2008.04.08 Neuss : Lauterer Personalkarussell dreht auf Hochtouren

Beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern ist die Neustrukturierung in vollem Gange. So verlässt der bisherige Klubchef Erwin Göbel den Vorstand und soll Geschäftsführer werden.

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Turbulente Tage in der Pfalz

Der Einstieg von Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz als neuer Vorstandsvorsitzender beim stark abstiegsbedrohten Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern hat weitere Personalentscheidungen zur Folge. Der bisherige Klubchef Erwin Göbel, Nachfolger von Rene C. Jäggi, verlässt den Vorstand und soll zukünftig als kaufmännischer Geschäftsführer arbeiten. Aus dem Vorstand scheiden auch die ehrenamtlichen Mitglieder Hans-Artur Bauckhage und Rolf Landry, die erst im November 2007 vom Aufsichtsrat in das Gremium berufen worden waren, aus; beide traten von ihren Ämtern zurück.

Ohlinger zukünftig für Finanzen zuständig

Der ebenfalls im November 2007 berufene Johannes Ohlinger soll ehrenamtliches Vorstandsmitglied bleiben und fortan für die Finanzen zuständig sein. Ohlinger arbeitete früher als Manager beim Bau-Unternehmen Holzmann.

"Ich durfte nicht warten, bis die Rettung von irgendwo herkommt. Ich wusste, dass ich vorneweg marschieren muss, wenn ich dem FCK helfen will", erklärte Kuntz seine Beweggründe für das auf fünf Jahren ausgelegte Engagement als Klubchef und Sportdirektor in Personalunion bei seinem früheren Arbeitgeber, mit dem er als Spieler 1990 den DFB-Pokal und ein Jahr später die deutsche Meisterschaft holte.

Die glorreichen Zeiten auf dem Betzenberg sind allerdings längst vorbei. Kuntz selbst erläuterte den Medienvertretern, die so zahlreich wie zu Champions-League-Zeiten ins Fritz-Walter-Stadion gekommen waren, dass sein Einstieg in der Pfalz fast einem Himmelfahrtskommando gleicht. "Die sportliche Lage ist angespannt, die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Auch die Glaubwürdigkeit nach außen hat Defizite", gestand der 45-Jährige.

Kampf um Lizenz bei Abstieg in Liga drei

Kuntz gab ohne Ausflüchte zu, dass der chronisch klamme Klub um die Lizenz für die 3. Liga, den Einstieg von neuen Sponsoren und einen Nachlass der Stadionmiete - die plus Unterhalt fünf Millionen pro Jahr verschlingt - kämpfen muss. Der frühere Nationalspieler ist also als Feuerwehrmann und Aufbauhelfer gefragt.

"Ich glaube fest daran, dass wir eine Lösung für die Probleme finden werden. Was in den letzten Jahren verlorengegangen ist, kann man aber nicht innerhalb von drei bis sechs Monaten zurückgewinnen. Es muss ein mittelfristiger Plan sein, um an glorreiche Zeiten anschließen zu können - das lässt sich schon von der Zeitspannung meines Vertrags ableiten", sagte der im benachbarten Saarland geborene Kuntz bei seiner "Rückkehr nach Hause".

Kuntz hofft auf Klassenerhalt

Kuntz hofft allerdings darauf, dass er mit seiner Aufbauarbeit nicht in der 3. Liga beginnen muss. "In sieben Wochen kann es jeder in der Mannschaft schaffen, noch zum Helden zu werden", sagte der neue Klubchef hinsichtlich des Abstiegskampfs der Pfälzer, die sechs Punkte Abstand zum rettenden Ufer haben.

Trainer Milan Sasic, der mit Kuntz schon beim Lauterer Zweitliga-Rivalen TuS Koblenz zusammengearbeitet hat, hofft jedenfalls auf einen Schub durch Kuntz, der bereits mit dem Team gesprochen hat: "Seine Rede in der Kabine war großartig. Man hat den Respekt in den Augen der Spieler gesehen. Schließlich gibt es kaum Vereine in Deutschland, die einen Präsidenten haben, der so viele Erfolge in seiner Karriere hatte."