2008.05.06 Neuss : Streit um Fördergelder für DEB geht weiter

Nach dem Bruch zwischen der Nationalen Anti-Doping-Agentur und dem Deutschen Eishockey-Bund stehen nun Fördergelder von rund 600.000 Euro auf dem Prüfstand.

jbo1
Am Mittwoch wird über die öffentlichen Fördergelder für den DEB entschieden

Nach der Vertragskündigung zwischen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) und dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) soll nun über die öffentlichen Fördergelder entschieden werden. "Ich denke, wir müssen jetzt sorgfältig prüfen, wie es mit der weiteren Förderung aus Steuermitteln aussieht", sagte der Sportausschussvorsitzende Peter Danckert (SPD) am Dienstag . Der DEB kassiert jährlich 600.000 Euro öffentliche Zuschüsse.

Über mögliche Konsequenzen wird bereits am Mittwoch im Bundestag-Sportausschuss diskutiert, wenn die NADA zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) über die Einhaltung des NADA-Codes durch die Sportverbände berichten soll. Die NADA hatte am Montag den Kooperationsvertrag gekündigt, weil Nationalspieler Florian Busch (Berlin) wegen eines zunächst verweigerten und erst Stunden später nachgeholten Dopingtests vom DEB nicht gesperrt und sogar für die WM in Kanada nominiert wurde.

DOSP-Präsident Bach will Einigung

DOSB-Präsident Thomas Bach wollte über mögliche Folgen für den DEB nicht spekulieren. "Ich will den Entscheidungen der Politik nicht vorgreifen", sagte Bach, gab jedoch seiner Hoffnung auf eine Einigung zwischen den Parteien Ausdruck: "Wir haben angeregt, den Fall einem Schiedsgericht zu unterbreiten und dann dessen Entscheidung anzuerkennen. Die Gespräche sind noch nicht zu Ende." Am 16. Mai wird es ein weiteres Treffen zwischen NADA, DEB und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper als Vermittler geben.

DEB bestreitet Vorwürfe der NADA

Inzwischen hat sich der DEB zu den Vorwürfen zu Wort gemeldet, einige WM-Spieler seien der NADA gar nicht gemeldet. "Die NADA bekommt von uns immer den aktueller Kader, vor jeder Länderspielmaßnahme und vor jedem Turnier", erklärte DEB-Generalsekretär Franz Reindl dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Alle werden zu 100 Prozent kontrolliert, es gibt keine Lücke."

"Diese Darstellung entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten", sagte Reindl weiter. Richtig sei, dass dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) im vergangenen Sommer ein 28-köpfiger Kader gemeldet worden sei, der dann an die NADA weitergegeben wurde. Darin seien die Spieler aufgelistet gewesen, die zu diesem Zeitpunkt zur Nationalmannschaft gehörten. Somit fehlten in dieser Liste unter anderem die NHL-Legionäre Marco Sturm, Christoph Schubert, Dennis Seidenberg und Dimitri Pätzold. Außerdem der Berliner Stefan Ustorf, der erst kurz vor der WM ins Team zurückkehrte, oder die beiden Deutschkanadier Chris Schmidt und Jason Holland, die erst im Laufe der Saison ihr Debüt für den DEB gaben.

Reindl: "NADA will uns Schwarzen Peter zuschieben."

Beim Deutschland-Cup im November oder dem Vierländerturnier im Februar in Lausanne sei der NADA aber der aktuelle Kader genannt worden, so Reindl. Spieler, die im Sommer nicht auf der Liste standen, seien längst kontrolliert worden. So wurden am 1. Mai einen Tag vor WM-Beginn in Halifax insgesamt acht deutsche Spieler von der NADA getestet, darunter die NHL-Profis Seidenberg und Schubert. "Die NADA will uns den Schwarzen Peter zuschieben, das ist nicht zu akzeptieren", sagte Reindl weiter.

Dem Urteil eines Schiedsgerichtes würde sich auch der DEB unterwerfen, dafür müsse jedoch eine Satzungsänderung beschlossen werden, wie DEB-Vizepräsident Uwe Harnos erklärte. Dies könne frühestens am 12. Juli bei der Mitgliederversammlung geschehen. Harnos bekräftigte jedoch: "Wir halten unsere Entscheidung nach wie vor für richtig."

Die sportpolitischen Sprecher der Parteien sehen dies offenbar anders. "Wenn ein Vertragspartner, wie in diesem Fall der DEB, die Regeln der NADA nicht einhält, dann ist es die logische Konsequenz, dass er sich die öffentliche Sportförderung verwirkt", sagte Detlef Parr von der FDP, der das Strafmaß des DEB als "willkürlich und fernab jeder Spielregel" bezeichnete.

Sportpolitikerin Freitag bleibt hart

Auch SPD-Sportpolitikerin Dagmar Freitag deutete eine harte Linie an: "Wenn der DEB mit diesem Strickmuster durchkommt, dann ist das eine Blaupause für jeden Athleten und Verband, der möglicherweise dopen will."