2008.04.13 Neuss : Wesemann will endlich triumphieren

Heute ist es wieder soweit: beim Radrennen Paris-Roubaix stehen den startenden Profis kilometerlange Kopfsteinpflaster-Passagen bevor. Steffen Wesemann will endlich siegen.

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Heute findet die 106. Auflage von Paris-Roubaix statt

Im Spätherbst seiner Karriere will Steffen Wesemann endlich den berühmten Pflasterstein in die Höhe stemmen, Andreas Klier möchte beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix zumindest den Sprung aufs Treppchen schaffen. In der "Hölle des Nordens" warten am heutigen Sonntag 28 Kopfsteinpflaster-Passagen inklusive des berühmt-berüchtigten Waldes von Arenberg auf das Peloton.

"Wenn du das Rennen hinter dir hast, musst du den ganzen Abend Hände und Handgelenke kühlen. Sonst geht die Schwellung nicht zurück", sagt Wesemann. Der 37-Jährige Neu-Schweizer vom Team Collstrop hatte im Velodrom von Roubaix bereits 2002 als Zweiter und im vergangenen Jahr als Dritter knapp das Nachsehen. Bei der 106. Auflage des zweitältesten Radrennens der Welt will "Wese" endlich den Siegerpokal in Form eines Pflastersteins in die Höhe stemmen.

In Flandern gab Wesemann noch auf

Bei der Generalprobe Flandern-Rundfahrt stieg Wesemann nach 112 km mit Magenproblemen vom Rad, doch beim Ritt über 259,5 km - davon 52 km Kopfsteinpflaster - will es der in Wolmirstedt geborene Klassiker-Spezialist womöglich ein letztes Mal wissen. Aus deutscher Sicht hat wohl nur Klier ähnlich große Chancen auf das Podium wie Wesemann.

Der Wahl-Belgier Klier vom T-Mobile-Nachfolger High Road wird sicherlich besonders hoch motiviert an den Start gehen. Am vergangenen Sonntag verpasste er den ersehnten Sieg bei der Flandern-Rundfahrt. Nun soll die Schlappe ausgerechnet beim wohl härtesten Rennen des Frühjahrs kompensiert werden. Als einziger Deutscher trug sich bisher Josef Fischer in die Siegerliste des Rennens ein - und das bei der Premiere 1896.

"Das Rennen ist der Härtetest des Frühjahrs"

Vor zwei Jahren steckte Jean-Francois Peschaux, technischer Direktor der Tour de France, den Kurs des Rennens neu ab. "Ob Regen oder Staub, Kälte oder Hitze. Das Rennen ist der Härtetest des Frühjahrs", erklärte der Franzose. Das härteste Stück ist dabei der Wald von Arenberg. Vor drei Jahren wurde der 2400 m lange Weg aus dem Programm genommen - zu groß war die Gefahr für Sportler und sogar Zuschauer.

Am Sonntag ist der Waldweg wie auch in den vergangenen beiden Jahren wieder zu bewältigen. Auf dem fast schon heimtückischen Abschnitt mit Pflastersteinen so groß wie norddeutsche Findlinge fungiert der ganze Körper als Stoßdämpfer. Jeder noch so schmale und verschmutzte Randstreifen wird mit Vorliebe genutzt.

Vorjahressiger O'Grady auch am Start

Der engere Favoritenkreis setzt sich aus den üblichen Verdächtigen zusammen. Vorjahressieger Stuart O'Grady (Australien/CSC), Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara (Schweiz/CSC), Juan Antonio Flecha (Spanien/Rabobank) und Ex-Weltmeister Tom Boonen (Belgien/Quickstep) muss man ebenso auf der Rechnung haben wie Flandern-Sieger Stijn Devolder (Belgien/Quickstep) und dessen Vorgänger Alessandro Ballan (Italien/Lampre).

Flandern-Triumphator Devolder hatte bereits am vergangenen Sonntag nach seinem Paforceritt noch in Ninove angekündigt, dass sein Erfolgshunger noch lange nicht gestillt sei. Als nächstes wolle er den Pflasterstein in seinen Trophäenschrank stellen. Da wollen ihm Wesemann und Klier zumindest in diesem Jahr noch einen Strich durch die Rechnung machen.