2008.04.25 Neuss : Auftritt in Frankfurt als Gradmesser für Doll

Nach der Wutrede muss Thomas Doll seinen Worten nun Taten folgen lassen, um den Trainerposten beim BVB nicht zu verlieren. Da kommt das Spiel in Frankfurt statistisch gerade recht.

vno
Thomas Doll kämpft um seinen Job

Für den denkwürdigen Auftritt des BVB-Trainers Thomas Doll wurden zahlreiche Schlagwörter gefunden: Wutrede, Ausraster, Generalabrechnung - der an Giovanni Trapattoni erinnernde Auftritt am Mittwoch vor dem Punktspiel bei Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr/live bei Premiere) bedeutete doch im Grunde nur eins: Der umstrittene Doll kämpft schon fast verzweifelt um seinen Job.

Trotz des guten Auftritts im Pokalfinale gegen Rekordmeister Bayern München (1:2 n.V.) und der Qualifikation für den UEFA-Cup würde die Luft für Doll im Fall einer Niederlage am 30. Spieltag bei seinem früheren Arbeitgeber immer dünner werden. Schließlich hat der BVB nur eines seiner zurückliegenden acht Punktspiele gewonnen und läuft sogar Gefahr, noch in den Abstiegskampf verwickelt zu werden.

Doll: "Noch vor 13 Monaten lag hier alles am Boden"

Trotz dieser schwachen Bilanz in der Liga machte Doll, der 28 Punktspiele für die Eintracht absolvierte, unmissverständlich klar, dass seine Arbeit eine größere Anerkennung verdiene. "Noch vor 13 Monaten lag hier alles am Boden. Jetzt ist der Europapokal erreicht und dennoch wird alles schlecht gemacht", schimpfte der 42-Jährige und machte seinem Unmut über die Berichterstattung in den Medien Luft.

Für Doll wurde das Fass durch die Spekulationen über seinen möglichen Nachfolger zum Überlaufen gebracht. "Das ist einfach respektlos", kommentierte der Coach die kurz vor dem Pokalfinale verbreiteten Gerüchte, wonach er von Jürgen Klopp (FSV Mainz 05) oder Frank Pagelsdorf (Hansa Rostock) abgelöst werden soll.

Auch die Gerüchte um Aufstellungen und Zukunft einiger Spieler stellte der Trainer an den Pranger. "Spieler, die von den Zeitungen bereits aus dem Verein geschrieben werden, sollen am Freitag bei Eintracht Frankfurt für den Verein die Knochen hinhalten. Da lach" ich mir den Arsch ab", wetterte Doll. Wenn man den Trainer weghaben und die Mannschaft austauschen wolle, solle man nicht glauben, dass sich dadurch sofort etwas ändere.

Doll kann sich der Unterstützung der Spieler sicher sein

Immerhin kann sich Doll, der in Frankfurt auf Sebastian Kehl (Bänder-Teilriss im Sprunggelenk) verzichten muss, offenbar noch der Unterstützung seiner Schützlinge sicher sein. "Ja sicher", antwortete der Brasilianer Dede im kicker auf die Frage, ob der Trainer bleiben soll. Laut Dede sei dies die Ansicht "der ganzen Mannschaft".

Doll kann vor der Partie in Frankfurt allerdings nicht nur auf seine Profis, sondern auch auf die Statistik bauen. Schließlich konnte Eintracht-Coach Friedhelm Funkel nicht eines der fünf Trainer-Duelle gegen Doll für sich entscheiden. Ob Funkel diese Negativ-Serie am Freitag beenden kann, hängt vor allem davon ab, ob seine Profis noch mit dem nötigen Ernst an die Sache gehen.

Für die im Mittelfeld der Tabelle liegenden Hessen geht es nämlich um nicht mehr allzu viel. Die zurückliegenden drei Pleiten haben die zwischenzeitlich aufgekommenen Hoffnungen der Frankfurter auf einen Platz im internationalen Wettbewerb gedämpft. Doch gerade deshalb will Funkel den Sieg: "Die Situation mit drei Niederlagen ist schon blöd, und sie stört mich auch."