2008.05.01 Neuss : Scheider gönnt Schumacher das Rampenlicht

Timo Scheider führt derzeit die DTM-Gesamtwertung an. Dass der Audi-Pilot trotzdem im Schatten des Ex-Formel-1-Stars Ralf Schumacher steht, macht dem 26-Jährigen nichts aus.

deni1
Audi-Pilot Timo Scheider ist in der DTM auf Erfolgskurs

Auch wenn Ralf Schumacher der neue Mann im Rampenlicht bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) ist, steht sportlich gesehen ein anderer Fahrer ganz vorne. Der Mann der Stunde ist der bislang wenig bekannte Timo Scheider. Der Audi-Pilot hat durch den ersten DTM-Sieg seiner Karriere die Spitze der Gesamtwertung erobert und träumt nun sogar vom Titel.

"Viel besser hätte es kaum laufen können. Die Performance stimmt, wenn es so weitergeht, dann bin ich vielleicht in der Lage, ein Wörtchen mitzureden", sagt der 26-Jährige vor dem 3. Saisonrennen am Sonntag (14 Uhr/live in der ARD) in Mugello/Italien in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Dass er klar im Schatten des ehemaligen Formel-1-Stars Ralf Schumacher steht, obwohl der in einem Mercedes-"Gebrauchtwagen" hinterherfährt, stört Scheider nicht. Vielmehr glaube er, dass Schumacher ein Segen für die ganze DTM sei. Das habe er selbst gemerkt, weil das Interesse nach den beiden Audi-Erfolgen noch größer gewesen sei als in den Jahren zuvor.

Sonderrolle von "Schumi II" stört Scheider nicht

Er sei auch nicht neidisch auf den Sonderstatus von "Schumi II" als Zugpferd der DTM, betont Scheider. Dass Schumacher 3,5 Millionen Euro für eine Saison kassiert und damit mehr als alle Audi-Piloten zusammen, scheint den bisherigen Nobody ebenfalls nicht zu stören: "Ich glaube, der Mix muss einfach stimmen. Und das ist in der DTM absolut der Fall."

Laut Scheider mache Ralf Schumacher für einen Neuling eine ganz gute Figur. Auch außerhalb des Rennautos sei "Schumi II" ein äußerst angenehmer Zeitgenosse, gar nicht arrogant, wie oft behauptet. "Ich erlebe ihn an den Rennwochenenden und bei anderen Terminen als sehr herzlichen Menschen, der Ratschläge annimmt und diese auch von anderen fordert", sagt der DTM-Spitzenreiter.

Es sei ein tolle Sache, sich in der DTM bei den Zweikämpfen mit einem Schumacher duellieren zu können, so Scheider. Dennoch mache es nicht besonderen Spaß, den neuen Mercedes-Star zu überholen. "Wen ich besiegen muss, ist mir eigentlich egal - da gibt es neben Ralf noch 18 weitere Jungs und Mädels, bei denen das schwierig genug ist", meint der Audi-Pilot.

Einen kleinen Seitenhieb auf den berühmten Kollegen kann sich Scheider aber nicht verkneifen. Ralf Schumacher müsse irgendwann auch die Vorschuss-Lorbeeren rechtfertigen, die er als einer der erfolgreichsten deutschen Rennfahrer bekommen habe: "Dass man auch als Rookie in einem Vorjahresfahrzeug ganz vorne dabei sein kann, zeigt ja auch der starke Auftritt von unserem Oliver Jarvis."

Dass Audi die DTM-Saison 2008 derart dominiert (Dreifach-Sieg in Hockenheim, Doppelsieg in Oschersleben), ist sogar für Scheider eine Überraschung. Deshalb seien nun auch die Teamkollegen erstmal seine schärfsten Rivalen: "Schließlich kämpfen sie mit den gleichen Waffen." Dennoch dürfe man nicht den Fehler machen und Mercedes unterschätzen: "Sie werden die Niederlagen nicht auf sich sitzenlassen wollen."

Der erste DTM-Sieg sei für ihn fast wie ein Befreiungsschlag gewesen, gesteht Scheider: "Die Wartezeit war mit knapp 80 Rennen ein bisschen lang, aber umso schöner ist es, dass sich die ganze harte Arbeit und die Geduld jetzt ausgezahlt haben." Sein erster DTM-Siegerpokal hat bei ihm einen ganz besonderen Platz erhalten. Der steht nun im Zimmer von Sohn Loris.