2008.04.06 Neuss : Deutscher Ringer-Boss kocht vor Wut

Mit insgesamt drei deutschen Medaillen ist die Ringer-EM in Finnland zu Ende gegangen. Ringer-Chef Manfred Werner zürnt unterdessen wegen einer "absoluten Unverschämtheit".

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Die Ringer-EM ist zu Ende gegangen

Ringer-Boss Manfred Werner kochte vor Wut. Der Zorn des Präsidenten des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) richtete sich allerdings nicht gegen seine Athleten, die bei der EM in Tampere/Finnland trotz der Silbermedaille von Mirko Englich (KSV Witten/96kg) am letzten Wettkampftag nur eine durchwachsene Vorstellung ablieferten. Werner hatte es vielmehr auf den Schweizer Mattenleiter Viktor Meier abgesehen und witterte Schiebung.

"Ich war selbst 20 Jahre Kampfrichter in der Spitze und konnte nach meinen Entscheidungen immer ruhig schlafen. Aber was mit Tim Schleicher gemacht wurde, ist eine absolute Unverschämtheit. Ich bin immer noch erbost", sagte Werner dem Sport-Informations-Dienst (sid) hinsichtlich der für ihn alles überschattenden Ereignisse am ersten EM-Wettkampftag.

Am Dienstag war Freistil-Spezialist Schleicher (SV Johannis Nürnberg/55kg) nach zuvor überragenden Leistungen im Halbfinale am Weißrussen Riswan Gadschijew gescheitert. Ausschlaggebend dafür war die Verwarnung des Mattenleiters. "Schleicher hatte einen Lauf. Er wäre im Finale gewesen, hätte den Olympia-Startplatz geholt, und ich will mir gar nicht ausmalen, was er im Finale geschafft hätte. Aber er wurde gestoppt", kommentierte Werner die Entscheidung des Unparteiischen, die sogar noch sportpolitische Ausmaße annahm.

Als Werner zu Ohren kam, dass Meier im Anschluss gesagt haben soll, er könne nicht an die Deutschen, sondern müsse an sich selbst denken, war für den DRB-Chef alles klar. "Er hat sich durch die Entscheidung für den Weißrussen größere Chancen auf eine Teilnahme bei Olympia gemacht", meinte Werner und erklärte seine Ansicht mit dem großen Einfluss der Osteuropäer im internationalen Ringen.

Wenig spektakulärer Verlauf für die Deutschen

Ansonsten verlief die EM für die Deutschen wenig spektakulär. Abgesehen von Englich holten lediglich Freistil-Spezialist David Bichinaschwili (VfK Schifferstadt 07/84kg) und Anita Schätzle (WKG Metternich-Rübenach/72kg) jeweils eine Bronzemedaille. Mit ihrem dritten Platz löste Schätzle gleichzeitig das Ticket für die Olympischen Spiele im August in Peking. Damit hat sich der DRB bisher vier Olympia-Startplätze gesichert.

"Es war uns klar, dass die EM brutal schwer wird und wir die sechs Medaillen aus dem Vorjahr kaum wiederholen können. Dennoch hält der Aufwärtstrend an, und unsere Hoffnung liegt nun auf den Quali-Turnieren. Unser Ziel sind nach wie vor acht oder neun Olympia-Plätze", sagte Werner, dessen Verband bei den Spielen 2004 mit neun Startern vertreten, aber in Athen ohne Medaille geblieben war.

"Quali"-Einsatz von Thätner fraglich

Ob der DRB bei den jeweils zwei Qualifikations-Turnieren in jeder Stilart, die Mitte April bis Ende Mai auf dem Programm stehen, auf den dreimaligen deutsche Meister Marcus Thätner (RSV Frankfurt/Oder/66kg) zurückgreifen kann, ist allerdings fraglich. Thätner erlitt bei seinem Wettkampf im griechisch-römischen Stil, bei dem er den elften Platz belegte, eine schwere Verletzung und musste noch in Tampere operiert werden. "Ohne sofortige Operation wäre sein Bein in Gefahr gewesen", sagte Werner.

Trotz dieser Hiobsbotschaft konnte Werner auch über eine erfreuliche Entwicklung berichten. Seine Gespräche mit den Verantwortlichen des Weltverbands (FILA) und des europäischen Verbands (CELA) hinsichtlich einer Ausrichtung der EM 2011 in Deutschland verliefen positiv: "Es sieht sehr, sehr gut aus. Eine Entscheidung könnte schon in Peking fallen."