2008.05.11 Neuss : "Blues" hoffen auf Ausrutscher der "Red Devils"

Manchester United reicht im Herzschlagfinale um die englische Meisterschaft ein Sieg bei Wigan Athletic, während der punktgleiche FC Chelsea gegen Bolton spielt.

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Jubelt United heute über den Titel

Das spannendste Titelfinale in der stärksten Liga der Welt seit 40 Jahren elektrisiert ganz England: Wenn im Mutterland des Fußballs heute um 16.00 Uhr der letzte Spieltag der Premier League angepfiffen wird, sind alle Augen auf das packende Fernduell zwischen Manchester United und dem FC Chelsea gerichtet. Der Show-down um die Meisterschaft ist auch ein Vorgeschmack auf das Champions-League-Finale zehn Tage später in Moskau, wo sich beide Top-Klubs erneut gegenüberstehen werden.

Die Ausgangslage ist klar: "ManU" will seine Tabellenführung bei Wigan Athletic ins Ziel retten, etwa 320 Kilometer weiter südlich hoffen die punktgleichen "Blues" mit dem deutschen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack an der heimischen Stamford Bridge auf einen Sieg gegen die Bolton Wanderers (Live-Konferenz bei Premiere) und einen Ausrutscher der "Red Devils".

Ferguson: "Wir sind im Vorteil"

Doch Manchester demonstriert angesichts des 17-Tore-Vorsprungs ein starkes Nervenkostüm. "Wir sind vorn, also im Vorteil. Von ManU wird sowieso erwartet, dass es jedes Spiel gewinnt", sagte Teammanager Sir Alex Ferguson. Für Manchester wäre es der 17. Meistertitel und der zehnte unter der Regentschaft von Sir Alex.

Auch Defensivspieler Owen Hargeaves sagte, er sei nicht nervös, schließlich sei er solche Nervenschlachten aus seiner Zeit beim deutschen Rekordmeister Bayern München gewöhnt. Durch die Last-Minute-Meisterschaft 2001 im Fernduell gegen Schalke 04 fühle er sich gerüstet, "denn ich habe das alles schon einmal mitgemacht."

Die leichtere Aufgabe hat auf dem Papier Manchester, bei denen der genesene Stürmer Wayne Rooney wohl in die Startelf zurückkehrt, mit Wigan, das sich in der Tabelle jenseits von Gut und Böse befindet und bislang alle fünf Liga-Spiele gegen United verloren hat. Zudem sitzt dort in Teammanager Steve Bruce ein ehemaliger "ManU"-Profi auf der Bank, der auch als heißer Nachfolgekandidat gilt, falls sich Ferguson einmal zur Ruhe setzt.

Doch Bruce widerspricht vehement Spekulationen, er werde Manchester den Titel herschenken: "Jeder der mich kennt, weiß es besser. Wir werden bis an unsere Grenzen gehen." Auch Chelsea-Coach Avram Grant hofft auf Fairness: "Ich glaube an die Tradition des englischen Fußballs."

Grant gibt sich kämpferisch

Grant gibt sich kämpferisch vor dem Finale, wohlwissend, dass er seinen Job wohl nur mit Titeln in der Meisterschaft und der "Königsklasse" retten kann: "Alles andere als drei Punkte gegen Bolton wäre fatal." Doch die Wanderers, die rein rechnerisch noch in die Abstiegszone rutschen könnten, wollen den "Blues", die den Titel bislang dreimal gewinnen konnten, einen harten Kampf liefern. "Wir fahren nach Chelsea und stellen uns mit zehn Mann hinter den Ball", meinte Stürmer Kevin Davies.

Zum ersten Mal seit 40 Jahren gehen die zwei Erstplatzierten mit der gleichen Punktzahl in den letzten Spieltag. Dreimal seit dem Start der Premier League 1992 musste der finale Spieltag über den Champion entscheiden, und immer war "ManU" beteiligt. Zweimal (1995 und 1999) hatten die "Red Devils" am Ende die Nase vorn.