2008.05.07 Neuss : Borowski und Trochowski kämpfen um EM-Platz

Tim Borowski und Piotr Trochowski stehen sich am Mittwoch beim Bundesliga-Spiel zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen als Konkurrenten um einen EM-Startplatz gegenüber.

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Seine Leistungskurve zeigt nach oben: Tim Borowski

Die Sammelbilder sprechen eine eindeutige Sprache und scheinen sich bereits entschieden zu haben. Bild 218: Tim Borowski. Piotr Trochowski ist dagegen im Album nicht für den Kader der deutschen Nationalmannschaft für die bevorstehende Europameisterschaft vorgesehen. Dabei hat der Hamburger seit Oktober 2006 elf Spiele für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw bestritten, trotzdem muss der 24-Jährige um seine Teilnahme an der EURO in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) zittern.

Borowskis Leistungskurve zeigt nach oben

Eine große Lobby hat der Mittelfeldspieler vom Hamburger SV nicht. Auch in diversen Internetforen von Fußballfreunden wird sein Name nicht ernsthaft diskutiert, selbst bei seinem Verein findet sich der großartige Techniker öfter als ihm lieb ist auf der Auswechselbank wieder. Der ein Jahr von Verletzungen geplagte Bremer Borowski ist dagegen wieder auf dem aufsteigenden Ast. "Er hat in den letzten Wochen wieder sehr starke Leistungen gezeigt und im Moment wieder die Form, die wir von ihm kennen", sagte Löw.

Im Bundesliga-Spitzenspiel am Mittwoch in Hamburg zwischen dem HSV und Werder sollte es das direkte Duell der beiden Kandidaten geben, aber ob Trochowski von Trainer Huub Stevens aufgeboten wurde, blieb wie so oft in letzter Zeit bis zum letzten Moment unsicher. Stevens jedenfalls interessiert sich für die EM-Ambitionen seines Mittelfeldakteurs wenig: "Ich bin beim HSV und dafür verantwortlich, dass ich hier ein gutes Training mache und dass ich erfolgreich bin mit der Mannschaft. Was ein Nationaltrainer tut, ist seine Sache."

Fehlende Abwehrstärke und zu wenig Geschwindigkeit im Spiel nach vorne wirft Stevens Trochowski vor, dessen Idealposition als Spielmacher von Rafael van der Vaart besetzt ist. Mit seiner Beidfüßigkeit, starken Standards und erstklassiger Schusstechnik ist er allerdings universell einsetzbar.

"Ich habe alle Vorgaben des Bundestrainers erfüllt."

Ein Argument, das bei der Zusammensetzung eines begrenzten EM-Kaders für ihn spricht - insbesondere, da der ähnlich veranlagte Bernd Schneider ausfällt. "Keinen Kommentar", gibt der Hamburger zu seiner Situation ab, nur soviel: "Ich habe alle Vorgaben des Bundestrainers erfüllt."

Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger, Thomas Hitzlsperger, Torsten Frings, Clemens Fritz und Simon Rolfes scheinen für die EM gesetzt. Da Löw jede Position doppelt besetzen möchte, wären nach dem Ausfall des verletzten Schneider noch zwei Positionen frei, um die sich neben den beiden Hansestädtern auch Jermaine Jones, David Odonkor, Roberto Hilbert und Sebastian Kehl bewerben. Auch der Bundestrainer ist sich noch keinesfalls sicher. Am 16. Mai wird auf der Zugspitze der EM-Kader bekanntgegeben, möglicherweise werden ihm jedoch vorläufig mehr als die 23 EM-Fahrer, die am Ende nominiert werden dürfen, angehören.

Auf der Zielgeraden vor der EM aber macht Borowski gegenüber "Troche" den stabileren Eindruck. "Ich war gut ein Jahr verletzt und bin nur schwer in Fahrt gekommen" erklärt der 28-Jährige seine lang anhaltende Formschwäche, "ich habe aber immer betont, dass ich alles aus mir herausholen werde. Dies beweise ich nun."

Borowski, der nur neuen Saison zum Doublegewinner Bayern München wechselt, hat sicher auch den Bonus, dass er bei der WM 2006 seine Fähigkeiten international bereits bewiesen hat. "Ich stand in ständigem Kontakt mit Löw, Hansi Flick und Oliver Bierhoff", erklärt Borowski: "Das waren klare und gute Gespräche.