2008.04.23 Neuss : Schalke 04 präsentiert Rutten als Cheftrainer

Wie erwartet leitet Fred Rutten ab der kommenden Saison die Geschicke beim FC Schalke 04. Der Vizemeister stellte den Niederländer am Mittwoch als neuen Cheftrainer vor.

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Präsident Josef Schnusenberg (l.), Fred Rutten und Manager Andreas Müller (r.)

Fred Rutten war sofort mit Feuereifer bei der Sache. "Wir sind hier in Deutschland", ermahnte der künftige Trainer des Bundesligisten FC Schalke 04 einen Landsmann, der eine Frage auf Niederländisch stellen wollte: "Ich möchte, dass wir deutsch sprechen."

Dem netten Herrn Slomka folgt auf Schalke der harte Hund Rutten. Nach insgesamt 25 Jahren als Spieler, Assistent und Cheftrainer beim Ehrendivisionär Twente Enschede wagt der 45-Jährige den Sprung zu den Königsblauen, die sechs Jahre nach dem Abschied von Huub Stevens wieder auf "Oranje" setzen. Und bei seiner Vorstellung vor 20 Kamerateams und 100 Journalisten in der Arena ließ Rutten keine Zweifel aufkommen, dass er genau weiß, was er will.

"Ich bin stolz, in einer großen Liga mit einem sehr großen Verein arbeiten zu dürfen. Schalke passt zu mir, und ich bin sicher, dass wir gemeinsam in der Zukunft einige Schritte nach vorne machen können", sagte Rutten, der seinen Dienst offiziell am 1. Juli antreten und damit den am 13. April entlassenen Mirko Slomka beerben wird. Die Interimstrainer Mike Büskens und Youri Mulder, die Schalke bis zum Saisonende wieder in die Champions League führen sollen, werden dann unter Rutten als Assistenten arbeiten.

Müller ist "zu 100 Prozent sicher"

"Fred war für mich vom ersten Moment an die erste Wahl. Er hat Fachkompetenz, Ausstrahlung und Persönlichkeit. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass er der richtige Trainer für Schalke ist", sagte Manager Andreas Müller, der unmittelbar nach der Entlassung Slomkas Kontakt zu Rutten aufgenommen hatte. Schon Anfang Januar habe er ein Spiel von Twente beobachtet und sei "begeistert" gewesen: "Ordnung, Disziplin, das Spiel nach vorne - Freds Handschrift war klar zu erkennen, das hat mir sehr imponiert."

Präsident Josef Schnusenberg, der schon zu Slomkas Zeiten einen Trainer von internationalem Rang ins Gespräch gebracht hatte, betonte, dass Vorstand und Aufsichtsrat die Entscheidung für Rutten einstimmig getroffen hätten. Als Co-Trainer von Guus Hiddink beim PSV Eindhoven, betonte Müller, habe Rutten außerdem sehr wohl internationale Erfahrung sammeln können.

Rutten wird Twente am 1. und 4. Mai noch in den zwei Spielen gegen NAC Breda um den Einzug in die Champions-League-Qualifikation betreuen und will erst danach an Schalke denken. "Twente zu verlassen, fällt mir sehr schwer. Aber ich glaube, dass ich etwas hinterlasse, mit dem der Verein gut weiterarbeiten kann", sagte Rutten, der sich bis Saisonende auch nicht in Büskens' und Mulders Arbeit einmischen will. Worauf er Wert legt, machte er aber schon mal deutlich: "Der Teamgeist ist sehr wichtig, und Regeln müssen sein, sonst kann eine Mannschaft nicht erfolgreich sein."

Auf konkrete Ziele wollte sich Rutten nicht festlegen. Er kenne die Mannschaft noch nicht, und man müsse realistisch bleiben, aber grundsätzlich sei "im Fußball alles möglich".

Das letzte, was Hollands Trainer des Jahres 2007 sein will, ist eine Kopie von Stevens. "Vielleicht sind wir ähnlich, aber ich bin Fred Rutten, und jeder Trainer macht seine eigene Arbeit", sagte Rutten, der sich dennoch Tipps beim Schalker UEFA-Cup-Sieger von 1997 holen will: "Huub hat ein blaues Herz, ich werde sicher mit ihm reden." Auch der Hamburger SV, nächster Schalker Gegner, wollte Rutten für den am Saisonende nach Eindhoven wechselnden Stevens verpflichten.

Schon mit 15 Jahren bei Twente

Fredericus Jacobus Rutten war als 15-Jähriger zu Twente gekommen und absolvierte zwischen 1979 bis 1992 alle seine 307 Profi-Spiele für den Klub in der 150.000-Einwohner-Stadt an der deutsch-niederländischen Grenze, nur gut 100 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt. Wegen eines Hüftleidens, das dem zweifachen Familienvater ("Ich spreche nie öffentlich über meine Familie") noch heute zu schaffen macht, musste der Abwehrspieler seine aktive Karriere beenden.

1993 wurde er Jugendkoordinator bei Enschede und verschaffte der Abteilung einen hervorragenden Ruf. 1996 wurde er zum Co-Trainer von Hans Meyer befördert, nach dessen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach 1999 zum Chefcoach. 2001 folgte der Pokalsieg gegen PSV Eindhoven, und der Top-Klub war so beeindruckt, dass er Rutten als Assistenten von Hiddink holte. Im Juli 2006 kehrte Rutten nach Enschede zurück.