester im September gemacht, als sie im Spiel um Platz drei nach einer "unterirdischen" Leistung Belgien unterlag und die direkte Qualifikation verpasste.

Die Probleme von damals wurden in zahlreichen Gesprächen aufgearbeitet. "Die Spieler mussten sich freimachen von der Haltung, irgendwie wird es schon klappen, wir sind schließlich Weltmeister", erzählt Weise: "Das gilt insbesondere jetzt. Das haben die Jungs begriffen."

Ausscheiden wäre fatal

Ein Scheitern und damit mit Ausnahme der Boykott-Spiele 1980 das erste Fehlen eines deutschen Teams bei Olympia seit 1948 käme für den erfolgsverwöhnten Deutschen Hockey-Bund (DHB) einem GAU gleich. Der DHB ist auf maximale Förderung durch öffentliche Gelder angewiesen, um seine Trainings- und Ausbildungsprogramme auf bisherigem Niveau fortsetzen zu können. "Wenn wir uns nicht qualifizieren, besteht die Gefahr, dass wir in eine Abwärtsspirale nach unten gelangen", weiß Weise: "Weniger Förderung, weniger Möglichkeiten, weniger Erfolg."

Alles wurde deshalb im letzten halben Jahr dem Ziel Kakamigahara untergeordnet. Zwei Trainingslager in Südafrika bestritten, zusätzliche Trainingslager absolviert. Rund 150.000 Euro kostet den DHB der Umweg über Japan nach Peking. "Es wurde ein Lehrgang nach dem anderen durchgeballert und durchtrainiert", erzählt Mittelfeldspieler Moritz Fürste. 128 Tage wird der 23-Jährige in diesem Jahr einschließlich Olympia für die Nationalmannschaft aufgewendet haben.

Der Spielplan meint es ganz gut mit den Deutschen. Gegen Italien und am Sonntag (6.00 MESZ) die Schweiz darf es keine Probleme geben. Japan, Malaysia und Polen kann Weise schon in den ersten Turniertagen genau unter die Lupe nehmen. Insbesondere vor den Gastgebern hat er wegen des Heimvorteils großen Respekt. "Unser Anspruch ist es, jedes Spiel zu gewinnen", sagt Weise: "Wir haben uns vorgenommen, das Turnier so anzugehen, dass wir in jedem Match volle Kraft geben. Je disziplinierter man das schafft, um so besser.

Der Spielplan des deutschen Teams:

Samstag, 5.4.: Deutschland - Italien (5.00 Uhr MESZ), Sonntag, 6.4.: Deutschland - Schweiz (6.00 Uhr), Dienstag, 8.4.: Deutschland - Malaysia (10.00 Uhr), Donnerstag, 10.4.: Deutschland - Japan (9.00 Uhr), Samstag, 12.4.: Deutschland - Polen (6.00 Uhr), Sonntag, 13.4.: evtl. Finale (7.00 Uhr)