2008.04.08 Neuss : Aserbaidschan-Coach Vogts macht sich nichts vor

Bei den Erwartungen an sein Team bleibt der neue Aserbaidschan-Coach Berti Vogts auf dem Teppich. Man solle besser Lotto spielen, als auf Siege gegen etablierte Nationen hoffen.

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Berti Vogts bleibt realistisch

Als neuer Nationalcoach des Fußball-"Zwergs" Aserbaidschan schaut Ex-Bundestrainer Berti Vogts nüchtern in die Zukunft. "Statt darauf zu hoffen, Deutschland und Russland zu schlagen und Gruppenerster zu werden, geht man besser Lotto spielen", sagte der 61-Jährige im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Dienstag-Ausgabe). Vogts hatte sich am vergangenen Donnerstag auf einen Vertrag bis Dezember 2009 mit dem Verband aus der Kaukasus-Republik geeinigt.

Die Auswahl Aserbaidschans trifft in der WM-Qualifikation auf den dreimaligen Welt- und Europameister Deutschland sowie Russland. Vogts: "Auf Platz 199 der Weltrangliste kann man keine Ansprüche stellen, wenn es gegen die etablierten Manschaften geht. Und ich denke, wir werden im Fall von Deutschland in der Qualifikation sogar noch gegen den Europameister von 2008 spielen."

Der Weltmeister von 1974 sieht sich als Fußball-Entwicklungshelfer in Aserbaidschan: "Ich soll meine Erfahrung einbringen, darin besteht die Herausforderung. Es geht in erster Linie um den Aufbau neuer Strukturen im gesamten Fußballbereich, was auch den Nachwuchs einschließt. Ich bin Fußballlehrer."

Vogts kündigte an, am 13. April nach Aserbaidschan zu fliegen. Im Gegensatz zu seinem letzten Engagement in Nigeria geht der Europameister-Coach von 1996 davon aus, häufiger im Kaukasus zu sein. "Weil bis auf ganze wenige Ausnahmen die Spieler alle in der heimischen Liga spielen. Die nigerianischen Nationalspieler stehen fast alle bei großen europäischen Vereinen unter Vertrag. Was würde es da für einen Sinn machen, ständig dort zu sein?"