2008.05.04 Neuss : Löw will vorläufigen Kader aufstocken

Bundestrainer Joachim Löw überlegt nach dem Ausfall von Bernd Schneider, den vorläufigen EM-Kader aufzustocken und mehr Spieler mit ins Trainingslager auf Mallorca zu nehmen.

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Joachim Löw sucht nach Alternativen für Bernd Schneider

Nach dem Ausfall von Bernd Schneider dürfen sich einige Spieler wieder berechtigte Hoffnungen auf einen Platz im deutschen EM-Kader machen. 34 Tage vor Beginn der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) erwägt Bundestrainer Joachim Löw den Kader für das am 19. Mai beginnende EM-Trainingslager auf Mallorca aufzustocken. "Wir werden intern nochmal diskutieren, ob wir den ein oder anderen Spieler mehr mitnehmen. Ein Großteil des Kaders steht zwar fest, aber es gibt schon noch einige Fragezeichen", sagte der 48-Jährige im Aktuellen Sportstudio des ZDF.

Der definitive Ausfall von Bernd Schneider hat Löw und sein Trainerteam knapp zwei Wochen vor der Bekanntgabe des EM-Kaders auf der Zugspitze personell in die Bredouille gebracht. Vor allem die Auswahl der Mittelfeldspieler bereitet dem Bundestrainer derzeit noch großes Kopfzerbrechen. Ursprünglich sollte das 23-köpfige EM-Aufgebot der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 16. Mai auf der Zugspitze bekanntgegeben werden, derzeit deutet aber alles darauf hin, dass der endgültige Kader erst beim offiziellen Ende der UEFA-Meldefrist am 28. Mai steht.

Bierhoff: "Müssen aufpassen, damit wir Alternativen haben"

"Nach dem Ausfall von Bernd Schneider müssen wir auf der ein oder anderen Position aufpassen, damit wir genügend Alternativen haben", meinte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Eine endgültige Entscheidung, ob bei der Kaderbenennung am 16. Mai noch einige Spieler mit einem Sternchen versehen werden, fällt nach dem vorletzten Bundesliga-Spieltag am kommenden Wochenende. Dann wird sich Löw mit seinem Assistenten Hansi Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und DFB-Chefscout Urs Siegenthaler an einem unbekannten Ort noch einmal intensiv austauschen.

"Wir werden eine gründliche Bestandsaufnahme machen, alle Kriterien überprüfen. Wir werden den Status quo jedes einzelnen Spielers überprüfen. Wer ist verletzt oder angeschlagen? In welcher Form befindet sich der Spieler? Wer passt charakterlich am besten zusammen? Dabei werden wir auch darüber sprechen, wer möglicherweise als Ergänzungsspieler die beste Lösung ist, wer im Tor als Nummer drei am besten zur Mannschaft passt", erklärte Löw im sid-Gespräch das Auswahlverfahren.

Besonders bitter ist für Löw der Ausfall von Mittelfeldspieler Schneider. Der 34-Jährige, der mit bislang 81 Länderspielen der erfahrenste DFB-Akteur bei der EM gewesen wäre, hatte sich vor einer Woche einer Bandscheiben-Operation an der Halswirbelsäule unterziehen müssen und fällt für das Turnier auf jeden Fall aus. "Leider müssen wir ihn für die EM abschreiben. Mit seiner Erfahrung wäre er ein wichtiger Spieler für uns gewesen", sagte Löw, der im Mittelfeld nun die Qual der Wahl hat. Denn während Kapitän Michael Ballack, Torsten Frings, Thomas Hitzlsperger, Clemens Fritz, Bastian Schweinsteiger und Simon Rolfes für die EM gesetzt sind, hat um die übrigen Plätze das Hauen und Stechen begonnen. Kandiaten für eine EM-Teilnahme sind nach dem Ausfall von Schneider derzeit Piotr Trochowski, Roberto Hilbert, Jermaine Jones, David Odonkor und Tim Borowski, der nicht erst seit dem 2:0 gegen Cottbus am Samstag aufsteigende Form zeigt.

Löw macht Borowski Hoffnungen

"Ich werde mich nicht tendenziell äußern. Aber Tim Borowski hat in den letzten Wochen wieder sehr starke Leistungen gezeigt und im Moment wieder die Form, die wir von ihm kennen", sagte Löw, der auf Mallorca zumindest mit Innenverteidiger Christoph Metzelder rechnen kann. Der Führungsspieler stieg nach viermonatiger Verletzungspause in der vergangenen Woche beim spanischen Meister Real Madrid wieder ins Mannschaftstraining ein und dürfte damit für die EM-Endrunde rechtzeitig fit werden.

Insgesamt sieht Löw sein Team für die EM ohnehin bestens gerüstet. "Wir sind gut vorbereitet. Es wird Zeit, dass die EM beginnt. Wir werden versuchen, die ersten sechs Spiele bei der EM zu gewinnen - dann schauen wir weiter", erklärte Löw, der sich auf einen EM-Favoriten nicht festlegen wollte: "Es gibt keine Favoriten, auch keinen Topfavoriten. Jeder kann jeden schlagen. Nur wer in der Lage ist, sechs Spiele lang Topleistungen zu bringen, wird Europameister."