2008.04.18 Neuss : Deutsche Schwimmer stehen bei DM unter Druck

Bei den nationalen Meisterschaften, die heute in Berlin starten, gibt es für die deutschen Schwimmer keine Ausreden mehr. Für die Olympia-Quali muss eine Leistungssteigerung her.

vno
Britta Steffen will sich die Fahrkarte für Peking sichern

Es wird ernst für die deutschen Schwimmer. Das Team um Olympia-Goldhoffnung Britta Steffen muss bei den heute beginnenden nationalen Meisterschaften und der Qualifikation für Peking aus der Versenkung auftauchen und Farbe bekennen. "Die Zeit der Entschuldigungen ist vorbei. Für die Olympia-Tickets gibt es nur diese eine Möglichkeit", sagt Örjan Madsen. Der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) erwartet von seinen Athleten von heute bis Mittwoch in Berlin "einen Ruck nach vorne".

Im Rampenlicht steht insbesondere Britta Steffen. Während die internationale Elite zuletzt mit einer Rekordflut aufhorchen ließ, hatte sich die Berlinerin nach Schulterproblemen rar gemacht und wie der Großteil der deutschen Schwimmer bei der EM in Eindhoven sowie der Kurzbahn-WM in Manchester auf einen Start verzichtet. Doch ihr Comeback vor zehn Tagen mit deutschem Rekord über 50m Freistil in 24,53 Sekunden hat Hoffnung gemacht, dass Steffen rechtzeitig fit ist.

Steffen: "Es gibt für mich keine Ausreden mehr."

"Ich bin vielleicht noch nicht bei hundert Prozent, aber es gibt für mich keine Ausreden mehr", meint Steffen. Beim Heimspiel im Europapark an der Landsberger Allee will sich die WM-Dritte und viermalige Europameisterin von 2006 die Fahrkarten für Peking über 50, 100 und 200m Freistil sichern. "Absolute Priorität" genießt allerdings ihre Paradestrecke 100m, auf der sie erst vor drei Wochen den Weltrekord an die Australierin Lisbeth Trickett verloren hat.

Während die meisten Weltrekorde in diesem Jahr im umstrittenen neuen Wettkampfanzug des australischen Herstellers Speedo aufgestellt wurden, geht Steffen übrigens im Anzug des deutschen Ausrüsters adidas an den Start. Für ihren Heimtrainer Norbert Warnatzsch ist das aber kein Nachteil. "Britta fühlt sich in ihrem Anzug wohl. Das ist ohnehin viel Kopfsache", meint Warnatzsch. Der DSV hatte am Mittwoch entschieden, dass die Athleten in Berlin ihre Wettkampfanzüge frei wählen können und von einem Verbot wie zuletzt in Kanada und Italien Abstand genommen. Der DSV bezog sich bei seiner Entscheidung auf eine Erklärung des Weltverbandes FINA, wonach alle bisher genehmigten Schwimmanzüge den Regeln und Spezifikationen entsprechen würden.

Steffen bekommt es unterdessen über 200m Freistil mit Vize-Weltmeisterin Annika Lurz zu tun. Die Würzburgerin war zuletzt ebenfalls nicht von Verletzungen verschont geblieben und hatte nach einem Ermüdungsbruch im vierten Lendenwirbel kürzertreten müssen. Gleiches gilt für die Olympia-Dritte Antje Buschschulte, die sich vor vier Monaten an der Schulter operieren ließ. Davon lässt sich die 29-Jährige aus Magdeburg, die ihre vierte Olympia-Teilnahme im Visier hat, jedoch nicht verschrecken und hat sich in Berlin mit sechs Starts ein Mammutprogramm auferlegt.

Helge Meeuw hofft auf Initialzündung

Zu den Hoffnungsträgern bei den Männern zählt Buschschultes Lebensgefährte Helge Meeuw. Der Frankfurter hat nach seinem schwachen Vorjahr den Trainer gewechselt und hofft auf die entsprechende Initialzündung.

Die hat es für Paul Biedermann schon gegeben. In Eindhoven sicherte sich der 21-Jährige aus Halle/Saale über 200m Freistil den EM-Titel und verbesserte den 24 Jahre alten deutschen Rekord von Michael Groß. "Wenn er sich noch etwas verbessert, kann er auch in Peking vorne dabei sein", sagt Madsen. Doch für Biedermann gilt wie für alle anderen: Vor dem Traum von Olympia steht die Pflicht in Berlin.