2008.04.18 Neuss : Rupprath erneuert Kritik am Material

Thomas Rupprath hat seine Kritik an den Anzügen der deutschen Schwimmer erneuert, DSV-Sportdirektor Örjan Madsen kündigte ein Treffen zur "Feinabstimmung" mit Ausrüster adidas an.

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Thomas Rupprath

Die Diskussionen um die Anzüge der deutschen Schwimmer reißen nicht ab. Zum Auftakt der DM in Berlin hat Thomas Rupprath seine Kritik am Verband erneuert. Örjan Madsen, Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), kündigte nach den Titelkämpfen und Olympia-Qualifikation ein Treffen mit Ausrüster adidas an. Von einer Krisensitzung wollte er aber nichts wissen - zur "Feinabstimmung", so die offizielle Begründung. Die Rekordflut sowie die "Materialschlacht" des australischen Herstellers Speedo mit dem "Wunderanzug" LZR Racer haben Verband und Sponsor unter Zugzwang gesetzt.

Rupprath: "Ausgelacht worden, weil in adidas schwimmen musste"

Denn bei Deutschlands Schwimmern geht die Angst um, dass sie in Peking nicht konkurrenzfähig sind - auch aufgrund des möglicherweise unterlegenen Wettkampfanzugs. Während adidas auf Tauchstation gegangen ist und sich bislang nicht zur Diskussion geäußert hat, hat Ex-Weltrekordler Thomas Rupprath scharfe Kritik geübt. "Bei der Kurzbahn-WM in Manchester bin ich ausgelacht worden, weil ich in adidas schwimmen musste. Das hat mich den Titel und vielleicht sogar den Weltrekord - und damit einen Haufen Prämien gekostet", schimpfte der Rostocker.

In Berlin darf Rupprath zwar im Speedo-Anzug auf die Jagd nach dem Olympia-Ticket gehen, doch in Peking müsste der 31-Jährige im adidas-Produkt ins Wasser springen. Der Forderung von Rupprath nach einer freien Anzug-Wahl bei Olympia hat Madsen bereits eine Absage erteilt - für Rupprath ein Unding. "Es kann nicht sein, dass sich der DSV lieber das Geld aus einem gut dotierten Sponsoren-Vertrag einsteckt, die Athleten bei Olympia aber hinterherschwimmen", meinte Rupprath: "Ich weiß, dass in unserem Team mehrere unzufrieden sind, aber leider haben sie nicht den Mut, es auszusprechen."

DSV-Präsidentin Christa Thiel gab dagegen ein klares Bekenntnis zum Ausrüster ab und geht von einem "Produkt von gleicher Qualität und Güte" aus. Goldhoffnung Britta Steffen fühlt sich in adidas "wohl". Madsen äußerte sich diplomatisch. "Wenn in diesem Jahr 18 von 19 Weltrekorde in Speedo aufgestellt wurden, sind das natürlich harte Fakten. Aber ein Paul Biedermann ist in Eindhoven auch ohne den vermeintlichen Wunderanzug Europameister mit deutschem Rekord geworden. Und die meisten unserer Top-Schwimmer waren noch gar nicht am Start", meinte der diplomierte Sportwissenschaftler aus Norwegen und forderte: "Lasst uns erstmal die Leistungen in Berlin abwarten."

Treffen könnte für einige Schwimmer zu spät kommen

Doch für die Zeit nach Berlin kündigte Madsen ein Treffen mit adidas und den deutschen Schwimmern an, um mögliche Feinabstimmungen vorzunehmen. Auch wenn dies laut Thiel schon länger geplant und keine Reaktion auf das Konkurrenzprodukt ist - für einige Athleten könnte es zu spät sein, wenn sie die Olympia-Norm verpassen sollten.

Die Konkurrenz um US-Superstar Michael Phelps und Steffens Rivalin Lisbeth Lenton-Tricket lobt den Speedo-Anzug unterdessen in den höchsten Tönen. Phelps sprach von einem "Produkt wie aus einer anderen Welt". Der US-Boy, der in Peking achtmal Gold anpeilt und damit Mark Spitz als olympischer Rekordhalter ablösen will, war an der Entwicklung - zusammen mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA - selbst beteiligt.

Steffen sehnt sich nach den "guten, alten Zeiten" zurück. "Dann wünsche ich mir, dass wir wieder alle in unseren normalen Badeanzügen schwimmen", meinte die 24-Jährige, die sich beim Heimspiel in Berlin die Olympia-Tickets über 50, 100 und 200m Freistil sichern will: "Das Ganze erinnert im Moment an die Formel 1. Dabei sollte nicht derjenige, mit dem besten Material, sondern immer der Schnellste gewinnen." Doch auch für Madsen ist klar, dass sich die Entwicklung nicht zurückschrauben lässt: "Wir können die Köpfe nicht in den Sand stecken und hoffen, dass wir alle nackt schwimmen."

Für Madsen ist die Diskussion auch ein "Kopfthema". Doch das allein könnte für die deutschen Schwimmer schon ein gravierender Nachteil sein. "Wenn du auf dem Startblock stehst, rüber schaust auf deinen Konkurrenten und weißt, dass der in seinem Anzug Weltrekord geschwommen ist, kann das natürlich ein Problem sein", räumte Madsen ein. Zweifel sind da - keine guten Aussichten für den DSV.