2008.04.11 Neuss : Kaymer zahlt zunächst Lehrgeld, Langer solide

Zum Auftakt des US-Masters hat der deutsche Debütant Martin Kaymer Lehrgeld zahlen müssen. Der Youngster enttäuschte mit einer 76er Runde, Bernhard Langer spielte eine 74er Runde.

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Martin Kaymer im Bunker

Lehrmeister Bernhard Langer war verärgert, und Lehrling Martin Kaymer haderte mit sich selbst: Das neue deutsche Golf-Traumduo hat beim 72. US Masters in Augusta einen Fehlstart erwischt und muss beim ersten Major-Turnier des Jahres um den Cut kämpfen.

Der zweimalige Masters-Sieger Langer kassierte am 9. Loch einen Strafschlag, weil er einen sich noch bewegenden Ball gespielt hatte. Statt einer 73 musste der 50-Jährige eine 74 quittieren und belegte damit nur den 44. Rang. Für die große Hoffnung Kaymer aus Mettmann verlief der erste Tag in der "Kathedrale des Golf" alles andere als verheißungsvoll, 76 Schläge bedeuteten nur den 65. Platz im 94-köpfigen Feld.

Zerknirscht präsentierte sich Langer im Klubhaus. "Ich kann mich nicht erinnern, dass mir sowas schon mal passiert ist", sagte der Sieger von 1985 und 1993. Ihm sei es wirklich nicht aufgefallen, beteuerte er, "sonst hätte ich den Ball doch nicht geschlagen".

Unter dem Eindruck der Bestrafung verlor Langer kurzzeitig etwas die Konzentration. Die Folge: Bogeys an der 9 und 12. Mit einem Birdie an der 15 hielt sich Langer jedoch im Rennen um die Qualifikation für die beiden Schlussrunden.

Diese erreichen die besten 44 plus Schlaggleiche, außerdem noch die, die nicht mehr als zehn Schläge hinter dem Führenden liegen. Acht waren es für Kaymer bereits nach 18 Löchern. Mit jeweils 68 Schlägen führten nach der Auftaktrunde zum dritten Mal nach 2004 und 2007 der Engländer Justin Rose sowie der Südafrikaner Trevor Immelman.

Kaymer muss Lehrgeld zahlen

Der 23 Jahre alte Kaymer zahlte auf dem schweren Par-72-Platz an der Magnolia Lane das Lehrgeld eines Neulings. Nach nervösem Start mit drei Bogeys an den ersten vier Löchern bekam er sein Spiel zusammen, machte an Loch 6 und 8 jeweils einen Schlag gut, ehe es ihn am berühmten Amen Corner erwischte.

Bogey an der 11 und Doppel-Bogey an der 12, dann aber glückte ihm ein Birdie an der 13. "Ich habe mich in manchen Situationen nicht geschickt angestellt, kämpfe auch nach meiner Umstellung noch mit dem Schwung", sagte der Rheinländer.

Kaymer konnte sich mit seinem ersten Tour-Sieg im Januar in Abu Dhabi und Platz zwei in Dubai hinter Superstar Tiger Woods über die Weltrangliste als dritter Deutscher nach Langer und Alex Cejka für Augusta qualifizieren. Trotzig fügte er an: "Ich hatte mir den Cut als Ziel gesetzt, und das will ich auch noch schaffen."

Woods zeigt Emotionen

Nicht nach Wunsch lief es für Topfavorit Woods, der in Augusta den Grundstein zum ersten Grand Slam der Golf-Geschichte legen will. Als der Weltranglistenerste am 13. und 14. Loch mit zwei Bogeys patzte, zeigte er Emotionen. Offensichtlich mit dem gewünschtem Erfolg: Am nächsten Loch ging er volles Risiko und wurde mit einem Eagle belohnt. Mit einer 72 rangierte der 32-Jährige auf dem 19. Platz und lag damit zumindest noch in Lauerstellung.

"Ich habe ordentlich gespielt, auch wenn das Ergebnis anders aussieht. Einige meiner Putts gingen nur knapp vorbei. Wenn ich die Geduld bewahre, sollte es ein gutes Turnier werden", sagte der viermalige Masterssieger Woods.

Auf Tuchfühlung zur Spitze befand sich der letztjährige Überraschungssieger Zach Johnson (USA), der mit einer 70 ins Klubhaus kam und damit Sechster war.

Den größten Applaus gab es für eine Golf-Legende. Arnold Palmer hämmerte am 50. Jahrestag seines ersten Masters-Triumphes den Ball in den langsam schwindenden Nebel und freute sich mit einem Schuss Selbstironie über den gelungenen Abschlag: "Das hätte mir niemand mehr zugetraut. Der Ball ging ja so weit, dass ich ihn nicht mehr sehen konnte."