2008.04.10 Neuss : Toni hält Bayerns Triple-Traum am Leben

Bayern München steht im Halbfinale des UEFA-Pokals. Nach einem wahren Fußball-Drama und zwei späten Toren reichte dem Bundesligisten ein 3:3 nach Verlängerung beim FC Getafe.

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Luca Toni traf doppelt

Ein später Doppelschlag durch Luca Toni hat Bayern München vor einem Debakel im UEFA-Pokal bewahrt. Der italienische Torjäger rettete mit seinen Treffern in der 115. und 120. Minute dem deutschen Rekordmeister ein glückliches 3:3 (1:1, 0:0) nach Verlängerung beim spanischen Außenseiter FC Getafe und lässt die Bayern weiter vom Titel-Triple träumen. Damit zitterte sich der deutsche Rekordmeister, der 114 Minuten in Überzahl agierte, mit viel Glück ins UEFA-Cup-Halbfinale. Dort wartet nun der russische Meister Zenit St. Petersburg, der Bayer Leverkusen ausschaltete.

Nach 90 Minuten hatte es 1:1 gestanden, exakt das gleiche Ergebnis wie im Hinspiel vor Wochenfrist. Dass es überhaupt noch in die Verlängerung ging, hatten die Münchner Franck Ribery zu verdanken. Der Franzose hatte mit seinem späten Treffer (89.) gerade noch die Verlängerung erzwungen, nachdem der schon in München erfolgreiche rumänischen Nationalspielers Cosmin Contra (44. ) Getafe in Führung gebracht hatte. In der Overtime brachten Casquero (91.) und Braulio (93.) die Spanier sogar mit 3:1 in Führung.

Hoeneß: "Wir hatten das Glück des Tüchtigen"

"Ich kann mich lange nicht erinnern, so ein Spiel erlebt zu haben. Wir hatten das Glück des Tüchtigen. Trotzdem muss über einiges gesprochen werden. Nach 110 Minuten gegen zehn Leute muss einfach mehr herauskommen", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß nach dem Europacup-Krimi.

Dabei musste Getafe nach einer unberechtigten Roten Karte gegen Ruben de la Red (6.) fast das gesamte Spiel über mit zehn Mann auskommen, war den Münchnern bei deren schwächstem Saisonspiel aber dennoch überlegen. Der Tabellenzwölfte der Primera Division trifft nun im Halbfinale auf den Leverkusen-Bezwinger Zenit St. Petersburg.

Vor 16.000 Zuschauern im ausverkauften Coliseum Alfonso Perez - darunter auch der spanische König Juan Carlos und dessen Sohn Felipe - begannen beide Mannschaften sehr offensiv. Luca Toni verstolperte schon nach 36 Sekunden die erste Bayern-Chance nach guter Vorarbeit von Miroslav Klose und Franck Ribery. Im Gegenzug verfehlte Contra das Tor nur knapp.

Rote Karte in der sechsten Minute

In der sechsten Minute hatte Schiedsrichter Massimo Busacca seinen ersten großen Auftritt: Der Schweizer zeigte De la Red nach einem Foul am durchgebrochenen Klose die Rote Karte - obwohl der Spanier nicht letzter Mann war. Den folgenden Ribery-Freistoß aus 18 Metern konnte Roberto Abbondanzieri nur abklatschen, doch Tonis Abstaubertor wurde wegen Abseitsstellung nicht anerkannt.

Durch den Platzverweis kam ein Bruch ins Bayern-Spiel - auch, weil Bastian Schweinsteiger seine Position im rechten Mittelfeld zu oft verwaisen ließ. Getafe erlitt erneut einen Rückschlag, als sich Stürmer Ikechukwu Uche verletzte und gegen Verteidiger Belenguer ausgetauscht werden musste (21.).

Doch der FC Bayern hatte gegen den Europacup-Neuling weiter große Mühe. Symptomatisch war eine Szene in der 34. Minute, als Christian Lell das leere Tor nach einem Fehler von Abbondanzieri aus 14 Metern verfehlte. Getafe konterte - und erzielte so auch das 1:0, als Contra drei Bayern-Spieler wie blutige Anfänger stehen ließ und Oliver Kahn in dessen 140. Europacup-Spiel überwand.

In der Halbzeitpause kam es zu Ausschreitungen im Block der Bayern-Fans, als einige Zuschauer Polizisten angriffen und Sitze durch die Luft warfen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge haderte derweil mit der Mannschaft. "Das war nicht befriedigend. Wir haben unsere Überzahl nicht ausgespielt. Ich hoffe, dass der Trainer die richtigen Worte findet, damit die Mannschaft mehr Gas gibt", sagte er bei Premiere.

Harmlose Schüsse und schwache Kopfbälle

Ottmar Hitzfeld reagierte und brachte Marcell Jansen für Lell, doch am pomadigen Auftreten der Stars änderte sich zunächst nichts. Harmlose Schüsse von Toni hier, schwache Klose-Kopfbälle da: Viel mehr kam nicht. Weil von Schweinsteiger gar nichts und von Ribery nur wenig zu sehen war, stockte das Offensivspiel. Ze Roberto und Mark van Bommel schalteten sich in dieses zu selten ein.

In der 68. Minute hätte Braulio alles klar machen können. Er hatte Kahn bereits ausgespielt, rutschte auf dem regennassen Rasen aber aus, als er den Ball ins leere Tor schieben wollte. Kurz zuvor hatte Hitzfeld Jose Sosa für Schweinsteiger gebracht - doch auch der Argentinier passte sich der Verfassung seiner Nebenleute an und vergab in der 70. Minute aus aussichtsreicher Position.

Hitzfeld riskierte noch einmal alles und brachte in der 75. Minute Stürmer Lukas Podolski für Mittelfeldspieler Ze Roberto, aber die Gäste spielten weiter enttäuschend - bis Ribery zwei Minuten vor dem Abpfiff doch noch die Lücke fand und die Münchner in die Verlängerung rettete. Dort schien nach dem frühen Doppelschlag durch Casquero und Braulio der Traum schon beendet zu sein, doch die Bayern schlugen nochmal zurück.