2008.04.19 Neuss : BVB will sich im Pokalfinale rehabilitieren

Borussia Dortmund und Bayern München stehen sich heute im DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion gegenüber. Die Bayern gehen dabei als klarer Favorit ins Spiel.

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Bayerns Luca Toni gegen Dortmunds Christian Wörns

Borussia Dortmund und Bayern München treten heute (20.00 Uhr/live im ZDF) im DFB-Pokalfinale gegeneinander an. Die Vorzeichen vor dem Endspiel im Berliner Olympiastadion könnten verschiedener kaum sein. Während sich der BVB in der Krise befindet, träumen die Bayern vom historischen Triple.

Selbst die Trainer der beiden Klubs trennen derzeit Welten. Während sich für Ottmar Hitzfeld auf seiner Abschiedstournee durch Deutschland beim "Traumfinale" gegen seinen Ex-Klub der Kreis schließt und sich der 59-Jährige ein Denkmal setzen kann, steht der angeschlagene BVB-Coach Thomas Doll vor einer ungewissen Zukunft. Ein weiterer Misserfolg im Endspiel gegen die klar favorisierten Münchner könnte die Situation in Dortmund eskalieren lassen.

Doch trotz oder vielleicht gerade wegen der angespannten Lage beim BVB warnen Hitzfeld und Kapitän Oliver Kahn das Münchner Starensemble, das am vergangenen Sonntag den BVB mit 5:0 deklassiert hat, eindringlich vor Überheblichkeit. "Dieses Spiel wird von Spannung und Dramatik geprägt sein. Das wird sicher ein ganz anderes und schwieriges Spiel", sagte Hitzfeld, fügte aber angesichts der Verfassung seiner Truppe auch gelassen an: "Wir haben noch mehr Selbstvertrauen."

Kahn schlägt Alarm

Kahn mahnte vor seiner siebten Finalteilnahme und dem möglichen sechsten Erfolg, dass es ihm seit dem 3:1-Erfolg am Mittwoch in der Liga in Frankfurt im Training fast zu locker und zu lustig gewesen sei: "Das ist ein Alarmzeichen. Es wird für uns noch gefährlicher."

Doch alles andere als der 14. Pokal-Triumph des Rekordpokalsiegers, der auch in der Meisterschaft und im UEFA-Cup auf Titelkurs ist, wäre eine faustdicke Überraschung. Zumal Dortmund, das sich durch die Finalteilnahme schon für den UEFA-Cup in der kommenden Saison qualifiziert hat, laut Doll momentan "am Boden liegt und so richtig Prügel bezogen hat. Aber jetzt müssen wir wieder aufstehen und Flagge zeigen", meinte der angeschlagene Coach.

Der 42-Jährige betonte zwar auf der Pressekonferenz im Berliner Olympiastadion am Tag vor dem Endspiel, dass sich alle in Dortmund auf die Partie "riesig" freuen. Doch Doll machte eher einen genervten Eindruck, auch als er auf seine Zukunft angesprochen wurde.

Er habe ein Finale vor der Brust, da seien solche Dinge "weit, weit weg". Wichtig sei vielmehr, "dass wir uns konzentrieren und viele Dinge besser machen als zuletzt". Der BVB-Coach betonte dabei, dass trotz der jüngsten Rückschläge und einer völlig enttäuschenden Saison "bei uns keiner mit gesenktem Kopf herumläuft. Wir sind zu Recht in Berlin", fügte er trotzig an.

Wie wichtig das erste DFB-Pokal-Endspiel für die Westfalen seit 1989 ist, machte Sportdirektor Michael Zorc noch einmal deutlich. "19 Jahre sind ein langer Zeitraum. Deshalb hat die Partie für uns eine herausragende Bedeutung. Wir hinken in der Liga deutlich hinterher. Deshalb wollen wir im Pokal für eine positive Überraschung sorgen."

Ziegler beim BVB wohl fit

Bei Dortmund fällt Philipp Degen wegen eines Syndesmose-Anrisses auch für den Rest der Saison aus. Dafür absolvierte Torhüter Marc Ziegler nach seinem Bluterguss im Knie das Abschlusstraining ohne Probleme und wird damit heute wohl auflaufen. Als Ersatz für Ziegler, selbst nur Ersatz für den verletzten Stammkeeper Roman Weidenfeller, müsste beim BVB Regionalliga-Keeper Marcel Höttecke (20) zwischen die Pfosten.

Bei den Bayern hat sich Kahn nach einer Nackenverletzung rechtzeitig zurückgemeldet. Die Bayern wollen dem 38-Jährigen "einen schönen Abschied bereiten, den er auch verdient hat", meinte Hitzfeld, der ansonsten noch um den Einsatz von Mark van Bommel (Hüftprobleme), Miroslav Klose (Rücken) und Marcell Jansen (muskuläre Probleme in der Kniekehle) bangt. Eine Entscheidung würde kurzfristig fallen, so der Bayern-Coach. Die Alternative für Klose wäre wieder Lukas Podolski.

Für Hitzfeld ist das Duell gegen seinen ehemaligen Klub "ein absolutes Highlight. Ich habe mich in Dortmund immer unheimlich wohl gefühlt. Das war ein Stück meines Lebens, jetzt ist es der FC Bayern. Da schließt sich der Kreis, weil ich voraussichtlich nicht mehr Trainer bei einem Verein sein werde." Mitgefühl oder Mitleid mit seinem Ex-Klub Dortmund hätte er bei seinem dritten Pokalsieg nach 2000 und 2003 nicht: "Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich bin Trainer bei den Bayern."