2008.04.13 Neuss : Mikitenko gewinnt überraschend London-Marathon

Irina Mikitenko aus Wattenscheid feierte beim London-Marathon trotz Fußverletzung einen Überraschungssieg. Bei den Herren gewann der Kenianer Martin Lel zum bereits dritten Mal.

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Irina Mikitenko gewann den London-Marathon

Bereits bei ihrem zweiten Marathon-Start konnte Irina Mikitenko ihren ersten Sieg und noch dazu den deutschen Rekord als Sahnehäubchen feiern: Ungeachtet einer schmerzhaften Fußverletzung hat die Wattenscheiderin den 28. London-Marathon gewonnen und ist damit praktisch über Nacht zur Medaillenkandidatin für die Olympischen Spiele in Peking (8. bis 24. August) geworden.

Ein halbes Jahr nach ihrem glanzvollen Debüt mit Platz zwei in Berlin stieß die 35-jährige Mikitenko in der deutschen Rekordzeit von 2:24:14 Stunden in die Weltspitze vor und trug sich als erste Deutsche seit Katrin Dörre-Heinig (1992 bis 1994) in die Siegerliste ein.

"Ich wäre gern noch etwas schneller gelaufen"

"Ich habe mich gut gefühlt und wäre gern noch etwas schneller gelaufen, deshalb habe ich immer wieder Tempoarbeit geleistet. Vielleicht wäre eine Zeit unter 2:24 Stunden drin gewesen", sagte die in Kasachstan geborene Athletin, die 1996 als Spätaussiedlerin nach Deutschland gekommen war. Als Siegprämie erhielt Mikitenko 55.000 Dollar plus 10.000 Dollar Zeitprämie.

Die deutsche Rekordhalterin über 3000 und 5000m auf der Bahn verwies bei ihrem Triumph die Russin Swetlana Zacharowa (2:24:39) und Top-Favoritin Gete Wami (Äthiopien/2:25:37) auf die Plätze zwei und drei. Weltrekordlerin Paula Radcliffe (England) hatte ihren Start wegen einer Zehenverletzung bereits Anfang März abgesagt.

Mikitenko ließ sich von ihrer Knöchelblessur nicht aufhalten. "Ich war vorher nicht sicher, ob der Knöchel die gesamten 42,195 Kilometer problemlos mitmacht, aber im Rennen lief es gut", sagte die Olympia-Siebte von Athen über 5000m. Seit ihrem Sieg beim Halbmarathon in Paderborn vor drei Wochen schlug sie sich mit Schmerzen im Sprunggelenk herum, die von einer vorherigen Trainingsverletzung herrührten.

"Das war ein guter Test für Peking"

Das große Ziel heißt nun Olympia. "Das war ein guter Test für Peking, deshalb wollte ich London unbedingt laufen", so Mikitenko. Sie war 21 Sekunden unter der Dörre-Heinigs Rekordmarke (2:24:35) für den Bereich des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) geblieben, den die dreimalige London-Siegerin beim Hamburg-Marathon 1999 gelaufen war.

Schnellste deutsche Läuferin bleibt die Leipzigerin Uta Pippig, deren Zeit von 2:21:45 Stunden aus dem Jahr 1994 in Boston jedoch wegen des dortigen Strecken-Gefälles keine Anerkennung als offizieller Rekord fand.

Bei den Männern triumphierte Vorjahressieger Martin Lel aus Kenia zum dritten Mal nach 2005 und 2007. Der 29-Jährige stellte in 2:05:15 Stunden einen Streckenrekord auf und lief die viertbeste Marathonzeit aller Zeiten.

Nur Weltrekordhalter Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:04:26) und der Kenianer Paul Tergat waren bisher schneller gelaufen. Zwischenzeitlich lag die Spitzengruppe um Lel gar auf Weltrekordkurs, ehe das Tempo auf den von Regen begleiteten letzten Kilometern etwas nachließ.

Im Finale setzte sich der zweimalige New-York-Sieger (2003/07) wie schon im vergangenen Jahr dank eines fulminanten Schlussspurts durch und verwies seinen Landsmann Samuel Wanjiru (2:05:24) und den Vorjahreszweiten Abderrahim Goumri (Marokko/2:05:30) auf die Plätze zwei und drei.

Beim zeitgleich in Rotterdam ausgetragenen Marathon gab es gar einen kenianischen Dreifach-Erfolg. William Kipsang siegte in Streckenrekord- und persönlicher Bestzeit von 2:05:50 Stunden vor seinen Daniel Rono und Charles Kamathi. Für Kipsang war es der dritte Sieg über die 42,195-km-Distanz nach Amsterdam 2003 und Seoul 2005. Auch in Turin ging der Sieg an einen Athleten aus der ostafrikanischen Läufer-Hochburg: Stephen Kibiwot (2:10:12) gelang dabei sein zweiter Erfolg nach 2006.