2008.04.15 Neuss : Olympia-Eröffnung ohne Bönisch

Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch will die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking wegen der Menschenrechtsverletzungen in Tibet boykottieren.

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Yvonne Bönisch boykottiert Eröffnungsfeier

Die Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch will der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking fernbleiben, an den Wettbewerben aber trotzdem teilnehmen. Bönisch kündigte an, sie wolle mit dieser Aktion sowie mit einem Symbolband am Handgelenk gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet protestieren.

Ob letzteres gestattet ist, muss das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch entscheiden. Die Exekutive werde auf der nächsten Sitzung Anfang Juni in Athen über Richtlinien diskutieren, sagte eine IOC-Sprecherin.

Frankreichs NOK verbot seinen Olympiateilnehmern, zur Eröffnung der Sommerspiele mit Plaketten auf der Brust einzumarschieren, auf denen "Für eine bessere Welt" demonstriert wird. NOK-Präsident Henri Serandour begründete dies damit, dass man ansonsten "auch für alles sonst" werben könne. Sport-Staatssekretär Bernard Laporte nannte sie "unverständlich", doch die Regierung werde sich nicht einmischen.

Der Deutsche Judo-Bund (DJB) toleriert die Aktion seiner Goldmedaillen-Gewinnerin von Athen, will sich in einer Präsidiumssitzung am kommenden Wochenende aber grundsätzlich mit der Situation und Problematik befassen.

Bönisch will "ein Zeichen setzen"

"Ich werde ein Zeichen setzen und nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen", sagte Yvonne Bönisch am Dienstag im ZDF. Die Postdamerin, die zuletzt aufgrund ihrer zielgerichteten Olympia-Vorbereitung nicht an der Europameisterschaft in Lissabon teilgenommen hatte, erklärte aber auch, dass sie auf alle Fälle zum Wettbewerb in der 57-kg-Klasse in Peking antreten will.

"Wir wollen mündige Athleten und respektieren die Haltung von Yvonne Bönisch", sagte der Präsident des Deutschen Judo-Bundes (DJB), Peter Frese, dem Sport-Informations-Dienst (sid). Er kündigte an, dass sich das DJB-Präsidium am kommenden Wochenende auf seiner regulären Sitzung in Dresden mit der Thematik befassen wird. "Jedem Athleten ist es selbst überlassen, ob er an der Eröffnungsfeier teilnimmt oder nicht. Wenn Yvonne auf das Erlebnis verzichtet, dann ist das in Ordnung und ein Weg, um zu demonstrieren", sagte Frese.