2008.04.18 Neuss : Kahn: "Ich bin froh, wenn es vorbei ist"

Oliver Kahn geht am Samstag in sein siebtes Pokalfinale. Der Torwart von Bayern München, der seine Karriere im Sommer beendet, blickt vor dem Endspiel zurück und in die Zukunft.

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Oliver Kahn

Oliver Kahn steht vor seinem siebten und letzten DFB-Pokalfinale. Der Bayern-Schlussmann, der nach Saisonende die Torwarthandschuhe endgültig auszieht, blickt vor dem Endspiel im Berliner Olympiastadion auf eine bewegte Karriere zurück, aber scheut sich auch nicht vor der Frage: Was kommt danach?

Vor diesem Moment habe er "großen Respekt", erzählte Kahn vor seinem letzten DFB-Pokalfinale am Samstag (20.00 Uhr/live im ZDF) gegen Borussia Dortmund. "Ich bin froh, wenn es vorbei ist. Ich habe ja in Sachen Emotionalität nichts ausgelassen. Aber ich weiß nicht, ob ich diesen Adrenalinschub vor solchen Spielen nicht irgendwann einmal vermissen werde. Man sieht es ja jetzt an Michael Schumacher. Damit umzugehen, muss ich lernen."

Die Gegenwart im Vordergrund

Doch noch steht für den früheren Nationalkeeper die Gegenwart im Vordergrund. Bei seiner siebten Endspiel-Teilnahme könnte Kahn zum sechsten Mal den DFB-Pokal gewinnen und damit Geschichte schreiben. Mit so etwas will sich der dreimalige Welttorhüter aber nicht beschäftigen. Darüber könne er sich irgendwann einmal freuen, wichtig sei vielmehr, "dass wir das Spiel überhaupt gewinnen".

Zweifel hegt am 14. Pokalsieg der Bayern kaum jemand - doch Kahn wäre nicht Kahn, wenn er seine Kollegen nicht eindringlich vor einer gewissen Überheblichkeit warnen würde. Es passt zum 554-maligen Bundesligaspieler, dass er auch auf der Zielgeraden seiner seit 1987 andauernden Karriere nicht nachlässig wird.

Der Spruch "weiter, immer weiter" gilt nicht umsonst als Markenzeichen von Kahn. Das Finale sei für ihn deshalb auch keine Routine, "das ist ein tolles und prickelndes Erlebnis, auf das ich hinfiebere."

Entsprechend fällt es dem "Titan" auch schwer, die Partie im Berliner Olympiastadion bewusst zu genießen. Dafür bleibe leider keine Zeit. Die Vorbereitung auf so ein Endspiel sei immer gleich und würde enorm viel Kraft und Konzentration in Anspruch nehmen. "Deshalb kann man das nicht genießen."

"Furcht? Null komma null"

Doch bei allem Ehrgeiz, den Kahn noch immer besitzt, wirkt der 38-Jährige entspannt wie selten zuvor. Angesprochen darauf, ob er etwa Angst davor habe, dass auf dem Weg zum angestrebten Triple noch etwas schief gehen könnte, meinte der Keeper mit einem Lächeln: "Furcht? Null komma null. Ich bin schon dankbar, dass wir im Gegensatz zum letzten Jahr so eine Saison spielen. Ein Titel ist ja fast schon sicher, alles andere ist Zugabe."

Kahn klingt inzwischen oft wie ein "elder statesman", wenn er Fragen zum Fußball beantwortet. Wie einer, der schon alles erlebt hat und über den Dingen steht - der aber trotzdem noch mit ganzem Herzen dabei ist.

16 Titel (ohne die sieben Ligapokal-Siege) hat der gebürtige Karlsruher bisher gewonnen. Der UEFA-Cup-Sieg 1996 sei fantastisch gewesen, aber auch die Erfolge in der Champions League - und beim Weltpokal. "Ich hatte soviele Höhepunkte, die ich erleben durfte, da will ich nichts explizit herausheben."

Und ohnehin sei es komisch, dass oft die Negativerlebnisse besonders in Erinnerung geblieben wären, meinte Kahn, wie etwa 1999 das verlorene Champions-League-Finale gegen Manchester United (1:2) oder im selben Jahr das Pokalfinale, das die Bayern gegen Bremen mit 4:5 im Elfmeterschießen verloren hatten.

Was dem 38-Jährigen in seiner bewegten Laufbahn allerdings noch fehlt, ist ein Tor. Doch das wolle er im Schlussspurt nicht erzwingen. "Wenn nicht, dann halt nicht." Deswegen könne er am Samstag auch gut auf ein Elfmeterschießen verzichten: "Man muss mit meinen Nerven aufpassen. Getafe war schon gut, aber ich brauche keine Steigerung mehr."

Wenn dann im Mai alles vorbei ist, möchte sich Kahn erst einmal erholen. "Dann möchte ich Dinge machen, die nichts mit Fußball zu tun haben. Vielleicht brauche ich das alles ja überhaupt nicht mehr." Vorstellbar ist dies im Moment noch nicht.