2008.04.13 Neuss : Sylvester feiert spektakulären K-o.-Sieg

Sebastian Sylvester hat Kontrahent Javier Castillejo die erste K.o.-Niederlage zugefügt. Der Europameister im Mittelgewicht will nun WBA-Weltmeister Felix Sturm herausfordern.

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Sebastian Sylvester schlug Javier Castillejo

Der eine stürzte Richtung Boden, während der andere bereits die Fäuste siegessicher gen Himmerl riss. Als Sebastian "Hurrikan" Sylvester seinen spektakulären K.o.-Sieg feierte, sorgten sich Betreuer und Mediziner um den schwer geschlagenen Gegner Javier Castillejo. Nach einer krachenden Rechten des Europameisters im Mittelgewicht in der 12. Runde ans Kinn sackte der Spanier wie vom Blitz getroffen zusammen, schlug mit dem Hinterkopf auf, lag eine kleine Ewigkeit bewusstlos auf dem Ringboden und musste behandelt werden. Erst, als sich Castillejo wieder bewegte und schließlich wieder auf die Beine kam, atmeten alle Beteiligten und die 5000 Besucher im Jahn-Forum in Neubrandenburg auf.

"Wir hatten Probleme, den Mundschutz rauszubekommen. Deshalb hat die Behandlung auf dem Ringboden so lange gedauert. Da besteht immer etwas Erstickungsgefahr", sagte der verantwortliche Ringarzt Professor Walter Wagner zur Ersthilfe und fügte an: "Um auf Nummer sicher zu gehen und bleibende Schäden auszuschließen, haben wir ihn in die Klinik eingewiesen."

Erster K.o. für Castillejo

Der 40 Jahre alte Castillejo ging im 71. Profikampf seiner Karriere erstmals K.o. und musste über Nacht zur Beobachtung in einer Neubrandenburger Klinik bleiben. Erst am Sonntag um 10 Uhr wurde er entlassen. Hirnschädigungen wurden bei einer Computertomographie nicht festgestellt. Auf Rat der Ärzte soll sich der Spanier in den nächsten vier Wochen regelmäßig untersuchen lassen.

Nachdem Castillejo wieder auf den Beinen war, konnte auch das Sylvester-Lager endlich feiern. "Das war eine großartige Leistung", schwärmte Trainer Harald Schröder und kündigte vollmundig an: "Als nächstes blasen wir Sturm weg." Gemeint war WBA-Weltmeister Felix Sturm. Durch den Sieg rückte der 27 Jahre alte Sylvester zum ersten WM-Herausforderer des Leverkuseners Sturm auf.

TV-Experte und Ex-Box-Champion Henry Maske war ebenfalls begeistert vom Auftritt Sylvesters und räumte dem Greifswalder durchaus Chancen gegen Sturm ein: "Felix Sturm ist sicherlich der bessere Boxer, doch mit seiner geradlinigen Art wird Sebastian seine Treffer setzen."

Sylvester zieht sich stark blutende Wunde zu

Sylvester, der auch starke Nehmer-Qualitäten bewies, gab zu, dass er eigentlich mit einem anderen Kampf gerechnet hatte und mehr Beinarbeit leisten wollte. Bereits in der ersten Runde zog sich der Titelverteidiger eine tiefe Augenbrauenwunde zu, aus der Blut floss.

Trainer Schröder wollte den Kampf vorzeitig beenden lassen, da sein Schützling nach Punkten vorne lag. Doch Wagner lehnte ab und bescherte dem Publikum so ein spektakuläres Finale. Wagner dazu: "Er hat gut geboxt. Ich hätte den Kampf sofort abgebrochen, wenn Sylvester nicht mehr auf Schläge reagiert hätte."