2008.05.14 Neuss : Nationalspieler üben harsche Kritik an BBL und DBB

In einem großen Interview haben die beiden deutschen Nationalspieler Ademola Okulaja und Patrick Femerling die Bundesliga und den nationalen Verband hart kritisiert.

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Nationalspieler Ademola Okulaja übt Kritik

Die Politik der Basketball-Bundesliga (BBL) und des Deutschen Basketball Bundes (DBB) wird bereits seit längerem kritisch beäugt. Nun haben auch zwei Nationalspieler ihrem Unmut über die derzeitige Situation des Basketballs in Deutschland Luft gemacht. Ademola Okulaja von Meister Brose Baskets Bamberg und Patrick Femerling von Alba Berlin haben Kritik an der BBL, dem DBB und auch der Fernseh-Berichterstattung formuliert.

Als großes Manko sehen die beiden Routiniers vor allem die mangelnde Qualität in der Liga. "Mit 18 Klubs ist die Liga viel zu groß, wir brauchen Qualität statt Quantität", sagte Okulaja in einem Interview in der Sport Bild.

In den vergangenen Jahren, so der 32-Jährige, habe es zu viele Pleiten in der BBL gegeben, das schade dem Ruf der Liga. 14 Klubs seien eine angemessene Größe, so Okulaja. "Es ist ein hartes Los, deutscher Basketballer zu sein, die Klubs holen lieber günstige 20.000-Dollar-Amis, die oft nach ein paar Monaten schon wieder verschwinden. Die BBL ist ein Durchlauf-Erhitzer. So kann es nicht weitergehen", ergänzte Femerling und machte damit auch auf die Ausländerproblematik aufmerksam.

Deutsches Kontingent soll erhöht werden

Nach Ansicht der Leistungsträger des Nationalteams, die auch schon bei Spitzenklubs in Griechenland oder Spanien unter Vertrag standen, sollte das vorgeschriebene "deutsche" Kontingent in den Klub-Kadern schnellstens zugunsten junger deutscher Talente erhöht werden. "Drei Deutsche im Kader wie zurzeit oder vier wie nächste Saison, das bringt nichts. Da kann man auch den Hausmeister auf den Spielberichtsbogen schreiben. Sechs deutsche Spieler im Kader und zwei auf dem Feld sollten Pflicht sein", meinte Femerling weiter und Okulaja bestätigte: "Andere Länder machen es uns doch vor."

Mit den Ligen in Griechenland, Spanien, Italien oder Russland könne die sportlich und wirtschaftlich schwächere Bundesliga nicht mithalten. "Wir müssen endlich auch wieder ins Fernsehen. Ich gucke regelmäßig Sportschau und Sportstudio. Aber da läuft fast nur Fußball. Es muss auch andere Sportarten geben. Ich weiß ja nicht, wie viele Leute sich für Springreiten interessieren. Aber das läuft live im Fernsehen. Das haben sie geschafft."

Wenn man sein Handwerk verstehe, könne man Sportarten verstärkt pushen, erklärte Femerling, und das sei Aufgabe des Verbandes. "Bei unseren Erfolgen mit der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren (WM-Bronze 2002, EM-Silber 2005 d. Red.) sei zu wenig gekommen", sagte Okulaja. "Der Deutsche Basketball Bund hat es nicht geschafft, ein großes Turnier nach Deutschland zu holen. Und das trotz eines Dirk Nowitzki."