2008.04.21 Neuss : Slomka kritisiert Bordon und Müller

Der bei Schalke entlassene Mirko Slomka hat seinen früheren Kapitän Marcelo Bordon für seine zuletzt getätigten Äußerungen kritisiert. Einen Seitenhieb erhielt auch Andreas Müller.

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Mirko Slomka und Marcelo Bordon haben sich nicht mehr viel zu sagen

Auf Schalke wird nachgetreten. Nachdem zuletzt Verantwortliche und Spieler direkt und indirekt den kürzlich entlassenen Trainer Mirko Slomka kritisierten, hat sich nun der 40-Jährige in einem Interview im kicker gewehrt und zugleich das Verhalten der Königsblauen angeprangert. "Die Spieler müssen jetzt einerseits natürlich die Linie des Vereins stützen. Aber von Marcelo Bordon, den ich zum Kapitän gemacht habe, hätte ich mir mehr Respekt und Anstand erwartet", sagte der 40-jährige Slomka dem Fachmagazin.

Der brasilianische Abwehrchef Bordon hatte nach dem 5:0-Erfolg gegen Energie Cottbus, im ersten Spiel unter dem Interims-Trainergespann Mike Büskens/Youri Mulder, erklärt, dass die Mannschaft ohne Slomka "endlich richtig Fußball" habe spielen dürfen.

Wohnzimmer statt Bronzestatue

Slomka sieht sich in der Öffentlichkeit falsch beurteilt. Das Einzige, was er sich selbst vorzuwerfen habe, sei, "dass wir letzte Saison nicht deutscher Meister wurden. Wäre das gelungen, hätte man mir wohl eine Bronzestatue vors Stadion gebaut. So sitze ich zu Hause".

Verstimmt war der Fußballlehrer über das Statement von Schalke-Präsident Josef Schnusenberg, wonach sich kein S04-Spieler unter Slomka weiterentwickelt habe: "Das war das schlimmste Zitat dieser Tage. Ich habe Herrn Schnusenberg sofort angerufen, weil ich solche Dinge immer am liebsten persönlich kläre. Er hat sich bei mir für die Aussage entschuldigt."

Mehr als unglücklich fand der Ex-Trainer die Tatsache, dass er kurz vor Bekanntgabe des Rauswurfs noch das Training sonntags mit den Reservisten leiten musste. "Man hätte mich beurlauben können, ohne mich vorher noch auf den Trainingsplatz zu schicken und in der Kabine schon über Cottbus reden zu lassen", äußerte Slomka.

Seiner Freundschaft zu Andreas Müller werde die Entlassung, die der Schalker Manager ihm gegenüber persönlich auch vertreten habe, keinen Abbruch tun. "Unserer Freundschaft wird die Trennung nichts anhaben, genau wie der Freundschaft zu Clemens Tönnies (Schalkes Aufsichtsratschef, d.Red.). Vielleicht war ja das genaue Vorgehen bis zuletzt nicht ganz klar. Sonst hätte Andi die Sache sicher stilvoller abgewickelt", so Slomka.

Mehr als zwei Anfragen bereits erhalten

Die von Vereinsseite angeführten Gründe für die Trennung kann der Coach nicht nachvollziehen: "Welche Gründe? Andi führte mir gegenüber die Unruhe um die Mannschaft an. Doch die habe ja nicht ich angezettelt." Er habe immer nur gelesen, er habe die Mannschaft nicht weiterentwickelt, "aber dann wären wir wohl kaum bis ins Champions-League-Viertelfinale gekommen".

Slomka erklärte, dass es noch keine Kontakte zum Hamburger SV gegeben habe. Das Bundesliga-Gründungsmitglied sucht immer noch einen Nachfolger für Huub Stevens, der am Saisonende den HSV in Richtung Eindhoven verlässt. "Mehr als zwei" Klubs hätten sich aber bereits bei ihm gemeldet, so Slomka. Spekulationen, wonach er als künftiger Trainer von Borussia Dortmund und möglicher Nachfolger von Thomas Doll in Frage komme, dementierte er: "Dortmund - das ginge zum jetzigen Zeitpunkt emotional nicht. Mit meinem dreijährigen Sohn Luk muss ich immer noch fast jeden Tag "Blau und Weiß, wie lieb ich dich" singen. Was soll ich dem denn sagen: Gelb und schwarz, wie lieb ich dich?'