2008.05.14 Neuss : Hauptsponsor der "Löwen" droht mit Rückzug

Bei 1860 München brennt weiter der Baum. Nach der Entlassung von Hauptgeschäftsführer Ziffzer, droht nun auch der Hauptsponsor sein Engagement vorzeitig zu beenden.

bto
1860 München versinkt immer weiter im Chaos

Einen Tag nach der offiziellen Entlassung von Hauptgeschäftsführer Stefan Ziffzer verschärft sich die Krise bei 1860 München, das Präsidium gerät zunehmend unter Druck. Der Hauptsponsor des Zweitligisten hat in einem an Schärfe kaum zu überbietenden Offenen Brief an Präsident Albrecht von Linde und seine Stellvertreter ein Ultimatum gestellt und mit dem vorzeitigen Rückzug aus dem Vertrag angedroht. Die Chaostage, die am Sonntag nach dem 1:1 gegen den VfL Osnabrück mit der Pressekonferenz von Ziffzer, auf der er von Linde als "Schande" bezeichnet hatte, begonnen haben, gehen munter weiter.

"Unsere Erwartungshaltung an ein professionelles Präsidium ist eine andere", heißt es unter anderem in dem vom Deutschland-Chef Hermann Mairhofer unterschriebenen drei Seiten langen Brief, der einen 14 Punkte umfassenden Fragenkatalog enthält. Der Personaldienstleister Trenkwalder unterstützt den deutschen Meister von 1966 mit rund 750.000 Euro jährlich. Der Kontrakt läuft noch bis 2009.

Das Präsidium sei aufgefordert, sämtliche Fragen "in entsprechender Form und Umfang" bis kommenden Montag, 12.00 Uhr, zu beantworten. Andernfalls "sehen wir keine Basis für eine langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit miteinander und werden eine vorzeitige Auflösung des Hauptsponsorvertrages nach rechtlicher Prüfung in Erwägung ziehen", heißt es darin. Diese rechtliche Prüfung läuft bereits. Das wurde zeitgleich zur Veröffentlichung des Briefes auf einer Pressekonferenz des Hauptsponsors bekanntgegeben.

Im Laufe des Mittwochnachmittags nahm der nun allein verantwortliche Geschäftsführer und Manager Stefan Reuter zum Brief des Hauptsponsors Stellung. "Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir viele vertrauensbildende Maßnahmen anstrengen. Wir nehmen den Offenen Brief unseres Hauptsponsors sehr ernst." Öffentlich kommentieren wolle man das Schreiben aber nicht.

Auch andere Sponsoren kritisieren die Vereinsführung

Vor allem die im Raum stehenden Fragen um die Finanzlage des Vereins, um die eigene Sponsoring-Partnerschaft und die anderer Unternehmen sowie um die Personalsituation (Durch wen soll Ziffzer ersetzt werden? Hält das Präsidium langfristig an Reuter fest?) will der Hauptsponsor beantwortet haben.

Enthalten ist in dem Fragenkatalog auch die indirekte Aufforderung zum Rücktritt des Präsidiums mit von Linde an der Spitze sowie den beiden `Vizes' Karsten Wettberg und Franz Maget: "Wäre es Ziel führender, zum Wohle des Vereins den Weg für einen Neuanfang frei zu machen?" Im September soll es eine Rotation im Präsidium geben, entweder Wettberg oder Maget würden dann an die Spitze rücken.

Klar Position bezog der Hauptsponsor auch zum geschassten Ziffzer, der vom Präsidenten im Zuge der Entlassung am Dienstag Hausverbot für das Vereinsgelände erteilt bekommen hatte: "Unsere Vertrauenspersonen waren immer die beiden Geschäftsführer Dr. Stefan Ziffzer und Stefan Reuter. Zu unserer tiefen Enttäuschung und für uns nicht nachvollziehbar, haben von Ihrer Seite `bis heute keinerlei Kontaktaufnahme zu uns sowie keinerlei vertrauensbildenden Maßnahmen stattgefunden." Auf der Pressekonferenz des Hauptsponsors hieß es dazu, man sei beim ersten Ligaspiel in Augsburg im vergangenen Sommer mit dem Präsidium bekannt gemacht worden, "seither gab es keinen Kontakt mehr".

Auch bei anderen Sponsoren ist das Vertrauen in die Vereinsspitze erschüttert. Die Brauerei Hacker-Pschorr ließ verlauten, `die Zusammenarbeit mit Herrn Ziffzer war sehr professionell'. Jetzt beobachte man `die Entwicklungen sehr genau'. Wettberg hatte am Vorabend im DSF erklärt, `dass Sechzig vor dem Konkurs steht, das kann man vergessen'. Sicher scheint allerdings, dass 1860 München weitere Chaostage bevorstehen.