2008.04.21 Neuss : Carlos Alberto Parreira: Bye Bye, Bafana Bafana

Zwei Jahre vor der WM hat der südafrikanische Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira seinen Rücktritt erklärt. Parreira will in seine Heimat Brasilien zurückkehren.

pk
Carlos Alberto Parreira ist zurückgetreten

Die "Bafana Bafana" müssen sich einen neuen Trainer suchen. Der Brasilianer Carlos Alberto Parreira erklärte am Montag aus privaten Gründen seinen Rücktritt als Nationaltrainer von Südafrika. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber ich benötige mehr Zeit für meine Familie", sagte der 65-Jährige, dessen Frau Leila an Krebs erkrankt sein soll. Er bedaure sehr, dass es zu dieser Situation gekommen sei, meinte Parreira, der seine Familie vor 15 Monaten in Brasilien zurückließ, um die international zweitklassigen Südafrikaner fit für die WM zu machen.

"Meine Familie braucht mich jetzt, besonders meine Frau. Nach 36 Jahren Ehe konnte ich nicht Nein sagen. Jedes menschliche Wesen muss eine Balance zwischen seinem privaten und seinem beruflichen Leben finden", erklärte Parreira, der 1994 sein Heimatland zum vierten WM-Titel geführt hatte, auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Hauptquartier des nationalen Verbandes (SAFA) 20 Kilometer südlich von Johannesburg.

"In dieser Situation gibt es keinen Gewinner. Dieser Vertrag wurde zu einem Zeitpunkt aufgelöst, als sich alles in die richtige Richtung entwickelte", sagte Parreira, der seine Zelte in Südafrika aber nicht völlig abbrechen will: "Ich werde dem neuen Trainer den Übergang so leicht wie möglich machen, und ich werde auch weiterhin als Berater zur Verfügung stehen."

Vor allem der 3:0-Erfolg gegen Paraguay Ende März in Pretoria hatte den WM-Gastgeber und seine Fans erstmals seit langer Zeit wieder von einer erfolgreichen Rolle bei der WM träumen lassen. Es war der erste Sieg der "Bafana Bafana" ("Die Jungs") gegen einen Gegner aus Südamerika im zehnten Spiel, seit das Land 1992 nach jahrelanger Apartheid-Isolation auf die internationale Fußball-Bühne zurückgekehrt war.

Eriksson weit oben auf der Wunschliste

Zuvor hatte das Team beim Afrika-Cup in Ghana bitter enttäuscht. Nach Unentschieden gegen Angola und Senegal sowie einer Niederlage gegen Tunesien schied Südafrika bereits in der Vorrunde aus. Insgesamt gewann der WM-Gastgeber seit Parreiras Amtsantritt im Februar vergangenen Jahres neun Spiele, erreichte sechs Unentschieden und musste ebenso viele Niederlagen hinnehmen. Parreira, der angeblich über 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdiente, besaß einen Dreieinhalb-Jahres-Vertrag.

Seit die Gerüchte über den Rücktritt des Coaches in Südafrika die Runde machten, schießen die Spekulationen über einen möglichen Nachfolger ins Kraut. Der Schwede Sven-Göran Eriksson, der derzeit den englischen Premier-League-Klub Manchester City trainiert, steht ganz oben auf der Liste, weil sein Sohn als Co-Trainer bei einem südafrikanischen Erstligisten arbeitet und er selbst als Kenner des Landes gilt.

Eine weitere Option soll Luiz Felipe Scolari sein. Parreiras Landsmann, der Brasilien 2002 in Japan und Südkorea zum Titel geführt hatte, fährt mit Portugal als Geheimfavorit zur EM im Sommer in Österreich und der Schweiz. Nach der Endrunde läuft der Vertrag von "General Felipao" aus.